Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1901)
- Date
- 1901-02-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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237 Debatte drehte sich in der Hauptsache um Met Dinge: den Güsirower Meineidsvrozeß u. den Konitzer Mord.! Aus dem Konitzer Mord wollen die Antisemiten, wie in der von ihrer Agitation verhetzten Gegend, so i auch im Reichstage Kapital für ihre Parteizwecke schla-! gen. Böckel hatte gestern schon verblümt die Berdäcksii- - gung ausgesprochen, daß die Behörden absichtlich die Entdeckung des Mörders und seiner Mitwisier verbind j d-rt baden, die Verdächtigung, mit der die antisemiti- I sche Prelle ja schon seit Monaten arbeitet. BiWewald! siieß beute in dasselbe Horn und warf den Behörden j indirekt Parteilichkeit vor, weil sie nicht dem Ver^^cht j gegen die Inden, sondern nur geaen die Christen nachgegangen seien, und brachte es dabei fertig, 31t bellrek- | ten, daß die Antisemiten auf die Behörden eingewirkt! hätten, um die llntersuchung einseitig gegen die Juden I zu richten. Das ist ein starkes Stück, wenn man sich! erinnert, daß aleich nach den Mordnachrichten die antk-. semitischen Blätter die Behauptung aufstellten, daß ein jüdischer „Vlutmord" vorliege und sofort ein llntersuchungsbureau in Könitz einrichteten, das die Bevölkerung auf das Schlimmste verhetzt und eine Mabrbeitsermittelung fall unmöglich gemacht bat. Staatssekretär Nieberding gab die einzig richtige Antwort, daß. wie auch schon der freisinniae Abg. Baramann ausgesiibrt hatte, die Sache gar nicht in den Reichstag, sondern in das Abgeordnetenhaus gehöre, wo die Minister Aufklärung geben können, während die unfruchtbare Neichstaasdiskusiion nur zu weiterer Erregung im Lande führen kann. Er bitte, dafür zu sorgen, daß im Lande wieder mit ruhigem Blute der Fall betrachtet werde, die erste Voraussetzung, nun endlich Licht in die Sache zu bringen. Das waren verständige Worte, von denen eben die Antisemiten nichts wisien wollen, weil ihnen die Erregung die Hauptsache ist. Abg. Rickert kennzeichnete die antisemitischen Agitationsreisen. Berlin, 4. Febr. Im „Dortm. Gen.-Anz." vom 26. 0. Mts. findet sich im Sprechsaal Folgendes: „Nachfolgender Brief,' der bei den hiesigen jüdischen Bürgern zirkulierte, ist heute an seine Adresse, den Verleger der „Schwerter Zeitung" abgegangen: Herrn I. B r a u s , Wohlgeboren, Hier. Hierdurch nehme ich Veranlassung, Sie auf die bedauerlichen antisemitischen Auswüchse Ihrer geschätzten Zeitung aufmerksam zu machen. Schon immer hat Ihr Blatt in dieser Beziehung öffentliches Aergerniß erregt, doch in letzter Zeit häuften sich Ihre antisemitischen Ausfälle derart, daß ich mich veranlaßt sehe, den Unwillen aller vorurteilsfreien, wie vor allem der jüdischen Leser Ihres Blattes zum Ausdruck zu bringen. Ich will heute nur einige mir noch bekannte Ausdrücke hervorheben, die so recht geeignet sind, den Rassen- und Klassenhaß zu schüren. Hierzu zähle ich die Berichte von dem Berliner Spieler-Prozeß, sowie der Polnaer Affaire. Hier sprachen Sie von dem „Juden Leopold Hilsner, der ein Christenmädchen umgebracht," während sie dort dem Angeklagten Wolfs die Bezeichnung „jüdischer Bankier" verliehen, und endlich den berüchtigten Helden aus dem Sternberg-Prozeß fälschlich als den „Juden" Sternberq bezeichneten. Auch babm Sie nie versäumt, vom jüdischen Metzger Levy zu berichten. Ich frage St'' Was bi? K^n^evio^s^B'^eichn""g mit dem Vc»geh... tu ,r*‘ Erscheinen die Vergeben pt'lleicht ir abfche"unasmliwenn der Chrisi Stmnbera. der chIStzbe " b' w oder de: chmsili^ Lebrer W'-chsi in nitz Frage kommen? Welchen Zweck haben diese Attribut'? Auch isi es mir nicht entgangen, daß Sie, so oft Sie einm ösfentlichen Uebelstand rüa^n. den Namen de? Tbäters — sofern er als ein jüdischer Name bekannt — obne Konfessionsbezeichnnng, dafür aber gesperrt. vollständig ausgeschrieben wiedergeben. Wozu brauchten Sie bei Friedländer in Holzminden, dem lächerlichen und undankbaren Geizhals, noch zu erwäbnen, was alle Welt auf dm ersten Vli^ erkannt? War"m brachten Sie nicht auch hier die Abkürzung F. in Holzminden, wie Sie sonst?tu thun pflegten? Aber ja, dann wußten doch nicht alle Leser, daß dies ein Jude isi oder sein kann! Dagegen habe ich noch nie gefunden, daß Sie bei Berichten von Wohltbätern die Konfellion wiedergeben, das wäre doch Konsequenz. Haben Sie aber Abfälliges über einen Juden zu berichten, dann wird er öffentlich als Jude gebrandmarkt. Zum Schlüsse komme ich zu Ihren Leistungen in der heutigen Ausgabe, die doch alles Bisherige überbieten. Also Sie meinen, weil ein Cohn oder Friedländer ibre Hand im Spiele haben könnten, geniert ssch der Verfasser des sozialdemokratisches Flugblattes, über die Kohlenvertheuerung zu schreien. Wie gelegen kommen Ihnen doch diese bekannten jüdischen Namen als Sündenbock, um den Juden einen derben Stoß zu versetzen, oder etwa um auf diese Weise den geliebten jüdischen Lehrern eine Freude zu machen?! Fahren Sie nur fort und untergraben Sie nur weiter den „vornehmen Charakter Ihres parteilosen Blattes!" Dadurch dienen Sie dem Frieden nicht. Die Bürger unserer Stadt haben aber stets Werth auf das friedliche Einvernehmen zwischen den verschiedenen Konfessionen gelegt, wie auch das Blatt des Herrn Saatmann nie Anlaß zu solchen Klagen gegeben hat. Wiederbolt wurde mir erzählt, daß Ihr Blatt zu Lebzeiten Ihres Vaters massenweise aufbestellt wurde, als selbiger demselben Kultus huldigte. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie heute gleiche Erfahrungen machen müßten. Jedenfalls werde ich für diese Finessen Ihrer