Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1901)
- Date
- 1901-01-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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IS« das Wort xedet. Ein Herr L e b i) glaubt nicht mehr an eine Zukunst für uns, unsere Mission sei erfüllt, es sei ganz verkehrt, immer den Juden herauskehren zu »vollen. Tr. Hirsch Hildes h e i m e r kann sich den Judentag nur denken, wenn derselbe an die Synagogenvertretungen anknüpfe. Er glaubt konstatiren zu können, daß es mit Bezug aus die Lage der Juden und den Antisemitismus doch eher besser, als schlimmer geworden sei. Die Assaire Xanten sei seinerzeit in viel weitere Kreise verhetzend gedrungen, als momentan die Assaire Könitz. Im Schlußwort glaubt Dr. Fried mann dem lieben Gott danken zu sollen, daß er den Antisemitisnrus geschickt habe; erst durch denselben habe sich der Jude aus sich selbst besinnen können. Die endlich gefaßte Resolution zu Gunsten des Judentages wurde bereits im „Israelit" registrirt; es dürfte vielleicht nur noch zu betonen sein, daß die Beschlußfassung mit allen gegen sieben Stimmen erfolgte. Fassen wir die beiden Aufgaben näher in's Auge, die sich der Judentag stellt — Aufhaltung des Zerfalls Beseitigung von Gesinnungslosigkeit, Weckung des Ehrgefühls nach innen, politische Machtentfaltung nach außen — so ist damit die Stellung, die das orthodoxe Judenthum einnehmen muß, von selbst gegeben. Die jüdischen Kreise, denen es noch heiliger Ernst ist mit rrc r~- wissen rr~ nichts von einem Zerfall oder gar ' r von Gesinnungslosigkeit, sie erweisen ihre Gesinnungstreue eben recht dadurch, daß ihr religiöses Trachten und Wirken absolut nicht vom Zeitenwandel beeinflußt werden kann und in der fortwährenden Belhätigung der Mizwah und dem Festhalten an der Väterlehre erblicken sic die hehrste, schönste und deutlichste Kennzeichnung des jüdischen Ehrbegriffes; daß aber die letzten Dezennien gerade das Gegentheil eines Zerfalles, nämlich ein Aufblühen und Anwachsen der orthodoxen Ideen in fast allen deutschen Gauen gebracht haben, bedarf keiner besonderen Betonung, das ist stalistisch sestgestellt und allgemein bekannt. Somit haben »vir im Judentaa nach dieser Seite hin mindestens etwas llnnöthiges, vielleicht aber, insofern da ein anderes xstel, ein anderes Streben, eine andere Bethätigung für den jüdischen Ehrbegriff aufgestellt werden sollte, etwas Schädliches zu erblicken. Tb aber in den Eingangs beregten Aufgaben, die sich der Judentag für seine Thätigkeit nach außen hin stellen null, nicht direkt eine schwere Schädigung für die jüdischen Staatsbürger herbeigeführt werden wird, iß kaum in Zweifel zu ziehen. Mit den judenfreundlichen Parteien würde man es wahrscheinlich gründlich verderben; wenn auch vielleicht die ‘O'carhne, „gleiches Recht für Alle," ein Vergeben gegen die Juden nicht befürchten lassen würde, die Unterlassung des Eintretens für die Juden wäre schon ein schwerer Schlag. Das vorgeschlagene „anhaltende Schreien" wiirde jedenfalls als jüdische Un- > Verschämtheit bezeichnet und gäbe den Gegnern erst recht j Stoff zu agressivem Vorgehen. Ein politischer Erfolg ist jedenfalls — selbst wenn es, was noch zu bezweifeln, gelingen sollte, einige jüdische Abgeordnete durchzudrücken und gar eine neue Partei der „Juden" in die Parlamente zu bringen — nicht zu erzielen. Gewiß haben wir als Juden, sagen wir sogar — unbeschadet des Patriotismus und der bethätigten Vaterlandsliebe und Treue zu unserem derzeitigen Vaterlande — als jüdisches Volk noch eine hohe, heilige Zukunft, aber psr “byns” n>-! Man wende nicht ein, das sei Fatalismus, denn Fatalismus setzt voraus, daß der Mensch willenlos dem unvernünftigen Walten eines voraus bestimmten Geschickes (Fatum) preisgegeben sei und durch eigene Bemühung und Wirksamkeit nichts daran ändern könne. Wir aber sind überzeugt im Glauben, daß menschliche Willensfreiheit und göttliche Allwissenheit oder Vorsehung keinen Widerspruch bedingen, mir sind überzeugt im Glauben, daß wir durch eigene Besserung und sittlich frommen Lebenswandel, durch Verbreitung und Befestigung von "svmv» zur Beschleunigung des Eintreffens jener Heileszeit beitragen können. Sorgen wir zunächst, daß wir selbst besser werden, dann wird es besser mit uns werden. — A. — Berlin, 20. Jan. Die Beschränkung des Schächtens im städtischen Schlachthof zu Rheydt gelangte dieser Tage vor dem Oberverwaltungsgericht zur Verhandlung. Wie z. Z. mitgetheilt wurde, hat auf Beschluß der Stadtverordneten die Schlachthofverwaltung in Rheydt angeordnet, daß die jüdischen Metzger wöchentlich nur ein Stück Großvieh und ein Kalb im Schlachthof schächten dürfen, dem christlichen Metzger Ditges aber das Schächten gänzlich verboten sei. Der Bezirks-Ausschuß erkannte auf Abweisung der von den Metzgern erhobenen Klage, mit der Begründung, daß die Stadt das Recht habe, über ihre städtischen Einrichtungen Anordnungen zu treffen, und deßhalb auch befllgt sei, die Bedingungen, unter denen das Vieh im städtischen Schlachthause getödtet werden dürfe, festzustellen, falls dadurch nicht geltende Gesetze verletzt würden. — Nachdem eine Eingabe an den Minister erfolglos geblieben war, wandten sich die Metzger an das Oberverwaltungsgericht, indem sie hervorhoben, daß sie durch jene Bestimmung der Schlachthof-Ordnung in ihrem Gewerbetrieb geschädigt würden, der sich nicht auf die Ortskundschaft beschränke, da sie auch große Quantitäten Fleisch nach auswärts verkaufen. Deßhalb habe die Stadt um so weniger das Recht, ihnen vorzuschreiben, wie sie zu schlackten hätten. Das Oberverwaltungsgericht entschied, daß eine Schlachthaus-Ordnung, welche über die Benutzung des Schlachthauses Vorschriften ertheilt, nicht unter das Schlachthausgesetz falle, weßhalb die Gemeinden berechtigt seien, Bestimmungen zu treffen, wie das Schlachthaus benutzt wer-