Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1901)
- Date
- 1901-01-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Uiyijlljll II l'UgllM» IHI'III ' I ~T~—TU——~- WMWWW8WWWWW 128 genannt, den Ermittler des Zusammenhangs zwischen Licht und Eleetrieität. Red.) Bnrgprcppach, 15. Jan. c'.p^rr je rs’Ä E»r nny. Das Scheiden des Frommen aus einem Orte läßt eine fühlbare Lütte zurück! Die Wahrheit dieses Ausspruches sollen auch wir tief empfinden. Herr Dr. B a m b e r g e r wird demnächst die Stätte seiner seitherigen segensreichen Wirksamkeit verlassen, um einem ehrenvollen Rufe als Rabbiner in Hanau zu folgen. Mit seinem Weggänge verlieren wir einen Führer voll heiligen Ernstes, voll inniger Liebe, dem das geistige Wohl seiner Gemeinde und das Gedeihen der seiner Leitung anvertrauten Talmud-Thoraschule dahier warm am Herzen lag. Sein Einfluß wirkte auf alle, die mit ihm in Beriihrung kamen, veredelnd und anregend. Nicht allein in religiöser, sondern auch in jeder anderen Angelegenheit stand er jedem mit Rath und That gerne zur Seite. Durch seine Friedensliebe und Menschenfreundlichkeit gewann er viele für mn CE'iC tr"iDn rrb^y, nwrx. Dadurch hat er sich bei uns unvergeßlich gemacht und auch feine zahlreichen Schüler werden seiner stets in Liebe und Dankbarkeit gedenken. Möge er in seinem künftigem Heim die Liebe finden, die ihm bei uns in wohlverdientem Maße zu Theil wurde. . . . ld. Ano dem Grosrhcrzogthum Hessen. Bei uns scheint's zu tagen. Bei der jüngst vollzogenen Wahl zu Handelsrichtern tvurden von Israeliten wiedergewählt: Commerzienrath Heichelheim in Gießen, Commerzienrath Hirsch- Mainz, Commerzienrath B a r u ch - Worms. Als Präsidenten der Handelskammern figuriren: die Herren C o b l e n z - Bingen u. B a r u ch - Worms, welch' letzterer Herr vor wenigen Wochen sein 25jähriges Jubiläum als Mitglied der Großherzoglichen Handelskammer gefeiert hat. — Nun hat die Regierung auch den Anfang gemacht, Israeliten an höheren Schulen anzustellen. Herr Schwarzschild aus Schlüchtern erhielt sein Dekret als Gpmnasialoberlehrer nach Offenbach. So weit ich erfahren habe, ist man in Abgeordnetenkreisen der Anstellung von Juden als Richter durchaus geneigt; hoffentlich wird der Justizminister Dittmar nach dem abgegebenen Votum der Kammer mit der Anstellung von jüdischen Richtern nicht allzulange säumen. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. "Wien. Ter Papst hat, wie das „Vaterland" berichtet, eine Deputation österreichischer katholischer Lehrer und Lehrerinnen in Audienz empfangen und an dieselbe eine Ansprache gerichtet, aus der ganz besonders eine Stelle bemerkenswerth erscheint. Papst Leo sagte: „Es ist mir bekannt, daß Ihr Eurer christlichen Ueberzeugung wegen großen Anfeindungen ausgesetzt seid, daß Ihr schwere Kämpfe zu bestehen habt. Ich weiß aber auch, wie sehr gerade Oesterreich der gesinnungs- ' tüchtigen und opfermuthigen katholischen Lehrer und Lehrerinnen bedarf in einer Zeit, da die Juden, Freiinaurer, Ungläubigen und die Indifferenten, die Feinde jeglicher Ordnung, sich der Herrschaft bemächtigt haben und ibr ganzes Streben darauf richten, in Familie. Schule und Staat die wahre Religion zu Falle zu bringen, sie aus den Herzen der Jugend und des Volkes zu reißen. Jede Schranke soll niedergeworfen, die Ordnung zerstört und das Volk so dem sicheren Untergänge zugeführt werden." Diese Zusammenstellung von Juden, Freimaurern und Ungläubigen als Feinde der katholischen Kirche beziehungsweise jeglicher Ordnung, entspricht leider nur allzusehr der Auffassung, die man fast allgemein in katholischen Kreisen findet. Hieraus kann man wohl den Schluß ziehen, daß die Hoffnungen jener von Brüssel ausgegangenen Petition, der Papst möge ein Machtwort gegen den Antisemitismus resp. die Vlutbeschuldigung sprechen, auf Sand gebaut ist. Budapest, 16. Jan. Se. Majestät der König hat der Temesvarer Fabrikstädter aut. orthod. isr. Kultusgemeinde zum Bau eines neuen Tempels 200 Kronen gespendet. Schweiz. Basel, 16. Jan. (Isr. schweizerisches Waisenhaus.) Zuverlässiger Mittheilung zufolge erreichen die bis jetzt eingegangenen freiwilligen Beiträge Frcs. 92,000 und wird nun zur Errichtung der Anstalt in Bälde geschritten. Besonders erfreulich ist, daß viele schöne Beiträge auch von christlicher Seite für dieses Werk der Menschenliebe geflossen sind. St. Gallen (Schweiz), im Jan. Einen geistigen Genuß erlesenster Art hatte die Vereinsleitung des hiesigen Vereins „Erholung" am 6. d. M., sowohl seinen Mitgliedern, wie den zahlreichen Gästen, geboten. Herr Rabb. Dr. Tänzer aus Hohenems hielt im großen Saale des „Hotel Schiff" einen Vortrag über „Die Stellung der Frau im Judenthum." Der geistreiche, gelehrte Redner rechtfertigte vollauf den glänzenden Ruf, der ihm vorausgegangen war, und begeisterter, mehrfach sich wiederholender Applaus des mehrhundertköpfigen Auditoriums belohnte den brillanten Redner am Schlüsse seiner fast zweistündigen, von zahlreichen gelehrten Details und humorvollen Wendungen durchzogenen Ausführungen. Im Anschlüsse hieran folgten mehrere treffliche Deklamationen und Musikvorträge, die alle reichen Beifall fanden und unter denen wir besonders ein gelungenes Gedicht des Präsidenten Hermann Dreyfuß hervorheben. Dem demnächstigen Vortrage des Herrn Dr. Tänzer in Zürich über „Saphir als Humorist" wird mit allgemeiner Spannung entgegengesehen. W.