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Der Israelit · 1901-01-17 · Heft 5 (17.1.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 5 (17.1.1901)
Date
1901-01-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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103 trotzdem, wie er wußte, seine Kräfte für den Dienst nöthig gewesen wären. Er fuhr von einer Festung zur anderen, wo gefangene Oesterreicher internirt waren, und ließ sich überall die Listen der Gefangenen vorzeigen. Dem wohlverdienten Arzte wurde überall bereitwillig jeder mögliche Vorschub geleistet. So waren mehrere Tage nutzlos verstrichen. Goldenkron begann schon an dem Gelingen seines Vorhabens zu zweifeln, ja immer mehr drängte sich ihm die Möglichleit auf, daß der Gesuchte nicht mehr unter den Lebenden weile. „Arme Rosa!" rief er schmerzlich aus, „der einzige Bruder verloren, und der Vater fast schwachsinnig geworden, und der so ferne, der so gerne Dein rechtlicher Beschützer geworden wäre." Roch einen letzten Versuch wollte er machen. Er nahm von der letzten Festung aus einen Wagen und fuhr in das nahe Schloß eines im Felde gebliebenen höheren Offiziers, das dessen trauernde Wittwe aus eigenen Mitteln als Spital eingerichtet hatte. Als er die Liste der Verwundeten, welche hier verpflegt wurden, zur Hand nahm, fiel sein Blick auf den Namen: Karl Hermann, Korporal im 76. Infanterie- Regiment Graf Crenneville, verwundet und gefangen bei Skakiz am. Das war der Gesuchte. Der Doktor hatte sein Ziel erreicht. Es wurde ihm als solchem ein Leichtes, Zutritt in den Krankensaal zu erlangen. Er trat in den großen Saal, der früher zu festlichen Zwecken gedient hatte. Heute bot diese Stätte ein anderes, trauriges Bild. Der Anblick des unsäglichen Jammers, der sich darbot, und der für einen Laien ein Gegenstand des Grausens gewesen wäre, ihn ließ er unberührt. Kranke und Verwundete zu sehen und zu pflegen, das war ja sein Beruf, und seine volle Theilnahme galt | mehr den muthigen, unerschrockenen Damen, meist in j noch jugendlichem Alter, welche in ihrem einfachen schwarzen Kleide mit weißer Haube und Schürze, so liebreich zwischen den einzelnen Lagerstätten herumgingen, den armen Verwundeten Labung und Trost zu spenden. Der am Eingang des Saales beschäftigte Diener wies dem Doktor das Bett, worauf „der Böhme" lag, und vor dem gerade eine jener barmherzigen Schwestern stand, welche dem Kranken eine Schale Suppe reichte. Goldenkron ging geradeaus zu diesem Bette. Als ihn die Schwester erblickte, wendete sie sich wie erschreckt ab und eilte, so rasch es ihr möglich war, der Thüre zu, ohne sich Zeit zu lassen, dem erstaunten Patienten eine Erklärung über die Ursache ihres raschen Entfernens zu geben. Goldenkron stellte sich mit militärischer Kürze dem gefangenen Oesterreicher vor, und unter der Bedingung, daß sich dieser nicht aufregen werde, erzählte er ihm von seinem Aufenthalte in dessen väterlichem Hause, verschwieg aber wohlweislich den traurigen Seelenzustand des Vaters. Es war die erste Nachricht, welche dem jungen Sol baten von den Seinen ward, seit er das Vaterhaus verlassen, und seine Augen, die ohnehin fieberhaft glänzten, erstrahlten in wunderbarem Feuer, als der Doktor ihm Srenen aus dem Vaterhause schilderte. „Aber, warum," so schloß er seine lange und für den Zuhörer so ungemein fesselnde Erzählung, „warum haben Sie eigentlich nichts von sich hören lassen? Ihre Wunde befindet sich ja am Fuße, da hätten Sie doch ganz gut schreiben können?" „Das hatte ich auch gethan, und zwar mehr als einmal, jedoch niemals eine Antwort erhalten." (Fortsetzung folgt.) Der ..Israeli»" «schein» wöc •«•mI•<••• zweimal. Moni-gs nnd DonnersiHgs, jedesmal itt xninbfiicn-J zwei B gen. P eis pro Dierte'jahr bei der Pos» 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland enrsprechend höher. Man abonn,,» ganzjährlich, halbjährlich od r vierieljährlich Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Vuchhaudel verkett» l durch V Ass. Steinrrrker, Leiprig. 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