Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1901)
- Date
- 1901-01-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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143 zu bestätigen hat, richtete an Herrn Max Regis nachstehendes Schreiben: „Herr Bürgermeister! Ich habe soeben Ihr Schreiben erhalten, in dem mir der Beschluß des Munizipalrathes mitgetheilt wird, am 1. Januar 6000 Francs unter die Armen zu vertheilen. Die Finanzen der Stadt können eine solche Freigebigkeit aber kaum gestatten. Gleichzeitig muß ich Ihnen mittheilen, daß in den Jahren 1898—99 die Waisenkinder in den jüdischen Freischulen im Gegensatz zu den nichtjüdischen Kindern weder Kleider noch Schuhe zu Neujahr erhalten haben. Bei der Bertheilung von Fleisch und Brot wurden die Juden in sehr geringem Prozentsatz berücksichtigt, und selbst den wenigen Juden, die etwas erhalten haben, gaben Sie Schweinefleisch, das zu effen ihnen ihre Religion verbietet. Um die Wiederkehr solcher betrübenden Vorkommnisse zu verhindern, ordne ich an: daß 1) die Bertheilung in den Freischulen einzig und allein durch die Schuldirektoren nach von mir zu ertheilenden näheren Instruktionen stattzufinden hat,- 2) Sie haben bei mir vor den; 1. Januar ein Verzeichniß der Armen einzureichen, die Fleisch und Brod zu erhalten haben. In dieser Liste müsten die jüdischen Armen in einer Anzahl figuriren, die dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung der Stadt entspricht. Schweinefleisch erhalten die jüdischen Armen nur, wenn sie es selber wünschen: 8) an der Ablösungssumme für len Mont de Piete müssen auch die Juden entsprechend ihrer Anzahl partizipiren." Mar Regis verzichtete nunmehr auf die Spenden auch für die nichtjüdischen Armen. England. London, 20. Jan. Der vor einigen Tagen in seinen' Palais am Großvenor-Square verstorbene Geldverleiher Sam. Lewis hat ein Vermögen von 90—100 Millionen Mark Hinterlasten. Sein Testament erbringt jetzt den Beweis, daß er es ernst meinte, wenn er, wie behauptet wird, sich das Motto: „Ich leihe den Reichen und gebe den Armen" zur Richtschnur und zum Prinzip gemacht hatte. So weit bis jetzt bekannt ist, wird der größte Theil seines riesigen Vermögens den Wohlthätigkeitsanstalten Englands zu Gute kommen, während seine Verwandten, wahrscheinlich zu ihrer großen Enttäuschung, jeweilig mit einigen Hunderttausend Mark abgefunden werden. Unter Anderem hat Mr. Lewis die Summe von 10 Milk. Mark dafür bestimmt, daß große Heimstätten für die Armen Londons begründet werden, in denen die Letzteren Unterkunft, Nahrung und — Arbeit finden sollen. Zweieinhalb Millionen Mark sind der jüdischen Gemeinde der Metropole zu beliebiger Verwendung Hintersassen worden, während verschiedene weitere Millionen bestimmten jüdischen Wohlthätia keitsanstalten zufallen. Ganz besonders reichlich ist auch der Prinz von Wales bedacht worden, d. h. so weit seine! Wohlthätigkeitsbestrebungen in Betracht kommen. > Lewis hat nämlich die runde Summe von sünf Millio-! neu Mark für den sogenannten Hospitalfonds des! Prinzen von Wales gestiftet, der sämmtlichen Londoner; Hospitälern die nöthige Unterstützung bietet, und auch I eine ganze Reibe anderer christlicher Institute werden! dein neuen „Shplok" eine stattliche Bereicherung ihrer j Hilfsfonds zu verdanken haben.! Es erregt natürlich allgemeines Aufsehen, daß auf! diese Weise alle jene ungeheuren Summen, die dieser | notorische Geldverleiber den leichtsinnigen jungen und j alten Verschwendern Englands in einer dreißigjährigen j ..geschäftlichen Tbatiakeit" abgeknöpft hat, thatsächlich! jetzt den iii-mcren und ärmsten Klassen der Londoner j Bevölkerung zu Gute kommen, und gewissermaßen eine > großartige Sühne für die häßliche Lebenspraxis dieses! Mannes darstellen."! Rußland, j Peterobrng, 16. Jan. (Neue Städte im j A n s i e d e l u n g s r a h o n9 Das Wirthschafts- ' departement des Ministeriums des Innern hat be-! schlossen, in zahlreichen großen Dörfern und Ansiede-! langen in den Gouvernements an der Westgrenze des ' Reiches und in Südrnßland, und zwar vor allem in : allen denjenigen Gouvernements, die zum sog. Ansiede-! lungsrapon der Juden gehören, die städtische Verwali tung einzuführen. Es soll das nach und nach geschehen, i Die Juden dürten bekanntlich nur in den Städten und - Flecken des Ansiedelungsravons leben, haben jedoch! nicht das Recht, ihren ständigen Wohnort in den Döri fern und Ansiedelungen zu nehmen. Nun sind aber die! Städte von Juden schon so überfüllt, daß deren i Existenzbedingungen sehr schwere geworden sind. Um j diesen; Uebelstande abzuhelfen und die traurige Lage 1 der jüdischen Bevölkerung zu erleichtern, hat daher die! Regierung jetzt beschlossen, die erwähnte Maßregel zu j ergreifen. Das Wirthschaftsdepartement hat die bej treffenden Gouverneure kürzlich angewiesen, eine Liste I der Dörfer und Ansiedlungen aufzustellen, die zu Städ- I ten erhoben werden könnten. Das Ministerium des > Innern will die Zahl der Städte aus dem angeführten! Grunde unter allen Umständen bedeutend vermehren, j Daher soll auch in denjenigen Ansiedelungen oder Ort-! schäften die städtische Verwaltung eingeführt werden, i in denen sich keine Personen finden, die geeignet und i befähigt wären. Mitglieder der Stadtverwaltungen zu! werden, und zwar soll in diesen Fällen ein Polizeibej amter zum Stadthaupt ernannt werden bezw. die Rechte \ eines solchen erhalten. Ihn; werden einige Stadtverj ordnete zur Seite stehen, die aus der Zahl der Ortsan- > sästigen gewählt werden müsten. | Warschnn im Jan. Zur Erinnerung an die; glückliche Genesung Seiner Majestät des Kaisers haben j die hiesigen Israeliten beschlosten, die Coneession zur > Eröffnung einer Spendensammlung für den Bau einer