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Der Israelit · 1901-02-07 · Heft 11 (7.2.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 11 (7.2.1901)
Date
1901-02-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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343 fett, die zu dem bisherigen Auftreten in vollendetem Gegensatz stand: „Bensew, Er ist ein Ehrenmann, Respekt vor Ihm! Ich werde noch heute Morgen in meinem Sekretariate die Akten durchgehen und Seine Angaben damit vergleichen. Wenn sich, wie ich hoffe, alles so herausstellt, wird noch heute ein Schreiben nach Malsfeld gehen, das die Riige zurücknimmt und dem Herrn Pfarrer Genugthuung für die ihm widerfahrene Unbill gewähren wird. Ist Er damit zufrieden?" „Ich danke Euch, Hochwürdiger Herr, das ist es. was ich von Eurem biederen Rechtlichkeitssinn erwartet habe; ich bin mehr als zufrieden." Bei diesen Worten drängte sich eine große Freudenthräne aus den blauen Augen des ungewöhnlichen Bittstellers. Er erhob sich, um zu gehen. „Roch einen Augenblick, Heinemann Bensew. Er ist jetzt zufrieden, sagt Er; aber ich bin es noch nicht Was kann ich Ihm zum Dank dafür thun, daß Er uns auf unfern Jrrthum in so überzeugender Weise aufmerksam gemacht, und obwohl Er doch ein Jude ist, so wacker für einen christlichen Amtsbruder eingetreten ist?" — „Ich bin wirklich belohnt durch das Glück, das mit der Zurücknahme des Verweises in das Pfarrhaus zu Malsfeld einziehen wird. Aber wenn ich mir doch eine Gnade erbitten darf, so ist es die Bitte, daß unser Pfarrer niemals erfahren möge, daß er durch meine Vermittelung wieder zu seinem Rechte gelangt ist." „Warum will Er das?" „Weil ich unserem Herrn Pfarrer erstens sein Glück so vollständig wie möglich gönne; denn ich denke mir, daß es für ihn doch etwas Niederdrückendes hat. wenn die Fürsprache eines armen fremden Juden von größerem Gewichte ist, als die makellose vierzigjährige Amtsführung eines so edlen Geistlichen. Ferner würde es mich bedrücken, wenn sich unser Herr Pfarrer mir zum Danke verpflichtet glaubt, für einen Schritt, der mir durch Euer Hochwürden Wohlwollen doch so leicht geworden ist. Dann ist es aber auch noch kine andere Ueberlegung, die mich diese Bitte stellen läßt. Wenn je der Löwenwirth Holzmann es erfährt, daß ich, ein einfacher Dorfjude es war, der seine schwarzen Pläne durchkreuzt hat, so wird er mir und meinen Glaubensgenosien einen unauslöschlichen Haß nachtragen. Deßhalb bitte ich um die Gnade, daß das Ganze auch für den Verleumder ohne unangenehme Folgen bleibe; er ist schon genug bestraft, wenn er sieht, daß seine Machenschaften an dem Gerechtigkeitssinn Eurer Hochwürden ohne Wirkung abprallen." „Er ist ein guter und kluger Mann und ich verspreche Ihm, daß ich Seinen Wunsch respektiren werde. Aber ich bleibe in Seiner Schuld, vielleicht ist es mir doch noch einmal vergönnt, mich für Seine wackere That erkenntlich zu zeigen; und nun eile Er nach Malsfeld und bringe Er Seinem Schützling die Freudenbotschaft!" „Nach Hause gehen werde ich, aber die Freudenbotschaft zu bringen, muß ich dem Schreiben Eurer Hochwürden überlassen. Von mir wird unser Herr Pfarrer niemals erfahren, daß ich heute in Kassel war. Dagegen hoffe ich, daß er mir die Freudenbotschaft bald bringen wird und dafür sage ich Eurer Hochwürden schon heute meinen Dank." Mit diesen Worten verabschiedete sich Bensew. Ehrerbietig erhoben sich die Damen des Hauses beim Abschied., Der Herr Prälat gab dem fremden Juden sogar das Geleit bis an die Treppe und drückte ihm dort warm die Hand, mit dem Wunsche einer glücklichen Heimkehr. (Fortsetz, folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, MontHgg find DonnerslHgs, jedeSmal tu mindestens zwei Bogen. P eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Mau abonnirt ganzjährlicy, halbjährlich od«r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch ©. «fF. Sleinacker, Leipzig, Rastplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaliene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Di recte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich t4 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für's Ausland >6 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, mau btttet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Copie zuriickzubehalten. Gtelleufucheude erhalten auf Wunsch die Jnferaten-Beilage vier Wochen lang grattS und franco zugesandt. Ebenso stunde« wir auf Wunsch die Zahlung des JnserttonsbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: sHauptblatt): Leitender Artikel: Die Gesinnung. - Zeitungsnachrichten uno Correwondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Oldenburg. Worms. Aus Untersranken. Edelfingen. Aus Württemberg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Nikolsburg. England: Portsmouth. — Feuilleton: Beim Minister. (For'etzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Freiherr Wilhelm Carl von Rothschild y'ST. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hechingen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Kuttenberg. Rußland: Odessa. Amerika: Buenos Aires. Inhalt der zweiten Beilage: Lavater und Mendelssohn. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. AnSbach. England: London. — Vermischtes. Inhalt der dritten Beilage: Leitender Artikel: Die Israeliten Württembergs. (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Memel. Marburg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Frankreich: Paris. Rußland: Petersburg. — Mckiheilungen aus den jüd. Armenvereinen und für dieselben: Fulda. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit* Schoustratze vtr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Zoh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierrn drei Beilagen.

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