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Der Israelit · 1901-02-07 · Heft 11 (7.2.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 11 (7.2.1901)
Date
1901-02-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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WWWWWWW WM 341 Nachdem die erste Verlegenheit überwunden war, hatte Bensew seine ruhige Ueberlegung und seine praktische Lebensklugheit wiedergefunden, er antwortete daher ganz freimüthig: „Der Herr Pfarrer von Malsfeld schickt mich nicht; er weiß nicht einmal, daß ich hier bin und ich möchte auch nicht, daß er es jemals erfährt. Aber er hat mir gestern Abend im Vertrauen erzählt, welches harte Unrecht ihm von Seiten des Hochlöblichen Konsistoriums widerfahren ist. Das hat mich nicht ruhen lasten; ich bin die ganze Nacht hindurch gegangen, um den schwarzen Verdacht keine Minute länger als nöthig auf dem Charakter des edlen, selbstlosen Mannes ruhen zu lasten." Der vor wenigen Minuten noch so verlegene, schlichte Mann war plötzlich warm und beredt geworden. Er war Menschenkenner genug, um zu bemerken, daß seine Worte nicht ohne Eindruck geblieben waren, wenn der hochwürdige Herr noch immerhin in ganz gestrenger Weise fortfuhr: „Aber wie kommt denn ein ganz unbekannter Hebräer dazu, die Amtshandlungen des Konsistoriums zu bekritteln? Wenn der Pfarrer von Malsfeld Ihn wirklich nicht geschickt hat, wer hat Ihm dann da überhaupt ein Recht gegeben, sich in unsere Sachen zu mischen? Wie kann Er sich überhaupt unterstehen, unsere Maßnahmen als schwarzen, grundlosen Verdacht auszugeben, sag' Er einmal, wie Er zu solcher Dreistigkeit kommt?" „Verzeiht, hochwürdiger Herr, wohl weiß ich, daß es für einen unerfahrenen Dorfmann eine große Dreistigkeit ist, auch nur vor Eure Eminenz hinzutreten. Aber unser Herr Pfarrer hat mir bei früheren Anlässen schon so viel von Hochdero Herablassung und Leutseligkeit auch gegen den Niedrigsten erzählt, daß ich mir gesagt habe, es müsse einem so edlen Manne selber leid thun, einem im Dienste grau gewordenen Seelsorger ein Unrecht zuzufügen, wie dasjenige mit dem Konsistorial-Verweis da. Geschickt hat mich Niemand, aber getrieben hat mich mein Herz, das keinen Unterschied zwischen Juden und Christen kennt, das wie dasjenige der alten jüdischen Propheten für Moab und Edom, wie für die eigenen Stammesgenossen schlägt, das weiß, daß wie Maleachi sagt, alle einen und denselben Vater haben und daß uns alle ein und derselbe Gott geschaffen hat und das sich daher wild auflehnt gegen jedes Unrecht, das an einem Bruder verübt wird, mag er nun Jude oder Christ sein." „Er ist ja ein Schriftgelehrter, wie?" „Nein, der bin ich leider nicht; ich weiß nicht mehr, als ein einfacher Dorfjude meines Standes zu wissen pflegt, und das ist von einem Schriftgelehrten sehr weit entfernt." „Inwiefern ist Er denn an dem Handel mit dem Wgisengut betheiligt?" „Ein Handel mit dem Waisengut, verzeiht Hochwürdigster Herr, existirt gar nicht. Ich bin nicht daran betheiligt und der Herr Pfarrer ist an keinem Handel betheiligt, der nur einen leichten Schatten auf seine Ehrenhaftigkeit werfen könnte. Wenn es erlaubt ist, will ich Alles erzählen, wie es in Wirklichkeit ist." Bis dahin hatte Bensew noch immer an der Thüre gestanden. Jetzt erst lud ihn der Herr Prälat ein Platz zu nehmen und ihm ohne Rückhalt Alles zu erzählen, was er auf dem Herzen habe. Dankbar leistete der Aufgeforderte Folge und schilderte die Biederkeit seines Pfarrers im allgemeinen und die seltene, wahrhaft väterliche Fürsorge, die er besonders den drei verlassenen Waisen zugewendet habe, wie schwer ihn daher die ungerechte Verdächtigung traf, als welche er die Rüge seiner Vorgesetzten Behörde ansehen mußte. Aufmerksam hörte ihm der greise Konsistorialpräsident zu; das Lächeln der anwesenden Damen war längst einem ungekünstelten Erstaunen über das unerhörte Vorkommniß gewichen, daß ein durch die christliche Behörde angegriffener Pfarrer in einem fremden Dorfjuden einen so warmen Vertheidiger fand. „Ich will schon glauben," bemerkte Herr Prälat Schellenberg, als Bensew geendigt hatte, „daß Er von der Unschuld seines Klienten überzeugt ist, aber ich bin es nicht. Es liegt uns eine Klage vom Vorstand des dortigen Waisenamts vor, die in allen Einzelheiten glaubwürdig erscheint, und wenn wir auf die Beschwerden der zuständigen Behörde nicht mehr hören, sondern unser Ohr einem gänzlich unbekannten Hebräer zuneigen wollten, wohin sollen wir. dann kommen?" Darauf erzählte Bensew, wie der Ankläger selber ein Interesse daran habe, den Pfarrer zu verleumden, und zog dabei zur Beglaubigung die beiden Dokumente aus der Tasche. Sorgfältig prüfte der Konsistorialpräsident länger als eine Viertelstunde alle Daten und Zahlen; aber plötzlich unterbrach er seine Prüfung. „Sagte Er nicht, der Pfarrer habe Ihn nicht geschickt und wisse überhaupt nichts von dieser Verwendung?" „Allerdings sagte ich das und wiederhole es hiermit." — „Aber zu was hat denn der Pfarrer Ihm diese Beweise mitgegeben?" Bensew erzählte, wie er diese Schriften unter dem Vorwände, sie prüfen zu wollen, sich von ihrem Besitzer aushändigen ließ, und daß er sie gewiß nie erhalten hätte, wenn der Pfarrer auch nur eine Ahnung von dem Schritte gehabt hätte, den er zur Rechtfertigung des fälschlich Verdächtigten unternommen habe. In sichtlicher Erregung ging darauf der greise Prälat mehrere Male in seinem Zimmer auf und ab und blieb dann plöylich vor Bensew stehen. Er legte die Hand auf seine Schulter und sagte mit einer Innig-

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