Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1901)
- Date
- 1901-01-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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171 '-TT P?. auch litterarisch thätig gewesen; er ist z. B. der Verfasser (Pseudonym Fritz Werner) der poetischen Festschrift „Zweihundert Jahre unterm schwarzen Adler," die am 18. Januar in mehr als 200 Schulen Preußens (auck in der Graudenzer Oberrealschule) aufgeführt worden ist. Cassel, 23. Jan. In hiesiger Stadt, der Hauptstadt der Provinz Hessen-Nassau, wirkt seit langen Jahren segensreich und in der Stille der israelitische Verein „Schwesternbund." Derselbe wuchs aus kleinen Anfängen heraus und kann heute auf eine gedeihliche Entwickelung zurückblicken. Im Jahre 1817 gegründet, hatte er den Zweck, lediglich in Cassel ansässige, mittellose junge Mädchen erwerbsfähig zu machen. Seither ist dieser ursprüngliche Plan aber wesentlich erweitert worden. Außer der Stadt, wurde auch der Regierungsbezirk Cassel, und so weit es die Mittel erlaubten, der fernere Umkreis berücksichtigt. Der erste Mai 1896 bezeichnet einen abermaligen Fortschritt in der Entwickelung des „Schwesternbundes." Derselbe eröffnete an diesem Tage sechs seiner Pflegebefohlenen ein eigenes Heim, das sich rasch vergrößerte. Die wenigen, anfänglich gemietheten Räumlichkeiten erwiesen sich jedoch sehr bald als völlig unzulänglich und mußte der Nothwendigkeit eines eigenen Hauses näher getreten werden. Im Herbste des vergangenen Jahres ist es nun gelungen — Dank der aufopfernden Thätigkeit der Vereinsvorsitzenden, Frl. Philippsohn, der Unterstützung edler Menschenfreunde u. der stetigen wachsenden Mitgliederzahl des „Schwesternbundes" — ein praktisch und freundlich eingerichtetes Haus für ca. 40 junge Mädchen zu eröffnen. Hier werden dieselben liebevoll gehütet und gepflegt, vor Versuchungen nach Möglichkeit bewahrt und können gegen ein geringes Kostgeld, im Schutze einer religiös-sittlichen Häuslichkeit, ihrer Beschäftigung nachgehen. Diese Beschäftigung liegt auf den verschiedensten Gebieten. Das Heim zählt zu seinen Pflegebefohlenen: Näherinnen, Stenographistinnen, Buchhalterinnen, Verkäuferinnen, Lehrmädchen, die in Casseler Geschäften untergebracht sind, Schülerinnen des Lehrerinnen-Seminars, der Fachschule und der Kunstgewerbeschule. Aber Alle — die bescheidene Stopferin, wie die kaufmännisch gründlich gebildete Buchhalterin, dis beide aus der Fachschule hervorgegangen sind, das angehende Dienstmädchen, wie die künstlerisch vorbereitete Zeichnerin der Kunstgewerbeschule — belebt derselbe fröhliche Geist der Arbeit und der Zuversicht, denn Alle sind wohl vorbereitet für die Anforderungen ihres Berufes und fühlen sich geborgen in liebevoller Hut. So hat der „Schwesternbund" bis jetzt Hunderten von jungen Mädchen, die sonst schutzlos und unfähig dem Kampfe mit dem Leben gegenüber stehen würden, Stütze und Halt gewährt und also auch in seinem kleinen Wirkungskreise den sozialen Tendenzen unserer Zeit gedient, die darauf gerichtet sind, den Schwachen und Hilfsbedürftigen beizustehen. Marburg, 22. Jan. Eine antisemitische Rohheit, die durch die merkwürdige Person des Thäters besonderes Interesse beansprucht, fand am 16. d. vor der hiesigen Strafkammer ihre wohlverdiente Strafe. Die Anklage lautete gegen einen Bauernknecht aus Roßdorf wegen gefährlicher Körperverletzung, begangen an dem jüdischen Viehhändler Ehrlich von dort. Es dürfte dieser Bauernknecht aber wohl ein Unikum sein, denn er besitzt thatsächlich akademische Bildung. Sein Name ist Ludwig Hof. Er hatte das Gymnasium zu Fulda absolvirt und auch bereits vier Semester Universität hinter sich, worauf er sein Einjähriges in hiesiger Garnison abdienen wollte. Wegen angeblich schlechter Behandlung wurde er jedoch bald fahnenflüchtig, stellte sich dann aber wieder, verbüßte, nachdem er zu Ende gedient, ein halbes Jahr Festung und suchte und fand hierauf in seinem Heimathsorte Roßdorf Anstellung als „Bauernknecht." Hier glaubte er seine höhere Intelligenz im Oktober vorigen Jahres dadurch dokumentiren zu müssen, daß er den Viehhändler Ehrlich zu nächtlicher Stunde durch Klopfen am Fenster auf die Straße lockte und ihn hier mit einem Mistgabelstiel niederschlug. Ehrlich trug eine Gehirnerschütterung davon, die ihn dem Tode nahe brachte und an deren Folgen er noch heute leiden muß. Der Gerichtshof diktierte dem rohen Patron eine Gefängnißstrafe von 22 Monaten. Ff. Zg. München, im Jan. Herr L. S. S k u t s ch dahier hatte den Einfall, aus Anlaß der Hochzeit des Prinzen Rupprecht von Bayern, diesem hohen Herrn zwei Mazzos zu schenken. Derselbe erhielt darauf das nachstehende Cabinetschreiben: „Seiner Kgl. Hoh. des Prinzen Ludwig von Bayern Hofmarschall-Amt. Euer Wohlgeboren! Seine Königl. Hobeit Prinz Ludwig von Bayern lassen für die überbrachte Gabe danken. Hochachtungsvoll ergebenst (gez.) Graf von Holnstein. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Budapest. Das Komitee, welches sich seinerzeit in Folge der Initiative des Herrn Paul Sander, behufs Unterstützung der jüdischen Auswanderer Rumäniens, konstituirte, hat in einer unter dem Vorsitze des Präsidenten der Pester israelitischen Religionsgemeinde, Herrn Sigmund Kohner, gehaltenen Sitzung, mit Rücksicht darauf, daß es deiner gestellten Aufgabe entsprochen hat, seine Auslösung beschlossen. Bei dieser Gelegenheit hat Herr Paul Sandor im Namen des Komitees, sowohl bezüglich des Resultates der öffentlichen Sammlung, als auch bezüglich der für die Un terstützung der jüdischen Emigranten aus Rumänien verwendeten Ausgaben endgültige Abrechnung erstattet.