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Der Israelit · 1901-01-31 · Heft 9 (31.1.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 9 (31.1.1901)
Date
1901-01-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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194 mir deßhalb einen ernsten Verweis, mit der Mahnung, jede Beziehung nach dieser Seite hin abzubrechen, da sonst ein Prozeß gegen mich in Aussicht gestellt wird. Bensew war von dem Seelenschmerz, den diese grundlose Verdächtigung dem biederen Ehrenmanne bereiten mußte, nicht nur überzeugt, sondern er fühlte ihn in seiner ganzen Tiefe mit, wie nur ein Freund das Leid des andern theilen kann. Aber er unterdrückte sorgfältig jede Regung seines Schmerzes, um den betroffenen Freund nicht noch mehr zu beängstigen. „Ich begreife Sie nicht, Herr Pfarrer, wie Sie sich das so nahe gehen lasten, da es Ihnen doch leicht fällt, sich gegen diesen Verdacht zu vertheidigen. Sie brauchen ja nur den Vormund der Waisen, den Wirth Holzmann, als Zeuge für Ihre Rechtschaffenheit und Ihre selbstlose Hingebung anzurusen und die Sache ist durch einen einzigen Brief klargestellt." Der Pfarrer lächelte traurig, rückte etwas näher an Bensew heran und flüsterte ihm leise in's Ohr: „Man soll keinen Menschen grundlos verdächtigen, aber ich spreche keinen grundlosen Verdacht aus, wenn ich sage, daß der Holzmann der Anstifter ist, er hat mir die ganze Geschichte beim Konsistorium eingebrockt, er und kein anderer." Bensaw erstaunte über diese Mittheilung und gab diesem Erstaunen unwillkürlich Ausdruck, aber der Pfarrer fuhr unbeirrt fort: „Ich weiß, daß ich keinen Feind im ganzen Dorfe ' habe, aber diesem Holzmann bin ich im Wege. Er kann! mir's erstens nicht verzeihen, daß ich wiederholt von der : Kanzel aus gegen den Wirthshausbesuch am Sonntag während der Kirche geeifert hatte. Dazu kommt noch, daß Holzmann den ganzen Garten kaufen wollte, und zwar zu so einem unerhört billigem Preis, daß ich mit aller Entschiedenheit dagegen protestiren mußte, so gerne ich auch im Interesse der Kinder den Garten veräußert hätte. Wie Ihr wißt, habe ich vor länger als Jahresfrist in den Zaun, der den Garten der Waisen von meinem Garten trennt/ eine Verbindungsthüre machen lassen, damit ich von meinem Garten bequemer hinein gelangen kann, ohne jedesmal erst über die Straße zu müssen. Daraus hat der Holzmann mir einen Strick gedreht und in dem Konststorialverweis wird das mir so ausgelegt, als ob ich das deßhalb gethan hätte, um ohne Controlle die Früchte des Gartens leichter in mein Haus schassen zu können; was soll man zu einer solchen Schurkerei sagen, Bensew?" Dieser schwieg nachdenklich einige Minuten, während der Pfarrer unverwandten Blickes das verhängnißvolle Schreiben des Casseler Konsistoriums zum soundsovielsten Male durchlas. Wäre der Letztere nicht so in seine Lektüre vertieft gewesen, so hätte ihm nicht der Strahl der Freude entgehen können, der vlötzlich aus den Augen Bensew's leuchtete. 'Aber der kluge Freund unterdrückte rasch die aufflackernde Freude, er wollte nicht zu früh verrathen, daß er einen Weg gefunden zu haben glaubte, wie hier zu helfen sei. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöc)M‘iitlicii zweimal, Montags and Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. P eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlicp, halbjährlich od r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt durch V Zf. Steinacker, Leipzig, Rastplatz sb. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Peritzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für's Ausland l« Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702 Telephon 315. 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