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Der Israelit · 1901-01-21 · Heft 6 (21.1.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 6 (21.1.1901)
Date
1901-01-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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WWWWWWWWWWWVMW^VWWMWWWWWWWM 132 Das ist die zweite Leistung. Nehmen wir einmal an, ihr Resultat wäre weniger negativ u. armselig, der Gemeindebund hätte sich weniger spröde diesem Verlangen der Rabbiner gegenüber erwiesen, seine Liebe für die Rabbiner und ihre Wünsche wäre wirklich so heiß, wie er schwört zu jeglicher Stunde, was in aller Welt wäre damit in Wirklichkeit gewonnen? Nichts, gar nichts, als eine schön gedrechselte Resolution mehr zu Gunsten der Rabbiner, aber kein Pfifferling darüber hinaus. Man muß sich die Dinge doch einmal klar machen, wie sie in Wirklichkeit liegen. Die Herren Verbands- Rabbiner beschweren sich darüber, daß sie in ihren eigensten Anliegen des Kultus u. dgl. von den Gemeinden als nicht vorhanden angesehen werden, daß die Art ihrer Anstellung und Kündigung entwürdigend ist und anderes mehr. Wer ist daran schuld? Wer anders, als die Gemeinden, sagen die von dieser Mißachtung betroffenen Seelsorger. Das ist ja auch ganz gewiß richtig. Aber wenn die Herren Rabbiner selber Jahre oder Jahrzehntelang sich so fügsam und schmiegsam den Allüren neologer Vorsteher und Repräsentanten gegenüber sich benommen haben, wenn sie jeden Abfall und Treubruch mit ihrem Amen und Placet besiegeln, wenn sie im Lause der Jahre jedes Rückgrat verloren und dem sog. lieben Frieden und der goldenen Mitte alle Männerwllrde skrupellos geopfert haben, dürfen s i e dann über die Mißachtung sich beklagen, die sie doch selber systematisch großgezogen haben? Wenn die Herren Rabbinen die Achtung seitens der Gemeinden schmerzlich vermissen, so ernten sie nur den Sturm, nachdem sie Wind gesät haben. Die Achtung vor den Rabbinen muß bei diesen selbst mit der Selbstachtung beginnen. Wenn sie es nicht mpen mm taa!? thun, der Neuerungssucht ihrer Gemeinden entgegenzutreten, Dsxy -naa*? hätten sie es thun müssen, hätten sie nicht an dem Ast sägen dürfen, auf dem sie selber sitzen! Jetzt haben sie die Bescheerung! Sie petitioniren bei dem Gemeindebund um Achtung von den Gemeinden! Der Gemeindebund kann aber seinen Gemeinden gegenüber nur harmlose Wünsche äußern, und diese hat er in Wirklichkeit nicht einmal für seine Klienten übrig. Wer die treibenden Elemente des Gemeindebundes kennt, der weiß auch, daß sie nicht aus dem Holz geschnitzt sind, das hier von Nöthen wäre. Sie perhorresciren ja ein Wachsen des Einflusses der Rabbiner so entschieden, wie die Gemeinden, die sie vertreten. Darüber konnte sich der Ausschuß des Rabbiner-Verbandes keiner Illusion hingeben. Daß er es doch gethan hat, ist seine zweite Leistung. Als dritte Leistung figurirt das, was der Rabbiner-Verband in der Affaire Könitz — nicht gethan hat. Man trug sich zuerst mit der Absicht, einen Protest gegen die Beschimpfung unserer Religion bei dieser Gelegenheit zu erlassen. Dieser Protest ist in der That ausgearbeitet worden, seine Veröffentlichung ist aber mrt»rblieben. Er wurde dem Abwehrkomitee zur Verfügung gestellt und diesen! den Zeitpunkt der Veröffentlichung festzustellen, vertrauensvoll anheimgegeben. Der Rabbinerverband hat mit seinen bisherigen Veröffentlichungen nicht viel Glück gehabt, deßhalb kann man unbesehen die Nichtveröffentlichung eines jeden Appells an die öffentliche Meinung dem Verband in der That als Verdienst anrechnen. Daß aber ein christliches Abwehr-Komitee von Rabbinern vertrauensvoll anheimgestellt bekommt, zu bestimmen, wenn es Zeit ist, gegen die Beschimpfung der jüdischen Religion zu protestiren, wird außerhalb Berlins auch manchesSchütteln des Kopses zur Folge haben. Hier begreift man manches sonst Unbegreifliches viel leichter. Die Beziehungen zu dem Abwehr-Komitee verdienten eine Monographie ganz für sich; vielleicht komme ich einmal bei anderer Gelegenheit darauf zurück. Als vierter Punkt folgt die Frage der Gründung einer Pensions- und Reliktenkasse für Rabbiner. Hier räumte der Bericht selber ein, daß mit den bisherigen Plänen in den alljährlichen Sitzungen der Generalversammlung und des Central-Ausschusses die Angelegenheit nicht wesentlich gefördert wurde. Sie hat aber eine wesentliche Förderung dadurch erfahren, daß der Vorsitzende weitere Maßnahmen nicht abwartete und mit gutem Erfolg hier in Berlin für diesen Zweck auf eigene Faust sammelte. — Der Herr Vorsitzende, der bis jetzt nur als Prediger bekannt war, hat sich jetzt auch als Sammler bewährt, also der wahre Kohelet, Prediger und Sammler in einer Person. Ihm gewiß selber unbewußt, hat dieses Sammeltalent in irgend einem Winkel seines weiten Herzens während der vielen Jahre seiner hiesigen Amtsthätigkeit geschlummert. Jahre und Jahrzehntelang war Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer s. A. unter den hiesigen Rabbinen der einzige Sammler par excellence. Alle Katastrophen, alle schweren Schicksalsschläge, welche zu ihrer Linderung an allen Enden der Erde an die thätige jüdische Menschenliebe appellirten, fanden ihn auf dem Posten. Er hat ungezählte Hunderttausende für alle philantropischen Zwecke gesammelt, aber für sich, für Zwecke, die ihm persönlich zu Gute gekommen wären, hätte er keinen Pfennig sammeln können. Darin ist ihm „unser Maybaum" überlegen. Das hat er mit seiner Sammelthätigkeit für eine Pensionskasse preußischer Rabbiner bewiesen. Er ist der würdige Vorsitzende eines Rabbiner-Verbandes, dem die Befreiung seiner Mitglieder von der Kommunalsteuer als erstes Desidorium gilt.*) Bei dem nun folgenden fünften Punkt, der Wahl einer Kommission zur Prüfung von Rabbinen, *) Selbst in der gestrigen „Allg Z. d. Jud." wird auf das Bedenkliche dieser Art der Jnscenirung einer Relictenkasse Angewiesen. Es heißt daselbst wörtlich: „Die Spender hätten für die rumänischen Juden oder für jeden anderen Zweck ganz ebenso beigetragen, wenn für die Rumänen sich der Rabbiner ebenso bemüht hätte, wie für die Relictenkasse. Redaction.

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