Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1901)
- Date
- 1901-01-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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174 er fo lange als tobt beweint hatte, und mit ihm kam auch Derjenige, den er damals als Feind nothgedrungen bewirthen mußte, jetzt aber als Wohlthäter seines Sohnes, als Verlobten seiner Tochter begrüßen konnte. Es war unentschieden, welchen der beiden jungen Männer er mit größerer Inbrunst an sein überströmendes Vaterherz geschloffen hatte. Ludwig blieb, wie er es vorhergesagt hatte, nicht lange in Böhmen; denn nach kurzem Brautstande wurde hart an der Landesgrenze ein einfaches, aber inniges Fest gefeiert — die Doppelhochzeit von Ludwig und Rosa, Karl und Dora! Der treue bewährte Freund des Hermann'schen Hauses nahm die Trauung vor, und seine Tochter Annel war die Einzige, welche aus der Heimath Zeugin des Ehrentages ihrer Freundin gewesen. Sie bemerkte scherzend: „Zwei Bräute auf einmal, und ich immer noch nichts." Und noch eine Verbindung wurde zwischen Böhmen und Preußen geschloffen, und wieder war das scheinbar so heirathslustige Annerl nicht die Braut gewesen. Nach Jahresfrist trat der alte Hermann, den das Glück seiner beiden Kinder wunderbar verjüngt hatte, eine Reise nach Preußen an, wo er Pathenstelle bei dem erstgeborenen Sohne seiner Rosa vertreten sollte. Das Kind erhielt den Namen Nathan, nach Ludwig's Vater, und Hanna hörte nach Jahren wieder den Namen nennen, der ihr einstmals über alles theuer: Nathan Goldenkron. Kurze Zeit darnach trat Ludwig für seinen Schwiegervater als Freiwerber auf — bei Tante Hanna. Nur nach langem Sträuben und allen erdenklichen Ausflüchten hatte ste ihr Jawort gegeben. Erst als Ludwig ihr zu Gemüthe führte, daß der Geist seines unglücklichen Vaters erst dann vollständig Frieden finden werde, wenn diejenige, welche um seinetwillen allen Erdenfreuden entsagt hatte, endlich auch, wenn auch ein oerspätets Liebesglück finden werde. Diese Hochzeit wurde in Böhmen im Hermann'schen Hause mit allem Prunk gefeiert und der würdige Rabbiner sagte unter Anderem in seiner Traurede: „Nicht die Dankbarkeit allein hat diese sich ehemals fernstehenden, ja feindlichen Personen zusammengeführt, nicht die Liebe allein hat drei Paare guter Menschen im heiligen Bunde vereint, nein, in erster Reihe war es unsere heilige Religion, die Zusammengehörigkeit zu einer Nation, welche die erste Annäherung vollbrachte. Ohne das Festhalten am gemeinsamen Stamm wären diese Leute kalt und fremd auseinandergegangen, ohne sich im Leben je wieder zu begegnen." Nachdem Tante Hanna in ihrer neuen Heimath und in der Nähe ihrer Dora zurückgeblieben war, nahm Rosa ihre Freundin Anna zu sich nach Preußen. Dort fand sich nach kaum Jahresfrist ein braver Mann, dem Anna Herz und Hand zum Lebensbunde reichte. Verdient hatte sie es um ihrer Klugheit willen. Wochen-Walenöer. Freitag, 1. Februar, 12. Schewat. Sabbat-Anfang in Mainz 5 Uhr — Min. Samstag, 2. Februir, 13. Schewat m’t? ‘w ,rvw3.. Sabbat-Ausgang in Mainz 6 Uhr 10 Min. — Berlin 5 Uhr 40 Min. — München 5 Uhr 57 Min. — Hannover 5 Uhr 55 Min. — Stuttgart 6 Uhr 06 Min. — Prag 5 Uhr 35 Min. — Straßburg 6 Uhr 10 Min. — Posen 5 Uhr 27 Min. Montag, 4. Februar, 15. Schewat, i&y n&Dn. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, ModIhki und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. P eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnin ganzjährlicy, halbjährlich od.r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Drr Buchhandel verkehrt durch V M. Sleinacker, Leipzig, Notzplah jb. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitreile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig — Directe Francozusenduna unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für'S Ausland iS Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702 Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Stellensuchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang grattS und franco zuaefandt. Ebenso stunden wir aus Wunsch die Zahlung des Jnsertionsbetrags an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Freiherr Wilhelm Carl v. Rothschild y"j. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Graurenz Cassel Marburg. München. Oesterr.-Ung. Monarchie: Budapest. Aus Mähren. China: Shanghai. — Feuilleton: Versöhnte Feinde. (Forletzung). Inhalt der Beilage: Liilerarisches. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: GleiwiZ. München. AuS Bayern. München. Schildberg. Dänemark: Kopenhagen. Letzte Nachrichten: Frankfurt a. M. Pädagogische Beilage: Einführung von Gartenbau- und Handfertigkeitsunteirichttin jüdischen Schule'. Verantwortliche Redaclion Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit*, Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth scheu Hofbuchdruckerei Actien-Gesellichatt in Main, Hierzu zwei Beilagen.