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Der Israelit · 1901-01-14 · Heft 4 (14.1.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 4 (14.1.1901)
Date
1901-01-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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$4 zeigte das Blatt vor Kurzem an. daß er keine Annoncen mehr non jüdischen Geschäften aufnimmt. Ein .Konkurrenzblatt ersc^int seit dem ersten Januar. das etwas liberaler, jedenfalls aber objectiver sich halt. Ob es in der aufgehetzten Bevölkerung des .Greises Könitz autkommen wird, ist eine andere Frage. Kaum in Berlin wieder angekommen, empfange ich die überraschende Nachricht, daß die Kleider des ermordeten Winter im Stadtwäldchen aufgefunden wurden. Diese Kleider waren also seit dem 12. März in einem Hause zu Könitz verborgen. Dieser Fund ist den Antisemiten sehr gegen den Strich. Denn es ist auch für sie völlig ausgeschlossen, daß die Kleider sich etwa in der Bebausung des schwer verdächtigten und entsetzlich beimgesuchten Adolph Lewy befunden haben können. Dieses Haus ist etwa 16mal durch Gerichts-Kommissionen vom Keller bis zum Dachboden durchsucht '.vorden, ohne daß sich die geringste Spur gefunden. Vorläufig ist die olle ehrliche „Staatsbürgerzeitung" noch sprachlos, wenn sie ihre lügnerische Zunge und Feder wieder gebraucht, wird sie wohl ein neues Märchen ausgebrütet haben. Wahrhaft bemitleidenswerth ist die Lage der wegen Meineid in Untersuchung befindlichen Brüder Rosenthal und Frau aus Camin. Zwei Damen sind dem Wahnsinn nahe im städtischen Krankenhause: auch der schon wegen Meineides zu einem Jahre Zuchthaus verurtheilte Jacoby aus Tuchel liegt schwer krank darnieder. Moritz Lewy, welcher ebenfalls rvegen Meineid in Untersuchung sich befindet, ist in schwerer Bedrängniß. Gr hat bekanntlich geschworen, den ermordeten Winter nicht gekannt zu haben. Run stellen sich eine ganze Anzahl Zeugen auf, die ihn mit Ernst Winter gesehen haben wollen. Freilich sind in Westpreußen Meineide so billig wie Brombeeren. In diesem Falle braucht man aber nicht an einen Meineid, weder bei dem Angeklagten, noch bei seinen Kronzeugen, zu denken. In Könitz ist eine Hauptstraße (Danzigerstraße), die so eng ist, daß kaum ein Wagen bequem durchfahren kann. Auf dem Trottoir können knapp zwei Personen zusammen gehen. Diese Straße ist sehr lebhaft, besonders in den Abendstunden. Da ist es dann kein Wunder, daß gelegentlich neben dem Winter, welcher ein sehr bekannter Flaneur gewesen ist, auch Moritz Lewy gesehen wurde, der in der Danzigerstraße wohnt. Nie hat eine jüdische Familie so entsetzlich und so völlig unschuldig unter den Folgen der verruchten antisemitischen Bewegung gelitten, wie die Familie Lewy. Der Nater schwer leidend, die Mutter der Verzweiflung nahe, der Sohn im Gefängniß. Das früher blühende Geschäft ist total ruinirt, das Grundstück werthlos und noch der ältesie Sohn in Gefahr, unschuldig ein Zuchthäusler zu werden. Diese Familie ist in Wahrheit eine Märtyrerin für das gesammte Judenthum und verdient die innigste Theilnahme aller unserer Glaubenszenoffen. L. W. 'ILurzbnrg, im Jan. Einen genußreichen Abend bereitete uns Herr Alfred Auerbach, Mitglied des Frankfurter Schauspielhauses, durch seine Recitation im Hause des Jsr. Litteraturvereins. Ein gutgewähltes Programm gelangte zum Vortrag und erntete der Künstler wohlverdienten Beifall nach jeder Nummer desselben. Neu und sehr gelungen war der Vortrag der Novelle „Maaser" von M. Goldschmidt, welche sich auch im 13. Jahrgang des „Israelit" befindet. Herr Auerbach zeigte sich hier als Meister des deklämatorischen Vortrages nicht blos poetischen, sondern auch archaischen Charakters, denn er erzielte damit einen vollen Erfolg. Die Charakterzeichnung des national Typischen, das Humoristische wie das Ethische und Erhabene, womit die Erzählung schließt, alles kam zur vollen Geltung. Das Ganze machte einen sehr günstigen Eindruck, und hat sich Herr Auerbach, dessen Leistungen auch anderwärts hochgeschätzt werden, hier bestens eingesührt. Muß es doch auch anerkannt werden, daß er auch Stoff aus der jüdischen Litteratur zum Gegenstand seines künstlerischen Schaffens und Wirkens macht, und indem er damit sein Volk zu ehren sucht, ehrt er sich selbst. Möge die Laufbahn des noch jungen Künstlers eine erfolgreiche und glückliche sein! Ncichschofen (Unter-Els.), im Jan. Vor einigen Monaten entstand hier in einem Gehöft ein Brand, wobei der Nachbar, der Gastwirth Moses Reh, muthig in den Stall eindrang, um das Vieh zu retten. Hierbei siel ein Ziegelstein herunter und verwundete ihn nicht unerheblich am Kopfe. Seitdem kränkelte Reh und konnte nur selten sein Bett verlassen. Diese Woche nun starb er, ein Opfer seines Edelmuthes, im Alter von nur 37 Jahren. Er hinterläßt eine Wittwe mit drei kleinen Kindern, weit und breit betrauert als Opfer seiner edlen That. MMHeilnngen aus kn jiiii. Jmuennereintn unü für dieselben. (GLmmtliche jüd. Wauderbctlelvereirre und Staffen für Durchreisende sind gebeten, UNS Mittheilungen über Erfahrungen die sie auf dem Gebiete ihrer Thütigkeit machen, zu kommen zu lassen.) Luxemburg, 9. Jan. Sie'gestatten, daß ich Ihnen, bezugnehmend auf Ihre Correspondenz aus Wien in Nr. 2 des „Israelit," Salomon Wassermann, der in den Polnaer Prozeß verwickelt war, betreffend, mitkheile, daß sich heute ein Individuum bei mir meldete, und vorgab, er sei fraglicher Wassermann. Derselbe trägt einen kurzgestutzten Bart, ist mittlerer Statur, spricht sehr gutes Deutsch und zeigt einen Zeitungsausschnitt vor, worauf die Entlarvung des p.p. Wassermann angezeigt ist. Das Wohlthätigkeitsbureau der jüdischen Gemeinde Luxemburg. A. Wolfs, Caffirer.

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