Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1901)
- Date
- 1901-01-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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104 Diese Erzählung führt unS geraden Weges zu den Gedanken hinüber, welche die Bedeutung unseres Sabbats ausmachen. Es ist an demselben zunächst der Eintritt des Monats angekllndigt worden, an welchem die Bäume draußen in der Natur ihren Neujahrstag feiern und sodann in unserer s-x* ithd, in dem Abschnitte cn rrr rrs die Stammbäume aufgezählt worden, welche in Aegypten Sturm, Wetter und Drangsal überdauert — und den jüdischen Namen für die fernsten Zeiten erhalten haben. Was den Neujahrstag der Bäume betrifft, so wird er nach Angabe der Mischnah m osrs x"s is n» onaiK ttn ’xct? jvs rnj von dem Lehrhaus Schammais auf den ersten und von dem Hillels auf den 16. Schewat angesetzt. Beiden Lehrmeinungen gegenüber können wir unser Befremden kaum unterdrücken. Weichen sie doch so ganz und gar von unseren landläufigen Ansichten ab. Das Neujahrsfest der Bäume, sofern bei ihnen überhaupt von einem solchen die Rede sein kann, ist jedenfalls auf die Zeit zu setzen, wenn sie ein neues Leben beginnen. Das ist dann der Fall, wenn die Natur ihr großes Auferstehungsfest begeht und die Bäume mitfeiern, indem sie sich mit einein verschwenderisch reichen Blumenflor schmücken. Jetzt aber, wo der Winter alles Leben in ihren Adern erstarren macht, könnten wir höchstens ihren Sterbetag betrauern. So richtig diese Ansicht scheint, so liegt ihr doch nur eine grob sinnliche Art ihrer Betrachtung zu Grunde. Eine Beobachtung, die sich uns nicht selten darbietet, kann uns davon überzeugen. Wie oft kommt es vor, daß Spätfröste sich bis in den Frühling hinein erstrecken und rein Leben aufkommen laßen. Da auf einmal erhebt sich ein lauer Wind mit sanftem Säuseln, der den Frühling herbeiführt. Die ganze Natur ist wie auf einen Schlag verwandelt und die Bäume stehen da, ihre Kronen mit frischem Laub, bald auch mit Blüthen geschmückt. Vermag eine Nacht ein solches Wunder zu vollbringen? O nein, — von unserem Auge unerkannt, als noch Schnee und Eis die Erde deckte, hat in verborgener Tiefe bald nach Eintritt der Sonnenwende der Baum ein neues Leben begonnen. Seine Wurzeln sogen in vollen Zügen die Säfte auf, trieben sie durch alle Adern seines weiten Gezweiges, machten die Knospen schwellen. Nachdem so in langer, geheimer Arbeit alles vorbereitet war, konnte ein einziges Wehen des linden Frühlingshauches die letzte Hülle hinwegheben, um uns ein vollendetes großes Werk zu offenbaren, das schon am ersten Schewat begonnen ward. Von der tiefsten Erkenntniß der Erscheinungen zeugt es aber, wenn unsere Weisen in diesem Vorgänge die Erklärung für die wunderbare Erhaltung Israels mitten in den grausamsten Drangsalen Aegyptens erkennen. Ja, noch mehr, sie finden in demselben den Schlüffel, der ihnen die räthselhafte Erhaltung Israels bis auf den heutigen Tag erklärt. Von zahlreichen Wunderthaten erzählt uns unser Wochenabschnitt. Sie hat Gott in Bewegung gesetzt, um die Aegypter von der weiteren Vergewaltigung unserer Ahnen abzuschrecken. Es ist eine undankbare Aufgabe, in unserer Zeit davon zu reden. Die Wunder der Natur, die sich ihr in so überwältigender Weise offenbaren, haben ihr Auge geblendet, daß sie für die Wunder Gottes keinen Sinn mehr hat. Wohlan, so lasset uns ebenfalls auf ein Wunder der Natur unsere Aufmerksamkeit lenken, — auf die Frage nämlich, wie ein Volk, wie Israel, sich inmitten der furchtbarsten Drangsale Jahrhunderte lang behaupten konnte. Ist jedes Wunder eine Offenbarung der durch keine Macht beschränkten, nach freier Selbstbestimmung ausschließlich handelnden Kraft Gottes, so ist die Erhaltung Israels in Aegypten vielleicht eine der größten Bekundungen dieser Art. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Posen, im Jan. Nachdem der schon seit fünfzehn Jahren als Stadtverordneten-Vorsteher fungirende Geheime Justizrath Orgler erklärt hatte, wegen vorgerückten Alters eine Wiederwahl nicht annehmen zu können, wurde in der ersten Stadtverordnetensitzung dieses Jahres der praktische Arzt Dr. Landsberger zum Vorsteher gewählt. Die Minorität hatte für den Justizrath Dr. Lewinski gestimmt. Diese Thatsache, daß als Nachfolger eines jüdischen Stadtverordnetenvorstehers von jeder der gegenüberstehenden Parteien wieder ein Jude als Stadtverordneten-Vorsteher in Aussicht genommen resp. gewählt worden ist, kennzeichnet am besten das Verhältniß, das hier unter den verschiedenen Confesiionen herrscht. Man muß sich vergegenwärtigen, daß auch Polen Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung sind. Hiernach dürfte der Plan des Herrn Bruhn von der famosen „Staatsbürgerzeitung," nach Posen zu kommen und hier sein Licht leuchten zu lasten, wenig Aussicht auf Realisirung haben, denn er findet hier keinen Nährboden für seine edle Saat. — Herr Dr. Waßzewski, Schüler des Berliner Seminars, ist einem Ruse als Lehrer an die isr. Schule in Fürth gefolgt. Sein Abgang von hier, wo er seit mehreren Jahren an der Gemeinde-Religionsschule erfolgreich gewirkt und auch als Vorstandsmitglied des Vereins psr^ Ersprießliches geleistet hat, wird von seinen zahlreichen Freunden lebhaft bedauert. Möge er auch in seinem neuen Wirkungskreise Segensreiches leisten und sich auch dort zahlreiche Freunde erwerben.