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Der Israelit · 1901-01-24 · Heft 7 (24.1.1901) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 7 (24.1.1901)
Date
1901-01-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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150 Memel, 21. Jan. (Judenausweisungen in Memel!) Unter dieser Ueberschrift erläßt Herr Religionslehrer Emil Benjamin von hier an die Leser des „Memeler Dampfboot" folgende Bitte: „Behufs Abfassung einer Denkschrift bitte ich alle diejenigen, welche diese Bewegung miterlebt oder mitgemacht haben, mir ihre diesbezüglichen Erlebnisse oder Erfahrungen gefl. mitzutheilen. Hochachtungsvoll Emil B e n j a m i n." Aus Oberhessen. In dem Jnseratentheil des „Israelit," sowie in anderen Tagesblättern lesen wir. daß die Gemeinde Hoch - Weißel beabsichtigt, ihre Synagogengeräthe und Sifre Thoras zu verkaufen. Gleich irgend einem anderen Gerümpel, das man gerne losschlagen möchte, werden hier die heiligsten Gegenstände dem Verkaufe ausgesetzt. Tiefes Weh muß das Herz jedes wahren Israeliten beschleichen beim Lesen dieser Annonce und unwillkürlich legt man sich die Frage vor: „Mußte es sein?" Klingt es nicht wie Hohn, wenn man sieht, wie fast muthwillig hier ein Bethaus der Auflösung preisgegeben wird. „War es nothwendig, die Stätte zu zerstören, wo man sein Gebet verrichten konnte?" Sehen wir uns einmal bnzr\b andere Konfessionen an, mit Pfennigen wird da gesammelt, daß neue Kirchen erstehen können. Hoch und Niedrig rechnet es sich als besondere Ehre an, Kirchen bauen und erhalten zu helfen, u. wir Juden, denen das Vethaus Alles sein soll, wir sollen nicht die Macht haben, eine kleine Synagoge, die von den Betreffenden gar nicht entbehrt werden kann, zu erhalten? Mit wenigen Opfern wäre es den Gemeindeangehörigen Hoch-Weißel, Fauerbach und Ostheim möglich, ihr Bethaus zu erhalten, aber es scheint, daß ihnen der gute Willen gefehlt hat! Noch ist es vielleicht nicht zu spät, aus irgend eine Weise ihre Einrichtung zu erhalten und möge Jeder bedenken, welche Verantwortung er auf sich ladet, wenn er dazu beiträgt, Gotteshäuser zu zerstören. Wäre es nicht eine schöne Aufgabe für einen unserer beiden Herren Provinzialrabbiner, hier helfend einzugreifen? Schweiz. Aus der Schweiz. (Warnung.) Dieser Tage fand ich in einer jüdischen Zeitung ein „Israel. Kochbuch" ausgeschrieben, das ich meiner Frau kaufte. Ein flüchtiger Blick in dasselbe zeigte mir das Schwindelhafte und Gefährliche dieses Buches, was mich veranlaßt, alle Diejenigen zu warnen, die nicht betrogen sein wollen. Der volle Titel des Buches lautet: „Israelitisches Kochbuch." Zubereitung aller Arten Speisen nach den „Ritualgesetzen," von Sarah Cohn, geb. Uhlfelder." Während auf dem Titelblatt die Stahl'sche Verlagsbuchhandlung in Regensburg angegeben ist, figurirt auf dem Einbanddeckel der G. Koenitzer'sche Verlag in Frankfurt a. M., aus welcher Stadt die Verfasserin auch ihr Vorwort datirt. Datirt ist eigentlich nicht ganz korrekt, da Jahreszahl und Datum im dem Buche nirgends angegeben sind. Der Schwindel des Buches besteht darin, daß es behauptet, die Zubereitung der Speisen nach den Ritualgesetzen zu lehren, während eine sehr große Zahl von Rezepten darin enthalten ist, welche die gröbste Verletzung dieser Gesetze bedeutet. Ich lasse aus dem Gröbsten hier eine kurze Auswahl folgen, woraus man sich auf das Uebrige von selbst sein Verslein machen kann. Bei den Illustrationen findet sich Seite 23 neben Rindfilet auch der Hasenbraten abgebildet. Den Text dazu findet man Seite 96 unter der Ueberschrift: Kaninchen (Lapin); derselbe lautet: „Nachdem es ausgezogen, die Läufe und der Kopf abgeschnitten, die Schenkelknochen mit dem Rücken des Beils von innen abgeschlagen und zusammengeschoben, bratet man das Kaninchen wie den jungen Hasen. In dreiviertel Stunden ist es fertig. — Wird gewöhnlich zwölf Stunden in die Beize gelegt, weil das Fleisch süßlich schmeckt." Seite 81: „Gespickter Ochsenbraten darf nicht umgedreht werden, wollte er zu braun werden, so belegt man ihn mit vermittelst Butter bestrichenem Papier." Seite 84: „Gefüllte Gans. Wenn die Gans rein geputzt ist, so salze man sie ein und laste sie zwei Stunden liegen. Um 10 Pfg. Milchbrot wird in kalter Milch eingeweicht, ausgedrllckt, die Leber mit Zitronenschale. Peterstlienkraut, ein wenig Butter abgerieben u. s. w." Fast sämmtliche Fleischbraten erhalten Zuthaten von Butter und Milch! Seite 100 findet sich das Recept zur Anfertigung von roulirtem Rinderbraten! Das Ganze schließt mit dem Rezept für Sardellenwurst. „Auf iy2 Kilo Fleisch rechnet man 126 Gramm gute Sardellen!" Wie viel Falsches bei den Kapiteln vom Koschermachen, Vorbereitungen vor dem Eintritt des Osterfestes, Sederabend, u. a. m., mit unterläuft, braucht nach alledem nicht erst gesagt zu werden. Gerade aber das Vorhandensein dieser Kapitel ist geeignet, den Glauben zu erwecken, als handle es sich um ein Buch, das die jüdischen Speisegesetze berücksichtigt. Wir können deßhalb nicht entschieden genug auf die unerhörte Dreistigkeit Hinweisen, welche dieses Machwerk als eine Zubereitung der Speisen nach den Ritualgesetzen ausgibt! (Wir haben vor dem Buche s. Z. schon sofort nach dessen Erscheinen gewarnt. Red. d. „Jsr.") Briefkasten der Redaktion. M. M.: Angebotene Artikel sind uns willkommen. I. S. L.: Leider nicht verwendbar. Briefkasten ver Expedition. Oin G. Mk.,10 — empfangen.

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