Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1901)
- Date
- 1901-01-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449156--52546-2503096- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
f 193 zum 30. November 1900 hätten sich 190,000 Fremde in England niedergelassen, von denen die größere Hälfte ruffische Juden wären. Falls die Regierung bis zur nächsten Session lein die Einwanderung von fremden ..Paupers" erschwerendes Gesetz einbringt, werde er, Howard Vincent, die Einbringung eines solchen Gesetzes bei der Adreßdebatte anregen. (Gelächter bei der Opposition.) Staatssekretär M. Valfour erwiedert, daß 1. sich in den letzten drei Jahren keine 190,000 Fremde in England niedergelaffen haben, vielmehr sei ein großer Theil von ihnen nach kurzem vorübergehendem Aufenthalte in England weiter gewandert; 2. daß die in England zurückgebliebenen Fremden keineswegs zu den „Paupers" gerechnet werden dürfen. Mr. Balfour hat vergeffen hinzuzufügen, daß 3. seit drei Jahren die Zahl der armen Juden in England, speziell aber in East-London, eher im Abnehmen als im Zunehmen begriffen ist. Dieses beweisen die von allen Seiten einlaufenden Polizeiberichte, welche auf Seite 14—15 des letzten Jahresberichtes des Board of Trade veröffentlicht sind. Sprechsaal. Beverungen a. d. Weser, 22. Jan. In Nummer 5 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie über die „Seelsorge der jüdischen Soldaten" einen längeren Artikel, aus dem hervorgeht, wie unendlich schwer es ist, den jüdischen Soldaten die Möglichkeit zum Besuche des Gottesdienstes am Sabbat und die Dienstbefreiung an den Feiertagen zu erwirken. Bevor diese Angelegenheit im Kriegsministerium ihre günstige Lösung findet, was vielleicht noch eine Reihe von Jahren dauern kann, gibt es meiner Meinung nach nur einen Weg, um dieses Ziel zu erreichen, und das ist der folgende: Jeder jüdische Lehrer oder Rabbiner einer Garnisonstadt muß frühzeitig vor den Feiertagen dem Generalkommando, dem Regimentsbezw. Bataillonskommandeur oder Compagniechef ein Verzeichniß der Daten sämmtlicher jüdischer Feiertage einreichen und dabei um Dienstbefreiung für die israelitischen Soldaten an diesen Tagen nachsuchen. Falls dieses schriftliche Ansuchen keinen Erfolg haben sollte, so wäre eine persönliche Rücksprache am Platze, und es dürfte daraufhin wohl kaum ein ablehnender Bescheid zu erwarten sein. Sollte es trotzdem geschehen, so muß jeder einzelne jüdische Soldat durch seinen Corporalschaftsführer um Dienstdispens nachsuchen. Als ich im Jahre 1896 mit noch einem anderen jüdischen Collegen der Lehrerkompagnie in Minden eingereiht war. da begaben wir uns beide jedesmal am Erew Jomtof persönlich zum Compagniechef — von Scriba war der Name des edlen Mannes — und baten um Urlaub, der uns auch bereitwilligst für sämmtliche Feiertage, sowohl für Rosch-Haschanoh und Jom-Kippur, wie auch für die beiden ersten und letzten Sukkothtage gewährt wurde. Ebenso wie die Befreiung vom Dienste an den Feiertagen, ist auch der Besuch des Gottesdienstes am Sabbat, wenigstens einmal in jedem Monat, zu erwirken. Nur dürfen die betreffenden Rabbiner oder Lehrer der Garnisonstädte in der Einbringung diesbezüglicher Anträge nicht ermüden und nicht lässig sein und sich von einer etwaigen Erfolglosigkeit nicht abschrecken laffen. Immer und immer wieder müssen sie ihre Anträge erneuern, denen schließlich der Erfolg nicht fehlen wird. S. Buxbaum, Lehrer. -> '•JPerfonaCien. -<* Hamm i. Wests. Herr I. Dannenbaum in Lippstadt in Wests, hat den rothen Adlerorten 4. Classe erhalten. Vermisstes Berlin, 27. Januars Unter den Freunden des König- Edwarv VII befinden und befanden sich stets viele Juden. So Baron Hirsch, Baron Ferdinand v. Rothschild, Sir Arihur und Sir Rüben Sa ssoon u. v. A. F e u i i l O 0 tt. -Germ Ml linst er. Von Robert Käntein. I. Unsere Erzählung führt uns ein halbes Jahrhundert zurück in das damals kurhessische Dörfchen Malsfeld. Die kleine jüdische Gemeinde verkehrte mit der christlichen in einer friedlichen, man kann fast sagen, brüderlichen Weise, die einem heute, fünfzig Jahre später, geradezu unglaublich anmuthet. Viel trug zu diesen guten Beziehungen die Persönlichkeit des Gemeindeältesten der jüdischen Gemeinde, Heinemann Bensew, der Held der folgenden Erzählung, bei. Er war ein Mann ohne besondere allgemeine Bildung, aber er verband mit einem weichen, guten Herzen, einen festen unbeugsamen Charakter; eine Verbindung, die man sonst nur selten anzutreffen pflegt. Er war auch durchaus kein reicher Mann, aber sein guter Rath, seine allezeit hilfsbereite That standen Jedem zur Verfügung, mochte er Jude oder Christ sein. Seine strenge Rechtlichkeit, seine innige Frömmigkeit und seine Kenntniß