Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1901)
- Date
- 1901-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449158--52591-2503143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4& Achrgang. M 11 Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoxe IudentHum. Begründet von V,-. in IKIftiti}. Donnerstag, den 7. Februar 5661 (1961). Leitender Artikel Die Gesinnung. Line halachische Betrachtung zu ’nrV’ nt&HS. Von Oberrabb. Dr. M. Lerner—Altona. Als Israel, erzählt R. Simai, am Sinai einstimmig gerufen, zuerst: ntryj „Wir wollen die Gebote erfüllen", dann yetw. „Wir wollen sie begreifen", erschienen Engelsschaaren und setzten einem jeden der Getreuen zwei Kronen auf, eine für die That und eine für die Gesinnung. In dem Augenblicke aber, in welchem Israel in den Abgrund des Götzendienstes sank, eilten Dämonen herbei und beraubten sie beider Kronen. Einst wird jedoch des Ewigen Hand diesen herrlichen Schmuck um's Haupt uns winden. So verkündet der Prophet Jesaia: „Und die Gotterlösten kehren zurück und kommen nach Zion mit Jubel und ewige Freude ist auf ihrem Haupte. (Jes. 36, 10.) Wie aber konnte es Israel als Verdienst angerechnet werden, zuerst: rury: und dann: yce*; gerufen zu haben? Hatte doch bereits jener Ungläubige dem Talmudweifen Rabba vorgeworfen: „Ihr übereifriges Volk, die Ihr mit dem Mund, dem Ohr vorangeeilt! Ebe Ihr gehört und gelobtet, hättet Ihr prüfen sollen, ob Ihr das göttliche Gesetz werdet halten können!" An uns, lautete Rabba's Antwort, die wir in Unschuld wandeln, erfüllt sich des weisen Königs Spruch: „Die Redlichen leitet ihre Einfalt", an den Menschen, die mit List kommen, bewährt sich der Spruch: „Die Verräther zerstört ihre Arglist." Was ist nun der Sinn dieser Antwort? Scheint nicht das vom Talmud gepriesene: Naaffe nicht bloß mit unserer Vernunft, sondern auch mit anderweitigen Lehren des Talmuds selbst in Widerspruch zu stehen? Lehren ja die Talmudweisen: x'2vp uo^nn Das Wissen ist die Grundsäule des Judenthums, weil es uns zur Beobachtung der Gottesgebote leitet. Sagt doch ein jüdischer Weiser des Mittelalters: „Der Engel, der zwischen Gott und dem Menschen vermittelt ist die Vernunft!" Die Thora selbst prägt uns, wie R. Joseph Albo erklärt, zwar Lehren ein, die über die Vernunft hinausgehen, nöthigt uns aber nirgends Lehren aus, die gegen die Vernunft sind! Und Israel, hat es nicht immer das Testament David's beherzigt: *px rx ^„Erkenne den Gott Deines Vaters!" Wie konnten nun unsere erleuchteten Weisen in der Verpflichtung, blindlings auszuführen, was man nie reiflich erwogen, einen rühmenswerthen Vorzug finden? Der Erste, der die Göttlichkeit der Thora bekämpfte, war Korach. Er sammelte um sich 260 von den nun w: Leitern Israels und hüllte sie, wie im Midrasch erzählt wird, in Talit-Gewänder, welche ganz aus himmelblauer Wolle waren, und so bekleidet traten sie vor Moses mit der Frage hin: „Muß man an einem Gewände aus lauter himmelblauer Wolle Zizith befestigen?" Allerdings, erwiederte Moses. Spottend riefen ihm Korach und seine Rotte zu: Wie? Bei einem Talith, das aus gewöhnlicher Wolle gewoben isi, ist mit der Anknüpfung eines himmelblauen Fadens schon dem Gesetze genügt; ein Talith, das ganz aus himmelblauer Wolle ist, sollte das noch eines himmelblauen Fadens bedürfen? Ferner fragten sie Moses: Bedürfen die Pfosten eines Hauses, das viele Thorarollen birgt, noch einer Mesusa? Ja wohl, sagte Moses. Da riefen Korach und sein Anhang: Wie? Die ganze Thora, die 248 Capitel umfaßt, vermag ein Haus noch nicht zu weihen, die zwei Capitel aber, welche die Mesusa enthält, sollten hinreichen? Unmöglich kann Gott diese Gebote befohlen haben. Du selbst hast sie ersonnen." Korach gehörte zu den Klüglern, welche, wie der Psalmist bemerkt, Gotteswort zu vernichten suchen, indem sie erklärten: „Nicht auf äußerliche Handlungen, sondern nur auf des Herzens Andacht lege Gott Werth."