Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-01-17 · Heft 5 (17.1.1901) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 5 (17.1.1901)
Date
1901-01-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449152--52439-2502985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

bei der Wiedergeburt deS deutschen Kaiserreiches auch ihr Heil erblühen werde. In dem „kaiserlichen Reichszimmerer" war ein Bezalel Herrscher, den Gott erfüllt hatte mit Weisheit, Erkenntniß und Einsicht und jeder Tüchtigkeit, ein demuthsvoller Frommer, der nicht sich, sondern Gott die Ehre gab, ein Weiser und ein Kämpfer voll Einheit und Harmonie, von dem man mit dem Thoraverse sagen konnte .nr»p2 -ma 2-7 m.err rs pjn i'.i' n:ao rrrrci m'vmj: ny'i: rupi nn;on nt nry „Ein heiliger Leuchter aus reinem Golde, alles daran, seine Arme und seine Kelche aus einem Stück." Eine Krone schenkte ihm die Geburt, ein überall siegreiches Schwert erwarb ihm unverwelklichen Lorbeer, seine Milde machte ihn zu einem Friedensfürsten, seine Güte zum liebenden Vater aller seiner Unterthanen. Und diese edle Gesinnung legte ihm auch Worte der Versöhnlichkeit und Duldung in den Mund: „Aus den vielen beredten Zeichen lauterer Anhänglichkeit entnehme ich zu meiner Genugthuung auf's Neue die frohe Ueberzeugung, daß die ganze Nation in aufrichtiger Vaterlandsliebe, ohne Rücksicht auf politisches und religiöses Bekenntniß, in der Treue zu Kaiser und Reich fest zusammensteht. Gehoben und gestärkt durch dieses Bewußtsein, wird es wie bisher die schönste Aufgabe meines Lebens sein, die Wohlfahrt meines geliebten deutschen Volkes in friedlicher Arbeit fort und fort zu festigen und zu fördern." Und danach gestaltete der greise König auch sein Wirken. Das arge Mißverhältniß zwischen Arbeit und Lohn, wie es sich allgemach herausgebildet hatte, die Ausbeutung der Proletarier zu Gunsten des Kapitals suchte der hochgesinnte Kronenträger durch zielbewußte wirthschaftliche Reformen zu beseitigen und ließ sich selbst durch die vatermörderischen Angriffe frecher Buben, die in wahnwitziger Erbitterung gegen das heilige Haupt des geliebten Monarchen ihre Mordwaffen richteten, in seinen Plänen zur Förderung des Volkswohls nicht beirren. Er führte, um Mißbräuchen, über welche die Fabrikarbeiter klagten, zu wehren das Institut der Fabrikinspektoren ein, errichtete Schiedsgerichte, um bei Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern friedliche und gerechte Ausgleiche anzubahnen, er beschränkte zum Schutz der Arbeitskraft die Kinder-, Frauen-, sowie Sonntagsarbeit, beförderte das Genossenschaftswesen mit seinen Konsum-, Kredit- und Sparvereinen, verwandte die von der deutschen Nation aus Freude über seine Errettung gesammelte Wilhelmsspende in der Höhe von ca. 2 Millionen Mark zur Stiftung einer Alterversorgungskasse für Arbeiter und verwirklichte so das Königsideal des Propheten S? cm jwcji p*rsi *h „Er schonet des Armen und Dürftigen und der Elenden Seelen labt er." Er hielt, was er versprach: „Uns aber und unsern Nachfolgern in der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allezeit Mehrer des deutschen Reiches zu sein, nicht in kriegerischen Eroberungen. sondern in den Werken des Friedens, auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung." Als Kaiser Wilhelm hochbetagt dahinging aus der Zeitlichkeit in die Ewigkeit, da durften wir nicht klagen und jammern, wir mußten vielmehr der unvergleichlich herrlichen Gnadenwaltung an seiner Bahre inne werden; bald aber hatte der Todesengel seine nächtigen Fittige auch über seinen leidreichen Sohn gebreitet, Preußens Frühlingskönig war nach einer kurzen lenzeSsonnigen Herrschaft von hundert Tagen seinem schweren Siechthum, das er mit Geduld und Gebet getragen n*?sp tm vidi »rnpvw w in der Blüthe seiner Jahre erlegen, da konnten wir den Strom der Zähren nicht zurückhalten, da konnten wir den blutigen Quell untröstlich bitterer Thränen nicht hemmen, da weinte unser Volk und sein Schmerz fand Ausdruck in den Worten des Hohenliedes: rrr6 nenzn uA fr hh mm c’jja. „Mein Liebling ging heim in himmlische Gefilde, zur heiligen Flur." nns nwc* ’c*D3 Unsere Herzen flogen ihm zu, wenn wir ihn sahen, wenn er sprach. Es lag etwas Heiliges in seinem Wesen. Man fühlte, hier hat Niedriges keine Stätte und darum glaubten wir der Botschaft trotz aller Widerrede Böswilliger, daß dieser königliche Mund die judenfeindliche Bewegung als eine Schmach des Jahrhunderts gebrandmarkt habe. Heißt es doch in dem Allerhöchsten Erlaß Kaiser Friedrichs III. bei seinem Regierungsantritt: „Ich will, daß der seit Jahrhunderten in Meinem Hause heilig gehaltene Grundsatz religiöser Duldung auch ferner alle meine Unterthanen, welcher Religionsgemeinschaft und welchem Bekenntnisse sie auch angehören, zum Schutze gereiche. Ein jeglicher unter ihnen steht Meinem Herzen gleich nahe — haben doch alle gleichmäßig in den Tagen der Gefahr ihre volle Hingebung bewährt." Unser regierender König Wilhelm II. .w folgt, wie er selbst ausdrücklich betont, dem Vorbild seiner erhabenen Ahnherren, wenn er in der Landtagsthronrede vom 27. Juni 1888 sagt: „Dem Vorbilde meiner erhabenen Ahnherren folgend, werde Ich es jederzeit als eine Pflicht erachten, allen religiösen Bekenntnissen in meinem Lande bei der freien Ausübung ihres Glaubens meinen Königlichen Schutz angedeihen zu lassen." Auch sein Streben ist darauf gerichtet, des Psalmisten Rath zu befolgen: "jrohs v22> vre» „Der Scepter deines Reiches sei ein Scepter der Gradheit!" Unermüdlich sorgt er für seines Volkes Wohl und ist unverdrossen thätig in allen Ständen der Bevölkerung das Gefühl lebendig zu erhalten, daß ihr König für ihre Sorgen theilnehmendes Verständniß und thalkräftige Hülfe hat. Darum jubeln ihm heute in allen Gauen des Landes die Herzen entgegen und erneuern in begeisterter Liebe die Gelöbnisse der Treue und wir, seine jüdischen Unterthanen, huldigen ihm von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.