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Der Israelit · 1901-01-24 · Heft 7 (24.1.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 7 (24.1.1901)
Date
1901-01-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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WWWWWWWMW?7^-^,Ml^3,*.T*1TB»W^aD^r*T; wr.-'-’-y^z 145 Feuilleton. ersöhnte Woind?. 16] Von Bavette Fried. Eines Tages wurde Karl aufgefordert, auch etwas aus seinem Leben und seinem Vaterhause zu erzählen. Gerne that er dies, und er entrollte vor den aufmerksamen Zuhörern solch' ein köstliches Bild eines glücklichen Familienlebens, daß den beiden Damen Thränen der Rührung in die Augen traten. Mit besonderer Begeisterung schilderte Karl die körperlichen und geistigen Vorzüge seines Schwesterchens, erzählte, wie er ein Jahr vor Ausbruch des Krieges mit ihr nach Wien zum Besuche von Verwandten gereist war. Bei dieser Gelegenheit habe er sie überredet, sich in Miniatur für ihn malen zu lasten, und dann ließ er das kunstvoll gelungene Bild in eine goldene medaillonartige Kapsel einsetzen, welche er als Anhängsel an seine Nhrkette befestigte. Als er von der Schwester Abschied nahm, sprach er in seiner Aufregung die unbedachten Worte: „Wenn Dir dieses Bild von fremder Hand zurückgestellt wird, dann kannst Du mich getrost als todt beweinen, denn so lange ich lebe, trenne ich mich nicht von Deinem Bilde." Als er mit noch einigen Kameraden bei Skalitz auf Vorposten geschickt wurde und erkannte, welch' ein gefährlicher Posten es sei, den er da bezog, nahm er seine Habseligkeiten, band sie in ein Papier zusammen, worauf er die volle Adresse seines Vaters schrieb und steckte das Packetchen zu sich, damit er in dem Falle, daß ihm etwas zuftieße, es einem oder dem anderen Kameraden behufs Rückstellung übergeben könne. Als er auf das Bild der Schwester noch einen Blick werfen wollte, schien es ihm unmöglich, sich davon zu trennen; er entnahm es dem Medaillon und steckte es zu sich. Da kam die feindliche Kugel, die ihn niederstreckte. Als sich sein theilnehmender Kamerad zu ihm niederbeugte, hatte er noch die Kraft, ihm das Päckchen mit den Worten zu übergeben: „Rette Dich, Kamerad, und wenn Du einst glücklich nach Hause kommst, so bringe Dieses meinem Vater." — Fühlend, daß er das Bewußtsein verlieren, preßte er das Bild seiner geliebten Schwester in die Hand, um es so bis zu seinem letzten Athemzuge, den er so nahe wähnte, zu behalten. Doch als er im Feldlazareth zum Bewußtsein gekommen, hatte er es nicht mehr, er mußte es während des Transportes verloren haben. „Oder ein Leichenräuber, oder eine Schlachtfeld- Hyäne mußte es Ihnen geraubt haben," schaltete Goldenkron ein. „Wohl möglich, Herr Doktor," meinte Karl, „es ist furchtbar, was auf diese Weise an den armen Verwundeten gefrevelt wird. Ein Kamerad, der neben mir im Spital gelegen, erzählte mir die haarsträubendsten Dinge, schilderte eine schauderhaste Scene, die er mitangesehen, als er verwundet auf dem Schlachtfelde gelegen, bevor Hilfe gekommen war." Ludwig fürchtete, daß das Gespräch auf ein aufregendes Thema übergehen würde, was er im Interesse der Damen sowohl, als auch des kaum genesenen Erzählers vermeiden wollte, da es doch nicht in seiner Absicht gelegen, als er im Uebermuthe jene Worte hingeworfen; drum rief er lachend aus: „Wissen Sie. Karl, wer diese Schlachfeldhyäne. dieser freche Leichenräuber gewesen?" „Rein!" „Nun — ich selber!-Und wissen Sie, wer mir diese schmeichelhaften Beinamen zugelegt? Ihre Schwester Rosa!" „Unmöglich!" ries Karl ungläubig aus. „Unmöglich und doch wahr!" Auf allgemeines Verlangen erzählte nun Ludwig, wie er zu dem Bilde gekommen, auf welche Weise es wieder in Rosa's Hände gelangte, den darauf folgenden Auftritt, kurz alles, was er bisher aus mehrfachen Gründen wohlweislich verschwiegen. So war für die Freunde der Winter vergangen. Karl hatte inzwischen die Krücke entbehren gelernt, und aui den Arm seiner treuen, unermüdlichen Pflegerin Debora gestützt, konnte er mit Hilfe eines Stockes herumgehen. Mit Vater und Schwester führte er eine regelmäßige Eorrespondenz, an die sich später, nach eingeholter Erlaubniß, auch Ludwig betheiligte. Während es im Familienkreise als ausgemachte Sache galt, daß Karl vor seiner Abreise in die Heimath in aller Form um die Hand der schönen, tapferen Dora anhalten werde, da das aufrichtige Mädchen, dem jede Verstellung fremd war, ihm unverholen zeigte, daß sie seine Zuneigung erwiedere, betrieb wieder Ludwig seine Werbung um Rosa auf schriftlichem Wege. Aus ihren Briefen hatte er den Schluß gezogen, daß er keinen Korb von ihr zu befürchten habe, in welcher Annahme er auch nicht getäuscht wurde. Der lange rauhe Winter, der diesesmal dem glücklichen Familienkreise in dem alten Giebelhause zu Breslau auf's Angenehmste verstrichen war, mußte endlich dem Frühling weichen, welcher den strengen, rauhen Gesellen recht energisch heimzuschicken verstanden. Das Osterfest stand vor der Thüre. Die Pforten der Schulen hatten sich hinter den unzähligen Lehrenden und Lernenden geschlossen, welche freudig die Ferienzeit als Erholung nach ernster Arbeit begrüßten. Sie strömten hinaus nach allen Richtungen hin, um das Fest entweder bei den auf dem Lande lebenden Angehörigen oder auf Reisen zu verleben, so daß die Bahnhöfe überfüllt waren und die vermehrten Züge kaum

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