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Der Israelit · 1901-01-24 · Heft 7 (24.1.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 7 (24.1.1901)
Date
1901-01-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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143 wünschen dem Herrn Dr. Weil auch zu seiner ferneren Amtsthätigkeit Anerkennung und Glück. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Budapest, im Jan. (Feierlichkeiten der Pester Chewra-Kadischa.) Die übliche, von drei zu drei Jahren unter feierlichen Formalitäten veranstaltete Mitgliederaufnahme der Pester Chewra-Kadischa nahm auch diesmal einen glänzenden Verlauf.' Der Andrang war ein großer und erwies stch die für die Aufnahme bestimmte Zeit als zu kurz und mußte verlängert werden. Trotz der Ungunst der Zeiten, man möchte sagen, der Trostlosigkeit der Erwerbsverhältniffe, die schreckliche Nöthen im Gefolge hat, betrachtet es die Pester Judenschaft als Ehre, ja als Glück, diesem herrlichen Bruderbünde beitreten zu können, und läßt die sich nur alle drei Jahre bietende Gelegenheit hierzu nicht unbenützt vorübergehen. Betrachtet man das erreichte Resultat, die erreichte Summe, die auf dem Altäre der speziell confessionellen Jnteresten bereitwillig geopfert wurde, in einer solchen Zeit, wo jeder Groschen doppelten Werth hat, so schlägt uns das Herz vor Stolz und Genugthuung über die Hingebung und Treue, die sich hierin offenbart; so werden wir gerührt über die Macht der Ideale, den Einfluß, den echt jüdische Werkthätigkeit und unentwegtes Wirken auf dem Gebiete der Humanität, als deren hehre Verkörperung sich die.Pester Chewra-Kadischa bewährt, auf die Herzen auszuüben vermag. Die Pester Chewra-Kadischa, die mit Recht der Stolz der Pester Judenschaft ist, selbst jener, die sich sonst um jüdische Angelegenheiten gar wenig kümmert, die so viel des Guten auf allen Gebieten der humanitären Wirksamkeit vollführt, solch große Opfer zur Erhaltung des Siechenhauses, der Spitäler etc. bringt, die Hüterin unserer religiösen Traditionen, hat durch die diesjährige Mitgliederaufnahme nicht nur materiellen, sondern auch großen moralischen Zuwachs erhalten, denn diejenigen, die in diesen bitteren Tagen noch für anderes, als für die Anforderungen des Jchs und der Familie Sinn und Herz haben, die noch für die Jntereffen und Bedürfniffe der Konfession Opfer zu bringen fähig sind, das sind wackere Juden, und daß die Chewra-Kadischa eine Vereinigung solcher war und ist, hat sie groß und zu einer der ersten auf dem ganzen Continente gemacht. Das macht sie aber auch zum Rückgrat der Pester Gemeinde. Hier ist das Centrum, wo jede Leidenschaft, wo jede Parteiansicht schweigt, hier der Quell der fortwährenden Verjüngung, der stets sich erneuernden Erstarkung des echt-jüdischen Gefühls. Doch nicht nur diese Männer, die um den Preis größerer oder geringerer Opfer sich der größten jüdischen Vereinigung anzuschließen suchten, verdienen Lob, noch viel mehr Anerkennung verdienen die Lenker derselben, die, keine Plage, leine Mühe scheuend, voll Hingebung die unglaubliche Anforderungen stellende Arbeit der Aufnahme vollzogen. Der allverehrte Präsident Herr Moses Ehrlich, Herr Dr. Franz Mezey, der unermüdliche, wackere Secretär, die Vorsteher und Repräsentanten, sie Alle stellten sich in den Dienst der von ihnen so geliebten und sorgsamst gehüteten Chewra-Kadischa. Budapest. Vor einigen Tagen fand in Verbo die Installation des neugewählten Rabbiners Sam. Bernhard Reich, Sohn des berühmten orthodoxen Rabbiners und weltberühmten Talmudisten Koppel Reich, statt. Der Empfang war ein grandioser; der katholische Stadtrichter Geza von Bobek und der protestantische Geistliche begrüßten Se. Ehrwürden am Stadtthore. Am Eingänge der monumentalen Synagoge begrüßte das Gemeindemitglied Lichtenstein den Rabbiner, der eine ergreifende Rede hielt. Abends fand ein großes Banket statt. — In .einigen Tagen findet in Ofen die Rabbinerwahl statt. Kandidaten sind zwei neologe und ein orthodox. Rabbiner. — I. W. Freund, Präsident der Bonyhader israelitischen Gemeinde, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Nikolsburg, 20. Jan. Am Montag, den 14. d.. verschied hier nach kurzem Krankenlager Herr Carl T e l t s ch e r im 74. Lebensjahre. Derselbe war ein treuer Anhänger unseres Glaubens, ein echter Jehudi, der sich streng nacb den Grundsätzen unserer Religion hielt. Sein pünktliches und regelmäßiges Tempelgehen suchte seines Gleichen. Sein offener, ehrlicher Charakter bewog seine Mitbürger, ihn als Tempelvorsteher zu wählen, welchem Amte er mit größter Gewissenhaftigkeit und treuer Pflichterfüllung viele Jahre oblag. Betont muß noch werden, daß er der religiösen Erziehung seiner Kinder die größte Aufmerksamkeit zuwandte, und es ihm auch das heute seltene Glück zu Theil geworden, diese zu gesetzestreuen Juden heranzubilden. An dem heute stattgehabten Leichenbegängniß betheiligte sich ein ungewöhnlich zahlreiches Publikum. Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang hielt eine zu Herzen gehende Rede, in welcher der Tugenden des Dahingeschiedenen Erwähnung that. Unter den üblichen ritualen Gebeten wurde sodann die irdische Hülle des Herrn Carl Teltscher der Erde übergeben. Frankreich. Paris, im Jan. (Antisemitische N ä ch st e n l i e b e.) In Frankreich ist es Herkommen, daß die Gemeinden am Neujahrstage Kleider, Brod und Fleisch an die Armen vertheilen. Als Herr Max Regis Bürgermeister von Algier geworden war, schloß er die jüdischen Armen von der Vertheilung völlig aus oder machte sich den feinen „Witz", ihnen Schweinefleisch zu geben. Im September bestimmte der Munizipalrath von Algier 6000 Francs für die Neujahrsspenden. Der Präfekt von Algier, der dieses Votum

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