Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1901)
- Date
- 1901-01-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449154--52501-2503049- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
149 schauen sie nicht, und Seine Thaten merken sie nicht." „Darum muß mein Volk in's Exil wandern unversehens, und seine Vornehmsten muffen dann Hungers sterben und seine Volksmenge tobtet der Durst. (Jesaias .er p.-£ n'j.'ti’') xci Es inögen schon zu jener Zeit Wetttrinker gegeben haben, die es als großes Bravourstück, als kühne Heldentbat hielten, andere im Trinken zu überbieten. Diesen ruft der Prophet zu: Wehe denen, die Helden sind beim Weintrinken und tapfere Männer beim Gelage. (Das. 22.) .<22 ':r*r An tr;x* p* ="‘2; **rr (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 22. Jan. lieber die „Judentaufen der Gegenwart" sprach Professor Dr. Philippson in einer Versammlung des „Eentral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens." Die Zahl der Taufen, führte er aus, sei in starkem Zunehmen begriffen und es gehörten keineswegs bloß minderwerthige Elemente zu den Ueberläusern, vielmehr erleide das Judenthum auch qualitativ durch die Uebertritte zum Ehristenthmn bedenkliche Verluste. Es drohe sogar eine gewisse geistige Verarmung des Judenthums einzutreten. Die Beweggründe zur Taufe seien, neben einem überspannten Nationalismus, der irriger Weise Judenthum und Deutschthum für unvereinbar halte und dem allgemeinen religiösen Jndifferentismus, in den meisten Fällen materieller Natur. Aussicht auf befferes Fortkommen, Streben nach Nang. Titeln und Orden veranlassen viele Juden, dem Glauben ihrer Väter untreu zu werden. Die Mehrzahl der Renegaten stehen innerlich den Dogmen des Christenthums fern, ihr Bekenntuiß ist eine Lüge und Heuchelei, sie treiben mit dem Heiligsten ein freches Spiel. Von noch größerer Gesinnungslosigkeit zeuge aber das Verhalten solcher Leute, die zwar selbst Juden bleiben, jedoch aus falscher Elternliebe, damit ihren Kindern Verfolgungen erspart bleiben, diese taufen lasten. Systematischer Religionsunterricht, bessere Verbreitung der Kenntniß der eigenen Geschichte und Litteratur, fester Zusammenhalt der Juden sei das beste Mittel, um der Zunahme der Taufen entgegenzuwirken. In der Debatte wies der Vorsitzende Rechtsanwalt Tr. H 0 r w i tz darauf hin, daß eine Gesammtorganisation des deutschen Judenthums im Entstehen begriffen sei. Das spezielle Gebiet der Abwehr werde dessenungeachtet nach wie vor die Domäne des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bleiben. Die Thätigkeit des letzteren habe in jüngster Zeit wieder erfreuliche Erfolge erzielt. Frankfurt a. M., 21. Jan. Am gestrigen Sonntag hielt der hiesige „Mekor Chajim-Verein" seine 26. ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Joseph Wohlfahrt, erstattete den üblichen Jahresbericht und kann der Verein auch diesmal auf ein besonders segensreiches Jahr zurllckblicken. Zu den vorhandenen Schiurim der Herren Gerson Posen, Rektor Falck und Julius Hirsch sowie der Mitgliedervorträge kamen im Laufe des abgelaufenen Jahres noch ein zweiter Talmudschiur, unter Leitung des Rabb.- Cand. Dr. M. Marx und ein Schiur des Schulchan Aruch unter Leitung des Herrn Rekt. Falck hinzu, sodaß der Verein die stattliche Zahl von neun Stunden wöchentlich aufweisen kann. Alle Schiurim erfreuen sich immer gesteigerten Besuches und auch die Mitgliederzahl hat einen Zuwachs von 26 Mitgliedern zu verzeichnen, demgegenüber leider durch Tod zwei und Wegzug sechs Mitglieder ausschieden. Am 8. Januar zählte der Verein insgesammt 203 Mitglieder. Am Anfang des Herbstes trat eine Zweigvereinigung unter dem Namen Nachalas Zwi „Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauuna" in's Leben, über deren Eröffnung s. Zt. in Ihrem geschätzten Blatte ausführlich berichtet wurde. Die neue Vereinigung hat seit der kurzen Zeit ihres Bestehens schon recht schöne Erfolge zu verzeichnen und erfreut sich bei ihren wöchentlichen Vereinsabenden einer äußerst regen Theilnahme. Der Vorsitzende gedachte im Weiteren des Heimganges des langjährigen großen Lehrers des Vereins. Herrn Director Dr. Mendel Hirsch f. A., in warmen Worten und hob hervor, daß der Verein in den Trauertagen allmorgentlich im Trauerhause, zum ehrenden Andenken an den Dahingeschiedenen, einen Schiur unter Leitung des Herrn Rekt. Falck abhielt. Am Tage nach Sabbat Vereschit konnte der Verein unter zahlreicher Betheiligung einen Sium auf einen siebenjährigen Eyelns der fünf Thorabände (Mitgliedervorträge) feiern. Zum Schluffe des Jahresberichtes erwähnte der Vorsitzende, daß unser langjähriger hochverehrter Dozent. Herr Julius Hirsch, leider seit einiger Zeit an's Krankenlager gefesselt sei und sprach die Hoffnung aus. daß es uns vergönnt sein möge, unseren Lehrer recht bald vollkommen gekräftigt wieder begrüßen zu dürfen. Bei den Ergänzungswahlen für den Vorstand wurden die Herren Samuel Vamberger, Marcus Hirsch und Hugo Rothschild gewählt. Möge der Verein sich im kommenden Jahre immer segensreicher entfalten und mögen namentlich die der Schule entwachsenen jungen Leute in immer größerer Anzahl Freunde unseres Vereins werden, damit derselbe seiner hoben und heiligen Aufgabe in immer gesteigerterem Maße gerecht werden kann.