Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1901)
- Date
- 1901-01-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449154--52496-2503044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
144 Synagoge in Warschau auSzuwirken. Warschau weist zwar eine große Menge Vethäuser auf, doch befinden sich dieselben in verwahrlostem Zustande und die Synagoge an der Tlemacka-Straße erweist sich als ungenügend. Gegenwärtig sammeln die Initiatoren des Planes Unterschriften für die aus diesem Anlaß einzureichende Bittschrift. P a l ä st i n a. Zaffa, im Jan. (Strike und Aufruhr in Rischon-Lezion.) Dem neuen Generalbevollmächtigten der „I. C. A.," Herrn Parienta, welcher bisher Direktor der Allianzschule in Tetuan war, ging vor seiner Ankunft in Palästina ein böses Renomme voraus. Die Kolonisten, welche — mit Recht oder Unrecht, wird die Zukunft lehren — über die „I. C. A." sehr erbittert sind, sehen in ihm den „schwarzen Mann," welcher mit dem längst angekündigten eisernen Besen die jüdischen Kolonien in Palästina von allen von den ungeschickten Rothschild'schen Beamten angerichteten Schäden reinfegen soll. Die ersten Thaten des neuen Herrn schienen die schlimmsten Befürchtungen noch zu übertreffen. Aus Sichrem Jacob, allerdings eine Kolonie, in welcher die frühere Mißwirthschaft die ärgste Verwüstung angerichtet hat, kam die Nachricht, der Herr Schuldirektor habe den Kolonisten erklärt, er werde nicht eher zur Verbesserung der Lage der Kolonie etwas thun, bevor zwei Drittel der Kolonisten Palästina verlassen haben. Die Kolonisten hätten darauf eine acht Mann starke Deputation nach Paris entsendet, um bei dem bekannten Chowew-Zion, Herrn Meyerson. welcher gleichzeitig eine einflußreiche Stellung bei der „I. C. A." einnimmt, vorstellig zu werden. So thöricht diese Nachricht angesichts der bekannten Erklärung der „I. C. A." war, welche vor einigen Wochen durch die „Jewish Chronicle" mittheilen ließ, daß sie nicht daran denke, irgend einen jüdischen Kolonisten zur Auswanderung aus Palästina resp. zum Verlassen der Kolonie zu zwingen, die gegen Herrn Parienta mißtrauischen Kolonisten von Judäa glaubten an diese Nachricht. Nicht wenig trug dazu die Zurückhaltung und die völlige Zugeknöpftheit des Herrn Parienta selbst bei, der auf »alle Erkundigungen der Kolonisten über seine Zukunftspläne eine unbestimmte oder ausweichende Antwort gab. Als er gar den Kolonisten von Ekron, welche schon seit vielen Jahren großen Mangel an Land leiden (die Kolonisten haben sich von 16 auf 29 Familien vermehrt), ihre Bitte um Vergrößerung ihres Areals rundweg abschlug, wurde die Abneigung gegen ihn unter den jüdischen Kolonisten in Judäa ganz allgemein. Die allgemeine Erbitterung kam zum Ausbruch, als Herr Parienta in Rischon-Lezion den Kolonisten erklärte: 1. daß er die Traubenpreise noch weiter wesentlich herabsetzen und 2. zu diesen herabgesetzten Preisen nur die Hälfte der gesammten Traubenproduction den Kolonisten abnehmen wolle. Als er dann seinen Worten gleich darauf die That folgen ließ und der Hälfte aller Arbeiter im Weinkeller von Rischon-Lezion ihre demnächstige Entlassung ankündete, legten diese die Arbeit im Keller sofort nieder und verhängten über diesen gleichzeitig die Sperre. Jetzt belagern die Strikenden Tag und Nacht den Keller und lassen keinen Arbeiter in denselben hinein. Die Arbeit ruht vollständig und der Keller erleidet täglich große Verluste, da selbst die nothwendigsten Arbeiten nicht ausgeführt und die eingelaufenen Bestellungen auf Wein nicht effectuirt werden können. Schlimmer noch erging es Herrn Parienta bei seinem ersten Zusammenstoß mit den seit Monaten arbeitslosen, in großer Noth lebenden Taglöhnern. Eine Deputation dieser bedauernswerthen jüdischen Landarbeiter forderte von ihm die Auszahlung des Tagelohnes eines vollen Jahres an jede Taglöhnerfamilie. Herr Parienta lehnte jedoch diese höchstens nur moralisch berechtigte Forderung rundweg ab und erklärte sich nur bereit, jeder Familie eine einmalige Abfindungssumme von 60—500 Frcs. zahlen zu wollen. Daraus schritten die verzweifelten Tagelöhner zur Gewalt und belagerten den Herrn Parienta in dem Verwaltungsgebäude von Rischon-Lezion, wobei sie erklärten, den über ihn verhängten Stubenarrest nicht eher aufheben zu wollen, bis er ihre Forderungen voll und ganz bewilligt hat. Mit großer Mühe gelang es den aus Jaffa herbeigeeilten einflußreichen Chowew- Zion am dritten Tage der Belagerung, die verblendeten Taglöhner zum Aufgeben ihres thörichten Beginnens zu bewegen. Minder grob, wenn auch nicht minder entschieden als die ungestümen Taglöhner, sind die Kolonisten von Ekron Herrn Parienta begegnet. Als dieser ihre sämmtlichen Forderungen und Vorschläge rundweg abgelehnt hatte, erklärten die Kolonisten, ihn nicht als Vertreter der „I. C. A." anzuerkennen. Die „I. C. A." habe vom Baron Rothschild die Kolonieen übernommen, um dieselben weiter auszubauen, nicht aber, um sie zu ruiniren. Herr Parienta jedoch gehe darauf hinaus, die jüdischen Kolonieen inPalästina zu Grunde zu richten. Daher könnten sie sich nicht denken, daß er der wirkliche Vertreter der „I. C. A." sei und würden sich um seine Anordnungen nicht kümmern. Der so fein ausgeklügte Kniff wird den Kolonisten von Ekron wenig helfen, aber der heiße Empfang, der ihm in Judäa zu Theil geworden ist, wird Herrn Parienta belehren, daß die jüdischen Kolonieen keine Knabenschulen sind und daß er als Generalbevollmächtigter der „I. C. A." in Palästina eine weit schwierigere Stellung haben werde, als auf seinem ruhigen Posten eines Schuldirektors in Tetuan. Werfonaften. Königsberg. Herr Dr. Nobel hat sein Amt in der Adaß-Jisroel niedergelegt. Man weiß über die Nachfolge noch nichts.