Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1901)
- Date
- 1901-02-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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324 mänien in Australien unterzubringen. Ein zur Beantwortung dieser Anfrage eingesetztes Komitee wies auf die Schwierigkeiten hin, welche den Einwanderern in Neuseeland entgegenstehen. (Die Emigranten muffen etwas englisch schreiben können und einiges Geld besitzen.) Das Komitee erklärte sich bereit, als ersten Versuch sechs alleinstehende Emigranten oder zwei alleinstehende Emigranten und zwei ganze Familien in Dunedin unterzubringen und für deren Fortkommen zu sorgen. Ebensowenig ermuthigend sollen die Antworten der übrigen Gemeinden ausgefallen sein. Die Juden von Australien denken noch an die feindselige Haltung, welche die Bevölkerung von Melbourne annahm, als s. Z. bekannt wurde, daß Baron Hirsch vorgeschlagen habe, russische Juden in großer Anzahl nach Australien zu senden. England. London, im Jan. (Die Z i o n i st e n und das Einwanderungsverbot.) Wie dem „Jewish Chronicle" aus Konstantinopel gemeldet wird, besteht in den dortigen gut unterrichteten Kreisen gar kein Zweifel darüber, daß die Hindernisse, welche die türkische Regierung der Einwanderung von Juden in Palästina in den Weg legte, ausschließlich dem Zionismus zugeschrieben werden müssen. Eine Unterredung, welche der Correspondent des Blattes mit einem sehrhochgestellten türkischen Würdenträger in Konstantinopel unlängst gehabt hat, läßt befürchten, daß die Pforte, Dank dem Zionismus, auf dem besten Wege ist, „ihre gute Gesinnung gegenüber den Juden überhaupt zu ändern." Die „Leiter der zionistischen Bewegung,"- berichtet der Correspondent, „denen jeder Gemeinsinn abzugehen scheint, werden es durch ihr aus Eitelkeit und kleinlichen agitatorischen Motiven erhobenes Geschrei noch bewirken, daß sämmtliche Juden in der Türkei fortan wie Fremde behandelt und ihnen alle ihre Rechte, welcher sie sich bis dahin wie die Juden in keinem anderen Lande erfreut haben, entzogen werden." Der Correspondent theilt dann den Wortlaut einer neuen Verordnung mit, welche zunächst nur die nach Palästina auswandernden Juden betrifft. Danach muß jeder nach Palästina reisende Jude, „selbst wenn er türkischer Unterthan ist," einen Paß und einen die Nationalität, Beschäftigung und Reisezweck bezeichnenden Erlaubnißschein besitzen. Gleich bei erfolgter Landung werden ihm beide Scheine abgenommen und dafür ein auf drei Monate lausender Aufenthaltsschein eingehändigt, den er stets bei sich zu führen und auf Wunsch jedesmal der Polizei vorzuzeigen hat. Nach Ablauf der Frist erlischt die Erlaubniß und der Pilger hat das Land zu verlassen, widrigenfalls er vor dem Consul seines Landes oder, falls der Pilger ein türkischer Unterthan ist, vor den türkischen Behörden zur Verantwortung gezogen wird. Allmonatlich werden die in Palästina provisorisch sich aufhaltenden Juden einer allgemeinen Revision unterzogen. Unter gewissen Umständen kann die dreimonatliche Erlaubniß prolongirt werden. Um das Maß voll zu machen, sollen zahlreiche türkische Beamten in Palästina, welche lange vorher schon einer größeren Anzahl von Juden die definitive Niederlassung in Palästina und Syrien gestattet haben, nachträglich vor Gericht gestellt werden. Bezeichnend ist übrigens die Haltung der türkischen Presse, namentlich aber der offiziellen Blätter, die jetzt jede Gelegenheit ergreifen, um über die Juden herzufallen. Der Correspondent schließt mit dem Ausrufe: „Dank den zionistischen Schreiern ziehen sich schwere Wolken über den Häuptern der türkischen Juden zusammen!" Rußland. Petersburg. Der „Verein zur Verbreitung von Bildung unter den russischen Juden" hielt Mitte Januar seine jährliche Generalversammlung ab, zu welcher über 150 Mitglieder, die zum Theil von weit her gekommen sind, erschienen waren. Für das Jahr 1901 wurden die Einnahmen und Ausgaben mit 09,000 Rubel veranschlagt. Bei den darauf erfolgten Vorstandswahlen wurde an Stelle des turnusmäßig ausgeschiedenen Herrn Margolin, Herr M. Winawer für die Dauer von drei Jahren wiedergewählt. T. Feuilleton. USeim Ü1 in i ft er» Von ■gloßert Kcintein. 2] Nach einigen Minuten des Schweigens fuhr der Pfarrer fort: „Wenn die Sache erst im Dorf bekannt wird, dann ist meine Ehre, mein Ansehen und vielleicht meine ganze Stellung erschüttert. Die Bauern sind zwar gutmüthig von Natur, aber sie sind ebenso mißtrauisch. Wenn sie hören, daß unser Consistorium mich für einen Menschen hält, der sich an Waisengut vergreift, und mir deßhalb einen Verweis gibt, was sollen dann die einfachen Leute sagen, die an die Casseler Autorität blindlings glauben, dann bin ich . . . ." „Nur gemach, Herr Pfarrer," unterbrach ihn jetzt Bensew, „die Sache ist schon ernst, und es kann einem schon wehe thun, so verkannt zu werden und gar von seiner Vorgesetzten Behörde, aber das muß sich ganz gewiß aufklären. Meiner Meinung nach muß das