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Der Israelit · 1901-01-31 · Heft 9 (31.1.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 9 (31.1.1901)
Date
1901-01-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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f 191 seine ganze amtliche und außeramtliche Thätigkeit nur von solchen Gesichtspunkten leiten zu lassen. Diese Ausführungen machten aus die Besucher des Gotteshauses, das dicht gefüllt war, einen mächtigen Eindruck, dem sich keiner zu entziehen vermochte. Seine eigentliche Antrittsrede hielt Herr Rabbiner Dr. Bamberger am anderen Morgen vor dem MussaP Gebete. Er nahm zunächst Bezug aus seine Ausführungen vom vorigen Abend, in denen er im Allgemeinen die Aufgabe und das Ziel eines geistigen Führers bezeichnet, und so das „Was" näher bestimmt habe. Nunmehr erläuterte er die Art und Meise, w i e dieses Ziel zu erreichen, diese Aufgabe zu lösen sei. Anlehnend an den Vers zr.zwz i' x dx^v" entwickelte er sein Programm. In dem Ausdrucke Aur haben unfete Weisen das Symbol der Thora gefunden. In dieser Beziehung halte er es für seine Aufgabe, Aur in den Wohnungen Israels zu verbreiten und dieses Aur in den harmonischen Dreiklang Thora, Abodah und Gemilus chasodim aufzulösen. Bor allem sei die Jugend für diese hohe Aufgabe zu gewinnen, aber er werde bei der Jugend nicht Halt macken, denn "j^: ':"*y:z, die ganze große israelitische Gemeinschaft müsse von dem Lichte der Thora durchdrungen und erfüllt werden. Nachdem Redner bis in's Einzelne seine Anschauungen in dieser Richtung entwickelt, gedachte er der 200jährigen Jubelfeier des preußischen Königshauses und des Geburtstages des Kaisers und Königs und schloß mit einem tiefergreifenden, wunderschönen Gebete für Gemeinde, Stadt. Provinz und Kaiserhaus seine herrlichen Ausführungen, llnmittelbar hierauf intonirte der Vorsänger den Psalm 150. Die Festrede war nach Inhalt und Form gleichmäßig ausgezeichnet angelegt und auch nach der rhetorischen Seite erzielte der verehrte Redner eine außerordentlich tiefgehende Wrkung. Eine wirkliche Dankespflicht erfüllt aber auch Ihr Eorrespondent, wenn er der Thätigkeit des neugegründeten Synagogenchores bei der Einführungsseier rühmend gedenkt; derselbe hat sowohl beim Abend-, als auch beim Morgengottesdienste alle Piecen mit solcher Exaktheit vorgetraaen, daß er nicht nur zum würdigen Verlaufe der Feier außerordentlich viel beigetragen, sondern auch den Beifall aller Zuhörer sich errungen hat. — So hat denn unsere altehrwürdige Gemeinde wieder den Mann gefunden xw ^xi srnzb xr -nyx und ist nicht mehr 77>-! nr6 P8 oe>x sxL2 Freude und Jubel aber herrscht in der ganzen Gemeinde und frohe Zuversicht sckwellt unsere Herzen, daß die Thätigkeit des neuen Provinzial-Rabbiners uns und der ganzen Provinz zum Guten gereichen werde. Dassel, 28. Jan. Bei der im israelitischen Seminar veranstalteten Feier des zweihundertjährigen Jubiläums des Königsreichs Preußen hielt nach dem Chorgesang „Mit dem Herrn fang' Alles an" der Anstaltsleiter Herr Dr. Lazarus die Festrede, in welcher er die Aufgabe einer Lehrerbildungsanstalt, vor Allem auch nationales Gefühl zu erwecken, eingehend darlegte. Die Rede klang in einem Hoch auf Kaiser Wilhelm IT. aus. Mit dem Gesang des „Heil Dir im Siegerkranz" schloß der erste Theil der Feier. Es folgte der Vortrag des Gedichtes „Belehnung des Burggrafen Friedrich von Nürnberg" von Wildenbruch, des Dialoges „Zwischen Attinghausen und Tell" (Tell II., 2) und des Gedichtes „KaiHr Wilhelm II." von Treller durch Seminaristen der verschiedenen Classen. Den wirkungsvollen Abschluß des Festes bildete der Gesang des „Wir treten an mit Beten" von Weyl. München, 27. Jan. Seit Wochen wird in der hiesigen Presse viel Staub aufgewirbelt über eine Wucher- Affaire größeren Siyles, welche demnächst vor dem hiesigen Landgerichte zum Austrag gelangen soll und in die eine Anzahl hier wohnender jiidischer Geschäftsleute verwickelt sein soll. Der Gang der Verhandlungen wird klarzustellen haben, bei welchen die durch die Gerüchte bezeichneten Personen die so viel Aufsehen erregenden Anschuldigungen wirklich zutreffen und in welchem Umfange dies der Fall ist. Für die hiesige Antisemitenpresse, sowie für die gewerbsmäßigen Hetzer und Scandalsucker ist diese Affaire natürlich Wind in die meist schlaffen Segel und es braucht nicht gesagt zu werden, daß diese Sivve über die Angelegenheit herfällt, wie das hungrige Raubthier über die vor seinen Augen austauchende Beute. So wurden verschiedene Personen, als in der Sache verwickelt, theilweise sogar als bereits in Haft genommen, mit solcher Bestimmtheit genannt, daß die diesbezüglichen Nachrichten auch von den anständigen Zeitungen gemeldet wurden. Heute nun melden Zeitungsberichte, daß betreffs mehrerer Personen die Nachricht von deren Verhaftung und betreffs Anderer die Behauptungen von deren Zusammenhang mit ser ganzen Sache absolut unwahr sind. Von einigen Seiten wurde gegen die Verbreiter dieser lügenhaften Beschuldigungen, insbesondere gegen den in solchen Fällen niemals fehlenden Wenng, Verleumdnngsklage angestrengt. Im Uebrigen bleibt das Ergebniß der in Bälde stattfindenden Verhandlungen über diese vielberufene Affäre abzuwarten. England. London (Englische Undankbarkeit.) Die interessante Tbatsache, daß von den ca. .1000 jüdischen Soldaten, welche zum Nutzen und Frommen Englands in Siidafrika ihr Blut vergießen, der weit größere Theil entweder selbst in Rußland geboren ist. oder doch von russischen Eltern abstammt, hat den edlen Abgeordneten von Shefsield-Central, Mr. Howard Vincent, nickst gehindert, am 14. Dezember im Äbgeordnetenhause die Regierung zum Einbringen eines Fremdengesetzes aufzufordern. Vom 1. Januar 1897 bis

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