Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1901)
- Date
- 1901-02-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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sss meinde dieses Landes thätig, habe ich die in diesen Blättern gebrachten „Urtheile und Vorschläge u. s. w." mit großem Interesse gelesen, so daß ich nicht Unterlasten kann, die mir dabei aufgetauchten Gedanken in Morte zu kleiden, bevor noch die Fortsetzung dieser llrtheile erschienen ist. Daß die Kirchenverfastung der Israeliten in Württemberg in Bezug auf Verwaltung viel bester als anderwärts ist, ist anerkannt; ich kann demnach darüber hinweggehen. Aber schlimme Zutbaten seien die Landesumlage und die Eracheinschätzung, besonders in den Augen der Mitglieder der größeren Stadtgemeinden. Die letztere ist nicht so schlimm, wie ihr Ruf. Ich habe gefunden, daß bei der Eracheinschätzung noch lange keine solche Fehlgriffe Vorkommen, wie z. B. bei der Einschätzung, zur Staatssteuer. Hier ist die letztere als Maßstab für die Kultusumlage eingeführt. Derjenige aber, der zu hoch zur Staatssteuer herangezogen ist — was nicht selten vorkommt — ist mit zwei Ruthen geschlagen, weil er dann nach seinen Verhältnissen auch zu viel Kirchensteuer zahlen muß. Daß aber eine Erach-Einschätzungskommission, deren Mitglieder amtlich beeidigt sind, im Hinblick auf die Landesumlage, ihren Erach zum Schaden der anderen Gemeinden herunterdrückt, ist undenkbar. Nun meint aber der Herr Einsender der Vorschläge, man könnte den Gemeinden überlasten, den Modus der Besteuerung selbst zu bestimmen. Auch da kann ich mit Beobachtungen dienen. Ich kenne eine nichtwürttembergische Gemeinde, deren Mitglieder gegenseitig Prozesse führten, weil sie sich über die Art der Besteuerung nicht einigen konnten. Daß die Landesumlage, von welcher die Zukunft mancher Landgemeinden abhängt, beseitigt wird, kann ich kaum glauben. Es kann dieses nur im Interesse einiger Stadtgemeinden liegen, die sich aus den wohlhabenderen Elementen der Landgemeinden rekrutiren. Den Letzteren aber wurden Schulden und andere Lasten überlasten. Nun meint der Herr Einsender ferner, man könnte ja mehrere Gemeinden unter die Fittige eines Religionslehrers stellen. Was dabei für den Gottesdienst und Religionsunterricht herauskommt, weiß Jeder, der es wissen will; ich will deshalb nur bemerken, daß der Lehrer, der vielleicht Vormittags 2—3 Stunden Unterricht ertheilt hat und dann einen weiten Weg zurücklegt, nicht sehr lehrfreudig in der Filialgemeinde anlangt. Ueberhaupt wäre auch in diesem Falle die Ersparniß keine allzugroße und die kleinen Gemeinden hätten in den Momenten, wo sie einen Kultusbeamten recht nothwendig brauchen können, doch keinen. Deshalb glaube ich auch nicht, daß der Herr Einsender mit seiner Behauptung, es habe Niemand ein Interesse an der Erhaltung der kleinen Gemeinden, vielen Beifall findet. Man wird doch in Württemberg das nicht aufgeben wollen, was man anderwärts freiwillig errichtet. In Bayern besteht ein Landesverein mit dem Sitz in Fürth, dessen Zweck es ist, kleinere Gemeinden zu unterstützen und der ungemein segensreich wirkt. Ich fühle mich verpflichtet, diese Zeilen der Oeffentlichkeit zu übergeben, weil ich den Unterschied zwischen der Verwaltung der israelitischen Gemeinden in Württemberg und anderen deutschen Ländern persönlich kennen gelernt babe. Sch. . . Cdelsingen, 4. Febr. Unsere Gemeinde hatte vorige Woche einen großen Verlust zu beklagen. Am Montag, den 28. Januar, verschied nach längerem Leiden, im Alter von 72 Jahren, Herr Meier Adler, ein Mann, dessen Frömmigkeit und Wohlthätigkeit weithin bekannt waren. Bis in die kürzeste Zeit besuchte er jeden Gottesdienst, beobachtete strenge jeden Fasttag und machte zur Wahrheit, was die Weisen sagen: jehi vescho posuach lorvocho vejihu aniim bene vescho. Die Armen waren seine Hausgenossen, er speiste sie an seinem Tische, beherbergte sie unter seinem Dache. Noch lag der Entschlafene unbeerdigt im Hause, als der Telegraph die Schreckensnachricht brachte: Bernhard W e r t h e i m e r sei in einem badischen Rachbardorse vom Herzschlag getroffen worden. Derselbe stand im besten Mannesalter und war wegen seines offenen, biederen Charakters und seiner ungeheuchelten Frömmigkeit bei Jedermann sehr beliebt. Da der Entschlafene die Feldzüge 1866 und 1870 mitgemacht hatte, betheiligte sich bei seiner Beerdigung der hiesige Militärverein und viele Fremde aus der ganzen Umgegend. Bei beiden Beerdigungen entwarf der Ortslehrer ein Lebensbild der Heimgegangenen. Da wir schon den dritten Familienvater binnen dreißig Tagen zur Erde bestatten mußten, so hörte man au? aller Munde den innigen Wunsch aussprechen: rachem al pletas zohn jodecho, vesomar lamaloch herev jodecho. Aus Württemberg. In Nr. 88 der „Straßb. Post" wird eine in der Zweiten Kammer gethane Aeußerung des Kriegsministers Frhrn. Schott von Schottenstein erwähnt: Das einzige Mittel zur Bekämpfung der Selbstmorde liege in der Sorge für die Erhaltung der Gottesfurcht. Die Militärverwaltung sei deßhalb besonders darauf bedacht, das gottesdienstliche Bedürfniß aller Konfessionen zu befriedigen. Mit Bezug auf den Artikel in Nr. 16 der „Straßb. Post," betr. die in Preußen beliebte Art der Behandlung eines Gesuches um Seelsorge für israelitische Soldaten, wird es die gesch. Leser vielleicht interessiren, zu erfahren, wie das württembergische Kriegsminifterium sich zu den gleichen Anträgen gestellt hat. Im Juli 1897 erhielt die kgl. württembergische israelitische Oberkirchenbehörde zu Stuttgart auf ihren Antrag einen Bescheid des Kriegsministeriums, welcher die feierliche Vorbereitung israelitischer Rekruten auf den Fahneneid im Tempel durch den Rabbiner regelt. Ferner ist angeordnet, daß den israelitischen'Soldaten einmal im Monat ohne besondere Bitte Gelegenheit zum