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Der Israelit · 1901-02-07 · Heft 11 (7.2.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 11 (7.2.1901)
Date
1901-02-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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■?h «WF^!^e/-5'J--■* 3*&S 236 (Ps. 119, 85.) Wer in daS himmlische Gewand der Andacht ganz gehüllt ist, wer den Himmel im Herzen trägt, kann Gott von ihm noch innerliche Zeichen der Frömmigkeit fordern? Wer seinen Geist mit Gottescrllnntnis, erfüllt hat, bedarf er noch äußerlicher Cereimmien? Was aus Schale dringt und nicht auf den Kern, das kann nicht Gotteswort, sondern muß Menschenwerk sein! Wie aber endete dieser Kampf? „Die Erde öffnete ihren Mund und verschlang Korach mit seinem Anhang." Wörtlich, aber auch bildlich genommen! Wir mögen noch so herzensfromm, geistig, noch so sehr erleuchtet sein, die Erde, irdische Gedanken, Leidenschaften der Welt werden uns verschlingen. Die Zizith, mit welchen wir unser Gewand, die Tesillin, mit welcher wir Hand und Haupt, die Mesusa, mit der wir unser Haus weihen, sind mahnende Engel, die von allen Seiten uns umringend, uns von der Sünde fernhalten. „Wenn Ihr sie ansehet werdet Ihr Euch erinnern aller Gebote des Ewigen und sie thun." :W3T t1? nxxe '\xn Den Anblick dieser göttlichen Zeichen erweckt in uns die Erinnerung an Gottes Wunderthaten, rvjyy nrsrr:, und die Erinnerung an Gotteswalten führt zum gottgefälligen Leben! Man hat in neuester Zeit versucht die Propheten als die glühendsten Bekümpfer aller Ceremonien, als die Zertrümmerer des blutigen Opferkultus, als Fortbildner des Mosaismus und die Begründer der neuesten Weltrcligion hinzustellen, die lediglich in rein geistiger Verehrung Gottes und in der Beobachtung der Moralgebote besteht. — Aber steht dieses Bild von der Wirksamkeit der Propheten nicht im schroffen Widerspruch zu allen geschichtlichen Thatsachen? Stand nicht der sogenannte Deuterojesajas (der große Vorläufer der allerneuesten Weltreligion) aus dem Standpunkt dieses angeblichen eeremoniellen Mosaismus, wenn er vom Untergang aller derer redet, die mit einem Achselzucken alle Speisegebote abgethan zu haben glaubten? Nahm nicht der Prophet Jeremia denselben Standpunkt ein, wenn er in der Stunde drohenden Unterganges um den Preis der Sabbatheiligung die Rettung des Staates versprach?" Und erst derProphet Ezechiel! War es nicht der Entwurf zur Wiederherstellung der Opfer- und Festordnungen, an dem sein Geist im Exil rastlos gearbeitet? Und die nachexilischen Propheten Chaggai, Secharja, Malachi, die Schöpfer der sittlich religiösen Wiedergeburt Israels, mit welchem Feuereifer und welcher Opserfreudigleit wirkten sie an dem Wiederaufbau des Tempels und der Wiedereinführung des Opferdienstes. Wogegen die Propheten geeifert, das waren nicht die Religionsgesetze selbst, sondern die mechanische Gedankenlosigkeit, mit der dieselben ausgeführt wurden, gegen das Volk, das '.".-772 rrssr:: Gott mit den Lippen verehrt (Jes. 19, 13), während das Herz nicht dabei ist. Sie forderten Beides: die äußere That und die dadurch bedingte Verinnerlichung. Jede religiöse Uebung sollte eine Uebung in der Religion sein. Wußten sie doch, daß ohne Sabbat und Fest und andere Mittel zur Erhebung und Heiligung der Mensch im Irdischen aufgeht und zum Thier herabsinkt. Und hat denn r.*rn re’c etwas anderes gelehrt, wenn sie diese sogenannten Ceremonieen;iv/:x „Zeichen" nennt, die auf den Bund Gottes mit uns Hinweisen, rrr.y „Zeugnisse", die sein Walten in Natur und Geschichte bezeugen, Zeichen und Zeugnisse, die uns stets zur Liebe und Treue gegen unfern Herrn und Meister mahnen sollen. Das letzte Wort des letzten Propheten: niy nra rrrn vw „Seid eingedenk der Lehre Moses, meines Knechtes", zeigt uns die Propheten nicht als Fortentwickler des Mosaismus, sondern als Mahnstimmen zur Erfüllung der-ß'c irini zur richtigen Erfassung derselben im Geiste und Bethätigung im Leben. Darum haben unsere Weisen schon im ersten Worte, das ganz Israel selbst aus Gottesmunde vernommen, in dem Worte 'vox die Andeutung gefunden: rp^ir rrcrp x;x „Ich selbst", spricht Gott, „habe sie geschrieben, Moses ist nur der Vermittler, nicht aber der Urheber der Thora", daher auch rückwärts gelesen: n'n^x cjyxj xavu nr.T „Die n-nn ist schriftlich gegeben und alle Jahrtausende hindurch von Gott erhalten worden zum Beweis ihrer Unwandelbarkeit und der ewigen Verpflichtungskraft, die durch keinen Propheten und durch keine Zeit aufgehoben werden kann." Diesen Geist unwandelbarer Treue athmet folgende Bestimmung des Schulchan Aruch. Im Schulchan Aruch, C. 1, wird empfohlen: .fixem nton uv tc'b rx jeden Tag die Bibelabschnitte über Ganzopfer und Sündopfer zu lesen. Ein Commentator des Schulchan Aruch x":v rrp "2 hat gegen die Voranstellung des Capitels über Ganzopfer den Einwand erhoben, daß nach Talmud Sebachim (90 ) als Regel feststeht: my2 jiomp nxon „Das Sündopfer soll vor dem Ganzopfer auf dem Altar dargebracht werden." In der vom Schulchan Aruch vöiDeschriebenen Reihenfolge dürfte jedoch ein tieferer Sinn verborgen sein. Das Sündopfer: y>xvn diente als Sühne für Sünden, das Ganzopfer hingegen galt zunächst bloß als „pm als „Geschenk", mit dem der Sünder vor dem Antlitz des bereits versöhnten Gottes erschien. In diesem Sinne bedeutet die Regel: „np-yp na-np nxon" : Zuerst muffen wir unsere Pflichten erfüllen, ehe wir versuchen dürfen durch rn-cn Akte außerordentlicher Frömmigkeit uns hervorzuthun. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten unv Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 5. Febr. (Deutscher Reichstag.) Der Etat des Reichsjustizamtes hat auch heute noch die ganze Sitzung hindurch den Reichstag beschäftigt. Die

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