Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1901)
- Date
- 1901-02-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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und mit welcher näheren Maßgabe eine Vertretung der Kirchengenossen bei der Oberkirchenbehörde sich empfehle") als staatliche Behörde unter dem Kultusministerium direkt stehend, beibehalten werden. Neben den bisherigen Mitgliedern, welche auch künftig den engeren Rath bilden, soll fernerhin auch ein w e i - terer Rath bestehen, der sich zusammensetzt: aus einem Bezirksrabbincr (entweder der dienstälteste oder von den Rabbincn selbst gewählt), aus einem Lehrer oder Vorsänger (entweder der dienstälteste oder von len Lehrern gelvählt) und auch sechs weiteren Deputieren der Gemeinden «auf je 2000 Israeliten einer, aus die Dauer von sechs Jahren gewählt). Tid Abgrenzung der einzelnen Wahlkreise für die Deputirtcn wird aus Grund der jüngsten Volkszählung und unter Zugrundlegung der größtmöglichen Nachbarschaft der Wähler, von der Oberkirchenbehörde festgestellt und diese Einteilung alle zehn Jahre revidirt. Tie Stadt Stuttgart bildet einen Wahlkreis. Die Wahl selbst erfolgt — aber nur für den Fall, daß die allgemeine, direkte, geheime Wahl wegen zu großer Ausdehnung der Wahlkreise nicht anwendbar wäre — dergestalt, daß die einzelnen Gemeinden auf je 100 Seelen einen Vertrauensmann wählen (kleinere Gemeinden können zu diesem Vehufe zusammengelegt werden) und daß dann diese Vertrauensmänner am Hauptorte des Wahlkreises den Deputirtcn (der nicht nothwendig seinen Wohnsitz im Wahlbezirk haben muß) in persönlicher, geheimer Abstimmung wählen. Der engere Rath versammelt sich wie bisher zur Erledigung der laufenden Geschäfte der Oberkirchenbehörde. Mindestens alle Monate einmal muß die Oberkirchenbehörde in corpore zusammentreten zur Erledigung der wichtigeren Gegenstände, in welcher Sitzung auch die durch den engeren Rath ergangenen Beschlüsse bekannt zu geben sind. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 1. Febr. (Altgriechische und hebräische Musikaufführung.) Eine wiffenschaftlich wie künstlerisch besonders intereffante Musikaufführung verheißt der 26. Februar, nämlich eine Vorführung der Reste altgriechischer und alter hebräischer Mustk. Ganze Bibliotheken sind über die Musik der alten Griechen und Juden geschrieben worden, aber Klarheit schafften sie nicht, es fehlte am Besten, an der Musik selber. Einige wenige Tonstücke waren zwar vorhanden, aber man traute ihnen nicht recht, weil sie erst durch die Tradition des Mittelalters hindurch auf uns gekommen waren. Erst die Ausgrabungen in Delphi 1893, bei denen man mehrere Marmorblöcke mit Musikstücken zu Tage förderte, brachten mehr Licht. Eine tiefe Bewegung ging damals durch die ganze Welt, die noch lange nicht zum Stillstand gekommen ist. Um den gelehrten Kreisen Berlins eine lebendige Anschauung dieser eigenartigen Tonwelt zu verschaffen, ivurde 1896 der Professor der Musikwissenschaft an hiesiger Universität, Dr. Oscar Fleischer, aufgefordert, in der Universitätsaula eine griechische Musikauf führung zu veranstalten, und wer damals den Vorzug hatte, eine Einladung zu erhalten, dem werden die tiefen dort gewonnenen Eindrücke unvergessen geblieben sein. Seitdem kamen in Berlin diese Reste der altgriechischen Tonkunst 1898 wieder bei einem Feste des Allgemeinen deutschen Schulvereins im neuen königl. Operntheater vor einem mehrtausendköpfigen, begeisterten Publikum zur Aufführung. Erst jetzt wieder ist eine Aufführung geplant, die außer der griechischen auch noch altüberlieferte hebräische Gesänge umfaßt. Letztere sind von nicht minder hoher Schönheit, wenn auch ganz und gar anders geartet, und man darf wohl hoffen, daß die musikalischen Kreise Berlins sich eine so seltene Gelegenheit nickt entgehen lassen werden, um eine lebendige Anschauung der Grundlagen zu gewinnen, auf denen sich die christliche und moderne Musik allmählich aufgebaut hat. Der Ertrag des Konzertes ill Humanitären Zwecken gewidmet, zur Hälfte für die Verwundeten in China, zur anderen Hälfte für die rumänischen Juden bestimmt. Berlin, Z. Febr. Am Ende eines Artikels über die letzte Rede des preußischen Justizministers, betreff, die Anstellung jüdischer Richter und Notare, schreibt die »Voss. Ztg.": „Aber wir geben zu, je schärfer die Verwaltung die Gleichberechtigung der Bekenntnisse verleugnete, um so freudiger würde sie von dem gegenwärtigen Landtage unterstützt. Nichts kennzeichnet den Rückschritt, die Reaktion, deutlicher, als diese Thatsache. Man erzählt, daß der Kaiser bei seinem jüngsten Besuche in Hamburg dem Generaldirektor Ballin gesagt habe, er stehe noch nicht an der rechten Stelle, es müsse dafür gesorgt werden, daß er dahin gelange. „Ja, Majestät wissen wohl nicht," — „doch, daß Sie Jude sind, das ist mir ganz gleichgiltig, das macht mir nichts, das können Sie Jedem sagen." So der Kaiser. Die Minister glauben sich nicht berechtigt, die gleiche Gesinnung zu beweisen. Wenigstens bis auf Weiteres." Herr Ballin hat bekanntlich für die Hebung der deutschen Flotte und namentlich für die Eröffnung - neuer Dampferlinien von Hamburg nach fernen Erdtheilen außerordentlich viel gethan. Konich, 3. Febr. Hierselbst zeigt sich an jedem Tage ein neues Bild, ohne daß etwas Klarheit in die dunkle Angelegenheit dringt. Die Mörder scheinen die Behörden geradezu verhöhnen zu wollen, denn sie fühlen