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Der Israelit · 1901-01-21 · Heft 6 (21.1.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 6 (21.1.1901)
Date
1901-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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127 den solle und wie das Schlachten zu erfolgen habe. Eine derartige Schlachthaus-Ordnung bedürfe keiner behördlichen Genehmigung, da nicht angenommen werden könne, daß durch dieselbe die Gewerbefreiheit berührt werde. Unhaltbar sei dagegen die Bestimmung, welche den jüdischen fleischern das Schächten in gewissem Umfange gestattet, dagegen den christlichen untersagt. Das Schächten sei entweder allen Fleischern zu gestatten, oder allen zu verbieten. Diese Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts muß zweifellos eine Aufhebung der das Schächten beschränkenden Bestimmungen zur Folge haben. Denn dieselbe könnte nur in der Form aufrecht erhalten werden, daß das Schächten gänzlich verboten wird; da dies aber einen Eingriff in die Freiheit der Religionsübung bedeutet, also ungesetzlich ist, wird das Schächten überhaupt freigegeben werden müssen. Frankfurt a. M. Am 7. Januar sprach im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" Herr Privatdozent Dr. A s h e r aus Bern über den „Antheil der Juden an den Fortschritten der Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert." Schon in früheren Zeiten hatten die Juden einen nicht unbedeutenden Antheil an gewissen Theilen der Naturwissenschaften namentlich dadurch, daß sie das alte Wissen der Griechen und Araber aus den dunkelsten Zeiten des Mittelalters binüberretteten. Größen, welche im Munde der gesummten Kulturwelt sind, wie Morton, Galilei, Ganß und Helmholtz, sind freilich unter den Juden nicht zu finden. Das beweist jedoch keine Minderwerthigkeit. Aus einer ganzen Reihe von Gründen für jene Erscheinung führte Redner nur einige an. Das Arbeiten an der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts verlangt eine intensivere Vorbildung in einer ganz bestimmten Richtung, welche den Juden bis zu Anfang des Jahrhunderts verschlossen war. Ein anderer ideeller Gesichtspunkt ist folgender: Es kann ieinem Zweifel unterliegen, daß unter dem jüdischen Volk Männer entstanden sind so weltumfassender Art, wie in keinem anderen Volke, nur nicht gerade auf dem Gebiete der Naturwissenschaften. Außer seiner unbestreitbaren welthistorischen relgiösen Mission hat es noch die Mission, Männer hervorzubringen, welche in die geistige Entwickelung der Menschheit eingrifsen, wie sie nicht leicht in solcher Anzahl bei einem anderen Volke zu finden sind. Solche Männer treten ab und zu nach längeren Perioden aus dem israelitischen Volke auf. Die Naturwissenschaft unserer Zeit schreitet fort durch eine Summe von Einzelarbeiten. Schon aus der großen Zahl jüdischer Studenten und Mediziner kann man schließen, daß sie fleißig Bausteine zusammentragen. Hier handelt es sich aber mehr um die hervorragenden, und da mögen nur solche Namen genannt sein, deren Träger nicht mehr unter den Lebenden weilen, und alle dazu gerechnet sein, welche jüdischen Namens sind, gleichviel, ob sie im Verlaufe ihrer Carriere vom Glauben der Väter abgefallen sind oder nicht. Da man alles Mißliche, was geschieht und nur im Entferntesten etwas zu thun hat mit dem jüdischen Stamm, immer den Juden in die Schuhe schiebt, sind wir berechtigt, den Spieß umzudrehen und was Gutes geschieht, wenn es aus jüdischem Stamm kommt, im Kampfe nach Außen theilweise den Juden zuzurechnen. In der Mathematik waren die Juden von Alters her bedeutend. Im 19. Jahrhundert sind namentlich zwei Juden zu nennen, welche stets einen Ehrenplatz in der Entwickelung der Mathematik einnehmen: Syl - v e st e r und K r o n e cke r. Ersterer, in England geboren und gestorben, wurde berühmt durch die Jnvariantentheorie, welche der Mathematik ein ganz neues Feld eröffnete. Letzterer brachte die Algebra zu reicher Vervollkommnung und bildete mit Kummer u. Weiherstraß in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das leuchtende Dreigestirn am Himmel der Mathematik. In der Physik finden wir eine ganze Reihe hervorragender Forscher. In der Chemie ist in erster Linie ein Mann zu nennen, in dessen Adern jüdisches Blut rollt: Justus von Liebig, der Entdecker der organischen Chemie. Ein zweiter berühmter Chemiker jüdischen Stammes ist Victor Meyer. In der Botanik zeichneten sich besonders aus K r i n g s h e i m , der Gründer der Physiologie des Pflanzensystcms und Ferdinand Cohn, der sich um die Erforschung der kleinsten Lebewesen verdient gemacht und Robert Koch die Wege geebnet hat. Auch in den eigentlichen biologischen Wissenschaften finden wir eine ganze Reihe jüdischer Forscher. Unter den Anatomen ragt hervor Jacob H e n l e, an dessen Handbuch der Anatomie heute noch kein Werk heranreicht. Er stellte zuerst den Satz aut, daß eine Anzahl von Krankbeiten durch Jnfection hervorgerufen seien. S t i l l i n g war einfacher Arzt in Cassel, dem einerseits die Chirurgie, andererseits di? Untersuchung des Centralnervensyftems unendlich viel verdankt. R e m a ck schenkte der Wissenschaft die grundlegendsten Thatsachen in der Entr:. ickelungsgeschichte. In der Medizin seien nur drei hervorragende Männer genannt: Traube, der Begründer der klinischen Wissenschaft, C o h n h e i m , der die Tuberkulose als Infektionskrankheit erkannte, und Heidenhain, der große Physiologe. In der Psychologie ist Prof. Steinthal, der Schöpfer der Völkerpsychologie, derjenige, auf dessen Untersuchungen Wundt fußt. Dies ist der allerkleinste Theil der Namen, die hätten angeführt werden können, wenn der Rahmen eines Vortrages nicht Beschränkung auferlegte. Hoffentlich werden auch in Zukunft aus dem jüdischen Stamm in reichem Maße Männer hervorgehen, ebenso bedeutsam für ihre' Wissenschaft, und ehrenvoll für das jüdische Volk. (Ohne Zweifel hat auch Redner Heinrich Hertz

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