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Der Israelit · 1901-02-07 · Heft 11 (7.2.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 11 (7.2.1901)
Date
1901-02-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4L. Jahrgang. Erste Anlage zu M11 des „Israelit" Leitender Artikel. Frchm Wilhtli» Karl «an Rathschilli y'». (Die Trauerfeier in den Gemeinden.) Frankfurt a. M., 4. Februar. In der Gemeindesynagoge der „Israelitischen Religionsgesellschaft" in der Schützenstraße fand gestern Nachmittag (Sonntag) ein Trauergottesdienst zu Ehren des Heimgegangenen Freiherrn von Rothschild statt. Zahlreiches Publikum füllte die weiten Räume des Gotteshauses; den Synagogenbeamten war es im Verein mit der Polizei nur mit Mühe gelungen, einer Ueberfüllung durch die nachdrängende Menge der Einlaß Suchenden vorzubeugen. Von Angehörigen der Familie Rothschild waren anwesend die Schwiegersöhne des verstorbenen Freiherrn, Baron Edmund von Rothschild aus Paris und Max Goldschmidt von hier mit ihren Damen und Söhnen; auch wohnten Vertreter der Häuser Rothschild in London und Paris dem Gottesdienste bei. Nach beendeter nn;c r.^en ergriff Rabbiner Dr. Breuer das Wort zur Gedenkrede, deren Gedankengang hier nur flüchtig skizzirt werden kann. Es giebt einen Schmerz — der, je tiefer und inniger er ist, um so scheuer zurückweicht vor den Augen der Menge, hineinflüchtet in die stille Weihe des Familiengemaches, das dem Abberufenen Stätte seiner Wirksamkeit gewesen. Allein, wenn ein Mann dahintritt, der ein Stolz der Menschheit genannt zu werden verdient und der dies geworden, weil er Jude war, dann drängt es hinauszurufen in die lauteste Oeffentlichkeit, was an wogenden Schmerzgefühlen die Brust bewegt. Die ganze Gemeinschaft steht trauernd an Wilhelm von Rothschilds Bahre, aber weit darüber hinaus beugen sich alle, die ihm je nahe getreten, vor dem Adel seiner großen Seele cy vusroi rtyy "i np*rc dxiL>' Die Gottesmilde übte er auf Erden, aber auch seine Satzungen m i t Israel, wie nur Einer in seinem Volke. Wo es galt Thränen zu trocknen auf weitem Erdenrund, wo Hungrige darbten, Strauchelnde zu stützen waren, wo Krankheit oder Tod, Rechtsberaubung oder wirthschaftlicher Druck den Gequälten aufschreien ließ aus seinem Elend, wo es galt der Thora und ihren Trägern, den Jüngern der Gotteswahrheit beizustehen und sie zu erhalten — da war Wilhelm von Rothschild der Erste, der helfend, rettend eintrat, wie ein Gottesbote aus Himmelshöhen. Allein nicht minder schwer, schwerer vielleicht als seine Gottesmilde, wiegt unS feine Gottes treue; nicht arm ist Israel Gottlob an Fürsten der menschenbeglückenden Liebe, er aber war der pv" seiner Zeit, und die Lade, die seine sterbliche Hülle barg, dürfte kühn zur Rast gehen neben der Bundeslade seines Gottes ra nt v"p iw »rep. So ward er denn der große Pflichtgetreue, der bxnv oy mitten im VolkSkreise Israels, den Versuchungen reichsten Güterbesitzes trotzend, die Gesetzesnormen seine? Gottes zur unverbrüchlichen Verwirklichung brachte. So war sein Leben vom ersten bis zum letzten Athemzuge eine Heiligung des GotteSnamens auf Erden, und die Verehrung, die wir seiner Größe zollen, ist eine Huldigung vor der Lebenskraft des gesetzeStreuen Judenthums. — Mit Worten des Gebets und der Ermahnung schloß der Redner seine eindrucksvollen Ausführungen. Oberkantor Friesländer rezitirte hierauf v'vrn xbv bx, des Heimgegangenen als eines Mannes gedenkend, der brwvn By vtsctpei ne>y n np-tt, wonach Baron Edmund v. Rothschild neben dem fiey Kadisch sagte. Den Schluß bildete 2'iya rtan der einfachen, aber erhebenden Feier. München, 3. Febr. Zu Ende des allsabbatlich stattfindenden Ehewrah-VortrageS gedachte Herr Rabb. Dr. Ehrentreu am gestrigen SchabboS Beschalach des ungeheuren Verlustes, welchen das Gesammtjudenthum durch das Hinscheiden des Freiherrn Wilh. Carl von Rothschild erlitten. Der Wochenabschnitt führt uns die Gefahr der Versuchungen vor Augen und auch im täglichen Gebete sagen wir: xb.ux'axi *?x pna mH p*w mH Das Letztere ist mehr einleuchtend, nämlich, daß der Mensch durch Schmach und Erniedrigung in die Gefahr gebracht werden kann, vom Pfade des Gottgefälligen und der religiösen Pflichten abzuirren. In Wirklichkeit sei aber die Gefahr, welche durch pwr entstehen kann, weit größer. Denn das sind die Versuchungen, welche an den Menschen herantreten, wenn ihn das Schicksal an die Sonnenseite gestellt, wenn er zu Ehren, Macht und Einfluß gelangt und sich demnach auf dem Gipfel des Glückes befindet. Dann trifft oft das ein, wovor die Thora so eindringlich warnt, wenn sie sagt: „Hüte Dich, daß sich Dein Herz nicht überbebe u. Du des Ewigen, Deines Gottes, vergessest, indem Du sprichst: „Meine Kraft und die Macht meiner Hände haben r;ir diese Erfolge errungen." Sebr häufig werden R-liaion. Glaubensvorsthrikten und göt 'liches Gesetz, sowie Liebe gegen die Rebenmenichen und Mildherzigkeit geg:n die Bedürftigen bei Seite geschoben und der Vergessenheit überantwortet, wenn das Schicksal an weltlichen Gütern alle? gespendet, woraus der irdische Sinn des Menschen gerichtet ist. Eine rühmliche Ausnahme machte der der-

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