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Der Israelit · 1901-01-14 · Heft 4 (14.1.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 4 (14.1.1901)
Date
1901-01-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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S2 bilden würde. Die Beschlüsse, die ein großer Theil der jüdischen Kultusvorstände zum Wohle ihrer Beamten beschließen werden, müßten als so vollwichtig, als eine etwaige Enunziation des „I. G.-B." gelten und in der That werden sie mehr gelten, denn bv rrn; pm px na mrtesh pbw' ma'atn an ax x^x naw — was ein Theil der Kultusvorstände zum Wohle ihrer Beamten auch immer beschließen wird, wird sich auch stets bei Gegnern der Bewegung durchführen lassen, weitere Details können ja mündlich oder schriftlich untereinander beschlossen werden. Es handelt sich jetzt hauptsächlich darum, ob denn die ausübenden Kultusbeamten Deutschlands thatsächlich so einen niedrigen Bildungsgrad einnehmen und ob denn dieser das große Hinderniß bildet, daß von einer Verbesserung ibrer Lage abgesehen werden muß! In erster Reihe wirft ein jeder Leser des Artikels von Herrn Wolfs die Frage auf: Jst's denn möglich, daß ein Vorstand oder die Repräsentanz einer deutsch-jüdischen Gemeinde ein Schreiben, das mit der charakteristischen Bemerkung, „ich kann „Ihnen" nach altem und neuem Ritus befriedigen." oder, ich bin auch „Rabiner" etc. versehen ist, berücksichtigt. Zugegeben, daß Fälle vortamen, wo solche Schreiben famoser Orthographie und Stils an Gemeindevorsteher anlangten, ist doch aber jedenfalls undenkbar, daß solche Kultusbeamten, die auch „Rabiner" sind, auch als solche fungiren. Ich betone ausdrücklich, daß mir jeder persönliche Angriff ferne liegt, und würde ich auch nicht das Wort ergreifen, wenn ich nicht durch einige Sachkenntnis und Erfahrung auf diesem Gebiete, vom Gegentheil dessen von Herrn Wolfs überzeugt gewesen wäre. Die Frage, ob unsere Kultusbeamten den Kultus zu verwalten und den Religionsunterricht zu ertheilen würdig sind, wird von Herrn Wolfs im größten Maßstabe verneint. Wenn sie sich auch zu ersterem größtentheils eignen, so sind sie bei dem zweiten unbedingt nicht in Betracht zu nehmen. Warum sollte aber von Männern, die dazu berufen sind, die kostbarsten Güter unserer heiligen Religion zu wahren, die noch einigermaßen dazu beitragen, daß wir unmittelbar das »x: 'b pnr beobachten können, nicht vorausgesetzt werden können, daß sie auch das Herz unserer Jugend für Tbora und Jirah zu entzünden vermögen? Es ist ja leider wahr, daß es auch viele Ausnahmen gibt, aber der große Tbeil ist doch hoffentlich mtw nptna. Nicht das ist der Grund, daß die Lehren unserer Emunah so wenig Raum in den Herzen unserer Jugend finden und sowenig Früchte tragen, weil die Schochtim, die gleichzeitig Lehrer und Kantoren sind, sich solcher Ausdrücke bei ihrer Bewerbung bedienen, die nicht im Heyse hineinpassen, sondern auch auf anderen Seiten müssen wir die Gründe dieser traurigen Erscheinung suchen; es ist nämlich der Jndifferentismus in Religionsdingen, der unserer heutigen Jugend innewohnt und nolens volens der n;co td’ xb ppr n er am L bv mv:b — die Gewohnheit der Jugend vom Elternhause her, alles, was jüdisch ist, zu ignoriren, oder wenigstens alles Jüdische nicht hoch zu halten; dies macht sich bei Ertheilung des Religionsunterrichts fühlbar und dies ist auch der Grund, daß unsere jüdischen Beamten seitens der Heranwachsenden Jugend, die doch einst das Gemeindeleben als Vorstände und Mitglieder vertreten, keine gebührende Beachtung und Würdigung finden. Würde nur ein Theil jüdischer Gemeindeverwalter etwas mehr Interesse für ein Gemeindeleben, das auf :.nrn nny nx~r erbaut ist, bekunden, dann würden sie die äußerste Vorsicht bei der Wahl ihrer Beamten walten lassen und durch die Person des Beamten, der dann wahrhaftig seine Stelle würdig vertritt, würde das jüdische Leben in jeder Gemeinde reger pulsiren und ein Eldorado, einzig in seiner Art bilden. Obzwar Thatsachen, wo ein solches Eldorado eristirt, leider noch zählbar sind und hiermit keine schlagenden Beweise für diese Behauptung noch erbracht werden können, wir aber, als a’rcx ’js dtex glauben ja Vin nana die uns den ersten p'ac der dieswöchentlichen Sidra folgendermaßen erklären: Weil eben Gott Israel liebt;wx nr-a fnan -pno cw ir» x^v' — weil sie ihre Eigenthümlichkeit in Namensbenennung und Sprachgebräuche beibehielten, deßbalb zählt er sie wieder und wieder, gleich den Sternen, die auch als seine Diener dastehen. Würde daher auch in unserem inneren Gemeindeleben mehr Liebe und Achtung für das caa» vorhanden fein, dann würde gewiß der Fall eintreten: man -pro;mx nro daß durch Liebe und Würdigung der Sache auch stets gezählt und gemustert wird, um das Wohl und die Existenz der guten Sache zu fördern. Obzwar nun meiner bescheidenen Ansicht nach ein großer Theil der Kultusbeamten auch zum Ertheilen des Religionsunterrichtes würdig ist, will ich doch nicht behauptet haben, daß sie sich mit ihrer Petition um Unterstützung an die Lehrervereine wenden sollen, denn auch meiner Ansicht nach sind Kultusbeamten und Lehrerinteressen grundverschieden. Aber eines ist gewiß u. z. würden Gemeindevorstände hauptsächlich, oder vielleicht auch die Lehrer, sich der Sache annehmen, dann würde mit vereinten Kräften viel mehr zu Stande kommen, als mit Petitionen, die sich vorzüglich zur Ausschmückung des Papierkorbes eignen. Sollte dieser Gedanke reiflich erwogen werden, dann können wir ein günstiges Resultat erwarten, dann kann es zu einer Institution heranblllhen, die n-r wm bv a:tsn fotw ist, aber nur dann läßt sich das Beste erwarten, wenn die Vorbedingungen nei a'v no n:rr in' cj D'nx na» w: erfüllt werden, die eben bei Inangriffnahme solcher wichtigen Schritte unerläßlich sind. Wollen wir das Beste für die Zukunft erhoffen! C. L.

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