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Der Israelit · 1901-01-21 · Heft 6 (21.1.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 6 (21.1.1901)
Date
1901-01-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Jene, die uns ausgebeutet, sind ihrem Geschicke nicht entgangen. Die Verrohung, welche das verbrecherische Handwerk nothwendig herbeisühren mußte, hat unsere Verderber und Bedrücker allesammt dem Untergänge zugeführt. Israel aber ist aus allen Heimsuchungen unversehrt und ungebrochen an Kraft hervorgegangen. Das Geheimniß dieser Erscheinung liegt darin, daß auch unter dem äußersten Drucke Israel mit seinen edlen kräftigen Trieben tief im Boden der Wahrheit und des Geistes wurzelte. So verstanden es die Weisen wenigstens, wenn von Israel das Bild der Lilie gebraucht ward. 'jx rvapn 'jbS no» me» nvx «ns na xax *n rmirn pajn ruirw ’JX »a’am xm ’jx pnwn ntean n»wa *o"j?o naana mnxno rrapn Rb. Aba bar Kohana meint: „Mit gutem Recht kann der Genius Israels, mit der Lilie sich vergleichend, sprechen: „Ich bin es. der selbst in die Tiefe der Leiden gedrängt, mich der Liebe für würdig erwiesen, und daher kam es denn, daß ich, von denselben befreit, mich sogleich wie die Rose mit edlen Tugenden zu schmücken vermochte." Wohlan denn, so lastet uns von dem lauten Getöse der Gegenwart unbeirrt, die edle ideale Gesinnung in unserer Mitte Hochhalten und uns vor einseitiger Überschätzung blos äußerlicher Güter fernhalten. Hier liegen die Wurzeln, aus denen uns einzig und allein eine schönere Zukunft erblühen kann. Von dieser Ueberzeugung getragen, lehren unsere Weisen: •nan Tp-t? xin ’jx ':x xa*am xn ':x pnpn nSian ■ox nacno ':x rrapn ■oSxJ'bo naxS: nvaSa fbia nmam ..tw & maixi ruewa „Ich bin der Saronslilie vergleichbar," spricht Israel, „denn auch verdunkelt und getreten unter dem Schatten der Völker habe ich mich der Liebe für würdig erwiesen und werde daher schon morgen, sobald mir der Tag der Erlösung winkt, wie die Rose mit schöner Zierde geschmückt dastehen." Zettmrgsnachrichten und LLorrcspondenzen. Deutschland. Berlin, 17. Jan. (Ein deutscher Jude n t a g.) Am Abend des 7. Januar war es, da hatte sich, wie Sie bereits kurz brichteten, eine stattliche Anzahl von Glaubensbrüdern, an 600 mögen es gewesen sein, im Saale des Handwerkervereins versammelt, um zur Frage der Einberufung eines „Allgemeinen deutschen Judentages" Stellung zu nehmen. Die verschiedensten Parteirichtungen und Strömungen innerhalb des Judenthums waren vertreten und kamen zum Worte, und so konnte es nicht fehlen, daß die Verhandlungen zeitweilig einen so stürmischen Verlauf nahmen, daß es dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Katz, mitunter nur schwer gelang, die erwünschte Stille und Ruhe wieder herzustellen. Die verschiedenen Expektorationen gaben ein lebhaftes Bild davon, wie verschiedenartig sich in manchen Geistern Stellung und Aufgabe des Judenthums widerspiegelt, wie verschiedenartig diese Auffassungen sein müssen, wenn sie nicht voll und ganz auf der Grundlage und den Satzungen der altüberlieferten Lehre der Väter sich des jüdischen Stammes Lebensberuf, Lebensschicksale und stete Entwickelung denken, sondern sich dem Einflüsse von Zeitströmungen hingeben, die unständig und wechselnd sind wie die nie rastende Zeit. Ist doch kaum zu verkennen, daß der Zionismus die treibende Kraft und die jüdische Studentenschaft der treibende Faktor der ganzen, künstlich entfachten Bewegung sind. Der Gedanke eines „Allgemeinen deutschen Judentages" dürfte wohl kaum als ein mit elementarer Nothwendigkeit aus der gesummten jüdischen Bevölkerung des deutschen Reiches hervorgegangener zu betrachten sein. Herr Rechtsanwalt Dr. Friedmann, der Hauptredner der Versammlung, betonte zunächst das ungeheure Anwachsen des Antisemitismus, der alle Volksschichten und alle politischen Parteien mehr und mehr durchseuche. Der „innere Bankerott" des Judenthums habe sich so recht auf diesen Ansturm gezeigt, die Einen schritten zur Taufe, die Anderen schämten sich, selbst vor ihren Dienstboten, ihre jüdische Abstammung lautbar werden zu lasten. Der aus christlichen Kreisen hervorgegangene Verein zur Abwehr des Antisemitismus sei gewissermaßen ein Armuthszeugniß für das Judenthum, das seine Vertheidigung anderen überlassen müsse. Die liberalen Parteien, die doch fast überall die kräftigste Unterstützung jüdischer Kreise erfahren, leisteten für dieselben, bezw. für Vertretung ihrer Rechte so viel wie nichts. Im liberalen Landtagswahlkreise Berlin 7 habe man, obwohl unter 600 Wahlmännern die Hälfte Juden war, die jüdischen Redner durch höhnende Zurufe beleidigt. Es müsse Abhilfe aus dem Judenthum selbst heraus geschaffen werden, und das bezwecke der Judentag. Es habe somit derselbe einer doppelten Aufgabe gerecht zu werden: Er müsse nach innen den Zerfall aufhalten, die Gesinnungslosigkeit beseitigen und das Gefühl für jüdische Ehre wecken; nach außen müsse er seinen Einfluß auf Abgeordnete geltend machen, damit die bedrohten staatsbürgerlichen Rechte der Juden nicht angetastet würden. Zu diesem Zwecke müsse er laut und öffentlich seine Stimme erheben, man werde auf ihn hören müssen, so gut man auf das Schreien der Antisemiten gehört habe und höre. In der anschließenden Diskussion bezeichnet Dr. R i e g e r , da die Juden eine religiöse, keine nationale oder politische Gemeinschaft seien, einen Judentag für eine werthlose Spielerei, während Rabbinatskandidat B l u m e n t h a l begeistert für einen solchen eintritt und der Lostrennung vom politischen Liberalismus

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