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Der Israelit · 1901-02-04 · Heft 10 (4.2.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 10 (4.2.1901)
Date
1901-02-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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träger Bensew's annahm und ihm die genaue Adresse des Prälaten Schellenberg angab. Es war kurz dar acht Uhr Morgens, als er das rechte Haus traf. Daß man hochgestellte Beamte nicht zu so früher Morgenstunde und nicht in ihrer Privatwohnung, sondern in ihrem Bureau aufsucht, daran hatte- Vensew in seinem wackeren Eifer nicht gedacht. Aus dem ersten Stock des Hauses, in welchem der Prälat wohnte, schaute ein leutseliger Greis, mit einem schwarzen Käppchen auf dem weißen Lockenhaupte, heraus, eine kurze Pfeife rauchend; das war ohne Zweifel der Consistorialpräsident Herr Schellenberg. Aus Bensew's Klingeln öffnet die Köchin die schwere mit Eisen beschlagene Hausthüre und als sie den Dorfjuden sieht, ist ihre erste Frage: „Was habt Ihr zu verkaufen?" „Zu verkaufen habe ich gar nichts, ich möchte nur fragen, ob ich den Herrn Consistorialpräsidenten nicht sprechen kann." „So früh ist der Herr nicht zu sprechen, zudem müssen Sie auf das Bureau gehen, das ist nicht hier, und wird erst um zehn Uhr geöffnet." Mit diesen Worten wurde die Thüre zugeschlagen und Bensew hatte den ersten Mißerfolg seiner Sendung zu verzeichnen. Er hätte gerne bis zehn Uhr gewartet, aber er hatte vergessen, das Mädchen nach der Adresse deS Bureaus zu fragen. Bei dem schnippigen Benehmen des dienstbaren Geistes widerstrebte es ihm auch, nochmals zu klingeln und sich zu erkundigen. Als er wenige Minuten unentschlossen vor dem Hause stand, öffnete sich die Thüre zum zweiten Male und die Köchin trat heraus mit den Worten: „Kommt nur herein, der Herr will Euch sofort empfangen." I Herr Prälat Schellenberg hatte nämlich von sei-! nem Fenster aus die Unterredung mitangehört und war neugierig, was der feiertäglich geputzte Jude in so früher Morgenstunde ihm zu sagen habe. Er ließ Bensew in das Wohnzimmer führen, in dem die Familie des Prälaten gerade beim Frühstück saß. „Was bringt Er eigentlich so früh am Morgen?" fragte, der Greis im geblümten Schlafrock in einer schroffen Weise, die mit der milden Weichheit der Züge des Fragers gar nicht in Einklang zu bringen war. Bei dieser Frage war Vensew das pochende Herz vollständig in die Schuhe gefallen. In Malsfeld war es um acht Uhr im Hochsommer nicht mehr am frühen Morgen und daß man etwas bringen müsse, wenn man vor so hohen Herren erscheint, daran hatte er auch nicht gedacht. In seinem edlen Eifer hatte er sich die Sache auf dem ganzen siebenstündigen Marsche so leicht und glatt vorgestellt, daß er sich nicht einmal eine paffende Anrede einstudirt batte. Er hätte sie jetzt so gut gebrauchen können, wo er verlegen an der Thüre stehend seinen Hut in der Hand nach allen Seiten hin- und herdrehte und nicht wußte, wie er sein Anliegen eigentlich Vorbringen sollte. (Fortsetzung folgt.) Wochen-Galenöer. Freitag, 8. Februar, 19. Schewat. Sabbat-Anfang in Mainz 5 Uhr — Min. Samstag, 9. Februar, 20. Schewat nn\ Sabbat-Ausgang in Mainz 6 Uhr 25 Min. — Berlin 5 Uhr 51 Min. — München 6 Uhr 07 Min. — Hannover 6 Uhr 06 Min. - Stuttgart 6 Uhr 18 Min. - Prag 5 Uhr 50 Min. — Straßburg 6 Uhr 20 Min. — Posen 5 Uhr 39 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montigg and Douneigtass, jedeSmal iu mindestens zwei Bogen. P eis pro Vierteljahr bei der Post h Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich od r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V Steinacker, Leipzig, Notzplatz sö. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direcre Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für'S Ausland iS Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702 Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuscripte stndet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurürkzubehalteu. Gtellenfuchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des Jnserttonsbetrags an außer Stelle Bestnoliche binach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): leitender Artikel: Unzeitgemäße BeUachtuugen zur Jahruunderlivende - Zeitungsnachrichten und Correwondenzen: Deutschland: 2 erlin. öonitz Bruchs.'!. Oesterr.Ungar. Monarchie: Budapest. Frankreich: Paris. England: London. Rußland: Petersburg. Feuilleton: Beim Minister (For'etzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die JSraeliten Württembergs. (Fortsetzung«. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deulschland: Be'Oiu. Könitz. Köln. Hanau. Ansbach. Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit*, SÄottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth scheu Hmbuchdruckerei Actien-Ges.'llschml in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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