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Der Israelit · 1901-02-07 · Heft 11 (7.2.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 11 (7.2.1901)
Date
1901-02-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SS8 Berichte ein wachsames Auge haben. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß es nur dieser Anregung zu einer energischen und anhaltenden Remedur bedarf, erkläre aber auch gleichzeitig, daß ich im Wiederholungsfälle den Uebelstand öffentlich rügen werde. (gez.:) Lehrer L. K a tz. Hamburg, 4. Febr. Der „Fkf. Ztg." wird geschrieben: „Die goldene Brücke," Schauspiel in drei Akten, von R. Skowronnek, das am 16. Jan. im Thaliatheater zum ersten Male aufgeführt wurde, spielt in jüdischen Kreisen. Doch behandelt der Verfasser nicht eigentlich die Judenfrage, sondern nur einen ihrer i Theile, nämlich den Kampf um die Gleichberechtigung in der sogenannten Welt, den manche reiche jüdische j Kreise namentlich in Berlin führen. Herr N. Guhrauer, j heimathsberechtigt in Nakel, ist als armer Junge nach Berlin gekommen und hat es durch geschäftliche Qualitäten, wie sie ähnlich August Sternberg entwickelt haben mag, zu einem Riesenvermögen gebracht. Er ist Christ geworden, hat ein Rittergut bei Berlin, hält einen Rennstall, und sein Ideal ist, mit der Garde zu verkehren und seine Tochter an einen Hochgeborenen zu verheirathen. Helene, die Tochter, hat dagegen keinen Sinn für die vornehmen Passionen von Papa und Bruder Referendar. Sie empfindet einen gesunden Widerwillen gegen die krankhafte Feudalisirung des Hauses Guhrauer und ist sechsundzwanzig geworden, ohne mit ihrer Mitgift von dreieinhalb Millionen an den Mann gebracht zu sein. Die Szene der beiden ersten Akten nun, in denen dieses Milieu geschildert wird, sind gelungen. Unglücklicher Weise hat der Verfasser, um etwas für die schönen Gefühle des Publikums zu thun, einen Herzensroman ältester Bühnenmache hineingeflickt. Helene liebt — wie nicht anders zu erwarten — den Privatsekretär des Vaters, der Christ, Ostpreuße, arm, edel, Doktor phil. und begabter Schriftsteller ist. So kommt es, daß der dritte Akt, der die Auseinandersetzung und Verlobung bringt, stark abfällt. Der Doktor ist entlassen worden; Guhrauer hat nämlicb eine liberale Zeitung gekauft und will sie sofort in eine konservative umwandeln, wo-! rüber ihm der Doktor die Meinung sagt, wie nicht minder ein zwar jüdischer, aber gemäßigter Rechtsanwalt. Ein Graf soll sich mit Helene verloben, nachdem ihr über den heimlich Geliebten schwarze Mären zugeraunt worden sind. Drin im Saale wird getanzt und die Effektszene der Verlobung vorbereitet, unterdessen aber sitzt der alte Großvater Guhrauer, den man vor den feinen Gästen verstecken muß, betrübt auf der! Terrasse. Run kommt auch der Doktor, und eben, als! der Gras Helenen die Erklärung machen will, löst sich! alle? auf u. s. w. Der Großvater, obgleich aus Rakel gekommen, segnet diesen Bund zwischen Christ und Jüdin, weil die Liebe und nicht der Reichthum die goldene ■ Brücke u. s. w. Das Unglück liegt bei diesem Stücke! darin, daß der Verfasser, um nicht in den Verdacht des Antisemitismus zu kommen, Personen einführt und Reden halten läßt, die mit dem Drama nichts zu thun haben. So muß namentlich Helenens Doktor immer bereit sein, einen kleinen Leiter über echte und falsche Germanisirung oder so etwas loszulassen. Das Stück dieses „Assimilationsfanatikers" fand Beifall. Oldenburg (Gr.). Zur Frage der Seelsorge für jüdische Soldaten, die in mehreren Nummern Ihres geschätzten Blattes erörtert wurde, kann ich Ihnen aus unserer Stadt die erfreuliche Mittheilung machen, daß die Militärbehörde hier in jeder Weise uns entgegenkommend ist. So oft in der Garnisonskirche aus irgend welchem Anlasse (Kaisers oder Großherzogs Geburtstag, 200Jahrfeier u. s. w.) ein Militärgottesdienst stattfindet, werden auch die jüdischen Soldaten aller drei Regimenter hier durch Garnisonbefehl zu einem Militärgottesdienst in der Synagoge geführt. Außerj dem erhalten sie an jedem jüdischen Feiertage, auf An- > trag des Herrn Landesrabbiner Dr. Mannheimer, völlig dienstfrei und müssen sonst alle vier Wochen am Sabbat zur Synagoge. Auf diese Weise entbehren die hiesigen jüdischen Soldaten ihre Seelsorge nicht, umsomehr, da die Garnisonbehörde stets mit dem Herrn Landesrabbiner in Verbindung steht. Zu erwähnen sei noch, daß Herr Dr. Mannheimer und seine Frau Gemahlin zu jeder größeren militärischen Feier ( Parade u. s. w.) offiziell vom Garnison- Kommando eingeladen wird. Worms, im Febr. Im Anschluß an meine unlängst in Jbrer geschätzten Zeitung gebrachte Episode au? dem Leben eines „Rabbiners von Worms vor 100 Jahren," möchte ich Ihnen heute noch mittheilen, wie man sich die Ursache des Wegganges des Rabbiners Levi oon hier nach Mainz erzählt. Rabbiner Levi habe eine ihm vorgelegte Lunge für irefo erklärt. Der Metzger ging alsdann zu dem als guten Talmudisten bekannten ,,Michael Prag." Dieser erklärte das geschlachtete Vieh für koscher. Als er Levi hiervon Mittheilung nmchte, soll dieser die Vorsteher zu einer Sitzung berufen und dabei geäußert haben: „In einer Gemeinde, in welcher man sich erlaubt, das für koscher zu erklären, was der Rabbiner für trefo erklärt hat, will ich nicht mehr Rabbiner sein." Möglich, daß Rabb. Levi seine Ernennung zum Rabbiner in Mainz bereits in der Tasche hatte. In Mainz war man von der Ernennung Levi's nicht erbaut, besonders die Familie Scheuer, die unter ihren Mitgliedern auch einen Rabbiner zählte. Am ersten Sabbat, als Levi seine Deraschah hielt, soll man Levi durch viele Querfragen den Aerger zu erkennen gegeben haben. Levi, der dies gemerkt, soll, nachdem er viele Fragen beantwortet, die Gemara zugeklappt und ausgerufen haben: stehe ich oben und Ihr unten, sagt S. Rothschild. 2luS llrrterfranken, 6. Febr. Geboren in Württemberg und viele Jahre in der Verwaltung einer Ge-

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