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Der Israelit · 1901-01-10 · Heft 3 (10.1.1901) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 3 (10.1.1901)
Date
1901-01-10
Page
– (sequence 20)
Language
German
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60 reihe. — Das Blatt Nr. 6 veranschaulicht Arbeiten im Formobst-Quartier. Der im Vordergrund stehende Sbergärtner ist mit einer Anzahl von Lehrlingen dabei, den Sommerschnitt vorzunehmen und die Zweige den gewünschten Formen entsprechend, anzuheften. Blatt 7 führt uns in den Obst- und Gemüsegarten. Das Gemüse hat vorläufig seinen Platz unter den jungen Obstbäumen erhalten, bis diese so groß stnd, daß ihr Laub dem darunter gepflanzten Gemüse zu viel Sonnenschein entzieht. Ungefähr 1000 Aepfel- und Zwetschenbäume haben hier ihren Stand, deren Ertrag dereinst dazu dienen wird, die Kosten der Erziehung von 10—15 Kindern zu decken. Das Bild zeigt den Gehülfen mit den ihm unterstellten Lehrlingen beim Reinigen der Beete von Unkraut. — Das letzte Blatt gewährt einen Einblick in Arbeiten auf dem Bienenstände. Der vor dem Stande sitzende Lehrling beffert einen Bienenkorb aus; die Imker links und rechts stnd damit beschäftigt, die Stöcke von den unnützen Wachszellen, dem Drohnenbau, zu befreien. Wir schließen mit dem Vorwort des Buches: Wie diese Blätter unseren alten Gönnern zeigen sollen, wie es in Ahlem aussieht, so mögen sie der Anstalt auch neue Freunde dazu erwerben. Und wer dann an dem großen Erziehungswerke mithelfen will, der sende seinen Beitrag an die Anstalt; er darf überzeugt sein, daß seine Gabe im Dienste der Sache mit dem Bedacht und der Sparsamkeit verwendet wird, wie es einer Anstalt ziemt, die bedächtige und sparsame Gärtner und Landleute erziehen will. Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn. Deutschland. Berlin, im Jan. Der „Deutsche Flottenverein" hat das höchste Mißfallen der Herren Antisemiten erregt. Die „Deutsche Wackt" schreibt: „Achtung Antisemiten! Uns liegt ein Kalender des deutschen Flottenvereins für 1901 vor, von Kontreadmiral z. D. M. Pludemann. Auf Seite 163 lesen wir da folgende Zeilen: „Daß Sekten in China entstanden sind, die Langmesser, später Boxer genannt, welche die Vertreibung der Fremden auf ihre Fahnen schreiben, kann nicht besonders verwundern, haben doch andere hochentwickelte Kulturstaaten in der antisemitischen Bewegung analoge Vorgänge." „Wir bedauern, daß der Flottenverein geschmacklos genug ist. national empfindende Männer durch einen hohen Ossizier anrempeln zu lassen. Der Flottenverein selbst sowohl wie der Verfasser jenes Pamphletes haben ver nationalen Aufgabe einen schlechten Dienst erwiesen. Wir fordern, als Antwort, unsere Anhänger all, dem Flottenverein den Rücken zu wenden. Los von dem sogenannten deutschen Flottenverein." Der Kontreadmiral Pludemann hat vollkommen Recht, und wenn es noch eine Bestätigung brauchte, so ist dieselbe in dem Benehmen der Antisemiten enthalten, denen auch in diesem Fall ihr Judenhaß der Vaterlandsliebe vorangeht, die sie immer so prahlend im Munde führen. Aus Württemberg, 2. Jan. Dem württembergischen Staatsangehörigen Moriz Pflaum in Wien wurden zu Theil: der K. Preuß. rothe Adlerorden 4. Kl., der österr. K. Orden der eisernen Krone 3. Klasse, der K. Türkische Medjidis-Orden 3. Kl., das Osfizierkrcuz des Ordens der rumänischen Krone und das Ritterkreuz 2. Kl. des Großherzogl. Sächsischen Hausordens der Wachsamkeit der vom weißen Falken. — Behufs Aenderung der israelitischen Kirchenverfassung Württembergs hat die Jsr. Oberkirchenbehörde an die Vorstände der isr. Gemeinden Fragen zur Beantwortung a.usgegeben, worin diese ihre Wünsche kundgeben sollen. Oesterr. -Ung. Monarchie. Wien, im Jan. (Ein Prozeß um die Jubiläums st ist ungen der Baronin H i r s ch.) Die für Oesterreich bestimmten Millionenstiftungen der im April 1899 in Paris verstorbenen Clara Hirsch konnten bisher in Folge eines Prozesses zwischen der Finanzprocuratur und den Erben der Baronin nicht activirt werden. Nunmehr ist diese Streitsache durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes erledigt worden. Es handelte sich um die principielle Frage, ob der Staat beziehungsweise die Finanzprocuratur auch zur Vertretung der nichtstaatlichen Stiftungen berufen ist. Die niederösterreichische Finanzprocuratur hatte das Wiener Eivillandesgericht verständigt, daß sie die Stiftungslegate der Baronin Clara Hirsch für die „Clara Baron Hirscb'sche Kaiserjubiläumsstiftung zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich" per zwei Millionen Francs, für die „Baronin Hirschsche Stiftung für den Volksschulunterricht in Galizien" per drei Millionen Francs u. für die „Baronin Hirschsche Kaiserjubiläums-Wohlthätigkeitsstiftung" per 1(0 Millionen Francs sammt fünfprocentigen Zinsen vom Todestage der Erblasserin an für sich in Anspruch nehme, da die Finanzprocuratur in Ausübung des staatlichen Aussichtsrechtes jedwede Stiftung, also nicht nur die staatlichen, sondern auch die privaten Stiftungen zu vertreten habe. Die Finanzprocuratur ersuchte daher, ihr die Stiftungslegate im GesammE betrage von 6'0 Millionen Francs sammt Zinsen behufs Verwaltung und Vertretung dieser Stiftungen auszufolgen. Der Vertreter der Erben nach Baronin Hirsch sprach sich gegen die Uebergabe des Vermögens an die Finanzprocuratur aus, da die Vertretungspflicht der Finanzprocuratur sich nur auf staatliche Stiftungen

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