Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-02-04 · Heft 10 (4.2.1901) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 10 (4.2.1901)
Date
1901-02-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449157--52584-2503135
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

229 sich in der Verwirrung, die die antisemitische Hetze geschaffen hat, sehr sicher. Die jüngsten Haussuchungen haben zu keinem Resultate geführt. Natürlich setzen die Hetzapostel ihre Agitation mit ungeschwächter Kraft weiter fort, denn das Geschäft ist sehr einträglich. Nachdem nunmehr sämmtliche Kleidungsstücke des ermordeten Winter gefunden sind, zeigt sich, wie blödsinnig erfunden die Behauptung war, daß man am Abend des Mordes einen pestilenzartigen Geruch in der Nähe der Synagoge wahrgenommen habe. Die antisemitischen „Gelehrten" fanden übrigens für die neuen Erscheinungen in Konih sofort eine Erklärung. So erzählte man sich in Könitz in Kreisen, die Anspruch darauf erheben, ernst genommen zu werden, die, nach ihrer Meinung natürlich, jüdischen Mörder hätten die Wintcr'schen Kleidungsstücke gleich nach dem Morde fortgeschafft, sie wären also bis jetzt gar nicht in der Stadt gewesen, nur um die Bevölkerung zu reizen und die Behörden zu verhöhnen, hätten die Juden die Kleidungsstücke zurückgebracht und an den Fundstellen niedergelegt. Wie thöricht diese Combination auch ist, sie findet in einer kranken Zeit auch Anhänger. In Wahrheit aber hat sich das Geschick der Konitzer Juden im vergangenen Jahre durch die gewissenlose Hetze sehr tragisch gestaltet und sie werden erst wieder frei aufathmen, wenn der Mörder gefunden sein wird. Die „Staatsb.-Ztg." in Berlin, die Hauptfabrik für „Ritualmorde," Lügen und Niederträchtigkeiten aller Art, kann sogar die Sache „wissenschaftlich" beleuchten. Sie schreibt: „Die Verschleppung der Kleidungsstücke an verschiedene Stellen ist ein weiteres Glied in der Kette jüdischen Aberglaubens. Die Leichentheile sind verschleppt, sie durften nickt vergraben werden nach den jüdischen Vorschriften, die Kleidungsstücke durften ebenfalls nicht vergraben werden und sind jetzt, nachdem man sich durch die Neubesetzung der Stelle des Ersten Staatsanwalts damit im Hause nicht mehr sicher fühlte, verschleppt worden." Man könnte Uber diesen kompletten Wahnsinn lachen, wenn seine Folgen nicht so traurig wären. Köln, 3. Febr. Eine feierliche Ehrung veranstaltete der „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" am 30. Jan. Abends dem Rabbiner Dr. Frank aus Anlaß seiner 26jährigen Amtsthätigkeil. Schon am Dienstag, dem eigentlichen Jubiläumstage, war eine intimere Feier von Seiten der Synagogengemeinde vorangegangen, die durch mehrere hundert Telegramme aus ganz Deutschland erhöht wurde. Die „All. Jsr." hatte ihren Sekretär entsandt. In einer Festrede hob der Vorsitzende des genannten Vereins das Verdienst des Jubilars hervor, den Verein gegründet zu haben, mit welcher Gründung er bahnbrechend gewirkt habe, sodaß nun in Deutschland fast 100 solcher Vereine bestehen. Nur von dem Berliner Vereine werde der Kölner, dessen Ehrenmitgliedschaft Franke erhielt, an Mitgliederzahl (400) übertroffen. Noch manche Rede verherrlichte den Abend und besonders ist hervorzuheben, daß auch die anderen Konfessionen sich an der Feier betheiligten. Die protestantischen und katholischen Religionslehrer, die mit dem Jubilar an der städtischen höheren Mädchenschule zusammen wirken, Prof. Kolnatzky und Prof. Ehlen, betonten die Notwendigkeit der Toleranz und dieser brachte ein Hoch auf die Vertreter der drei Konfessionen aus. — Vorträge aus dem Klavier und gesangliche Darbietungen wechselten mit den Reden. Frank ist in Outbeyerland in Holland geboren und studirte in Breslau Philosophie und Orientalin, promovirte in Leipzig, war in Saaz und Linz an der Donau thätig, und folgte 1876 in Köln dem Rabbiner Dr. Schwarz. Leipzig, 3. Febr. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Arbeiters Bernhard Maßloff in Könitz, sowie diejenige des Staatsanwalts gegen das Urtheil des Konitzer Schwurgerichts vom 10. November v. Js. Hanau, 22. Jan. Wiederum ist ein Gottesbote niedergestiegen und hat eine Blume auf der Menschenslur gepflückt und sie himmelwärts getragen. Eine wahre Esches chajil ist in der seligen Frau Lehrer Frida Oppenheimer, geb. Steinharter, von hinnen gegangen. Als die Stürme des jüngsten Herbstes in die mächtigen Baumkronen rauschten, da schon ist auch ihr von der Hand des Unerforschlichen rrs auf einem Sturmesfittich der Keim zu leider alluzufrühem Ende zugeschickt worden. Mit der fortschreitenden Jahreszeit hat sich dann ihr Leiden vergrößert, und damit unsere Sorge verdichtet. Und so konnten wir uns seit Wochen in unserem bangenden Hoffen und hoffendem Bangen der traurigsten Gedanken um die brave Frau nicht mehr erwehren. Doch als vor einigen Tagen das Wort des Psalmisten sich für die Natur erfüllte, nbz» D’D *m rc' crcv 'rz-i da glaubten wir, der warme Gotteshauch würde auch die Fesseln ihrer Krankheit schmelzen und sie, die Unverdrießliche, dem Leben wieder zurückgeben, dem Leben, das so ganz der Familie gehörte. Wohl ist auck ihr der Erlösungsruf des Weltenschöpfers geworden; aber mit sanfter und leiser, nur ihr vernehmbarer Stimme, rief er sie mit in die himmlische Heimath. Die ruhige, gebildete, kluge, brave und fromme Frau ist charakterisirt mit den Worten, „eine acht jüdische Lehrersfrau gewesen zu sein." In wie hohem Maße hat sie sick schon als „jüdische Frau" unsere Achtung erworben! Ihr Haus war ihr ein Tempel, die Familie ihre Gemeinde, ein Gottesdienst die Erziehung ihrer Kinder. Diesem ihrem im Häuslichen hervorragenden Wirken hat auch unser neugewählter Herr Provinzialrabb. Dr. S. Bamberger, der vor kaum zwei Stunden seinen Einzug in hiesiger Gemeinde hielt, in einem schönen und tiefergreifenden Hesped beredten Ausdruck gegeben und somit das allgemeine Urtheil

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.