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Der Israelit · 1901-01-10 · Heft 3 (10.1.1901) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 3 (10.1.1901)
Date
1901-01-10
Page
– (sequence 21)
Language
German
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beziehe. Das Civillandesgericht wies das Begehren der Finanzprocuratur ab, da es sich um eine bereits ronstituirte Stiftung handle und dem Staate, auch wenn er das Stiftungsvermögen nicht in seine Verwaltung übernimmt, die administrative Oberaufsicht über die Stiftungen ohnehin jederzeit gewahrt bleibe. Auch das Oberlandesgericht erkannte der Finanzprocuratur die Vertretungslegitimation nicht zu und bestätigte daher die landesgerichtliche Entscheidung. Nunmehr hat der Oberste Gerichtshof die gleichlautenden Entscheidungen der beiden ersten Instanzen aufgehoben und dem Begehren der Finanzprocuratur Folge gegeben. In der Begründung wird hervorgehoben, daß alle Stiftungen unter den besonderen Schutz des Gesetzes, unter die Aufsicht der politischen Behörde gestellt sind, daß daher bis zur Constituirung der Stiftung der Finanzprocurator die Vertretungsbefugniß zustehe; die Veurtheilung, ob eine Stiftung bereits als constituirt anzusehen sei oder nicht, obliege ausschließlich der politischen Behörde. Rumänien. Bukarest, im Dez. Der Leiter der „Neuen Rum. Revue," Herr Dr. R. Motru, Prof, an der Bukarester Universität, richtete u. A. auch an Max Nordau die Frage, ob er der Ansicht sei, daß den rumänischen Juden die bürgerliche und politische Gleichberechtigung verliehen werden. Nordau antwortete: „Herr Direktor! Sie haben die Güte, mich zu fragen, ob „ich den Rumänen rathen würde, den Juden die vollständige Gleichheit der bürgerlichen und politischen Rechte zu gewähren?" Nun denn, ich antworte Ihnen ohne Zögern: Nein, ich würde es Ihnen nicht rathen, wenigstens für den Augenblick, und zwar in Ihrem Jnteresie, ebenso wie in dem der Juden, meiner Brüder. Man muh zwischen den bürgerlichen und politischen Rechten scharf unterscheiden. Es ist klar: die bürgerlichen Rechte Einwohnern zu verweigern, die im Lande geboren sind, dort alle ihre Jnteresien haben, alle ihre Freuden und Heimsuchungen theilen, alle Steuern, die Vlutsteuer inbegriffen, entrichten, mit allen ihren Kräften an seinem Gedeihen arbeiten, ihm glänzende Dichter, ausgezeichnete Gelehrte geben, die bürgerlichen Rechte einem solchen Bestandtheile der Bevölkerung zu verweigern, ist ganz einfach — ich nehme kein Blatt vor den Mund — eine Niederträchtigkeit; es ist eine Barbarei, die Ihrer Gesittung eine Schmach zufügt und in keinem anderen Lande Europas ihresgleichen hat; es ist ein Verbrechen an der Menschheit, das schon vor mehr als 2400 Jahren die Athener nicht begehen wollten, da sie das Recht der Metöken schufen, deren gesetzliche Stellung ungleich höher war, als die der unglücklichen Juden Rumäniens. „Mit den politischen Rechten dagegen verhält es sich anders." Wenn Sie dieselben Ihren Juden heute -«sprechen würden, so würden Sie ihnen ein verhängnißvolles Geschenk machen." Herr Nordau setzt nun in der „Welt" weiter auseinander, daß der Antisemitismus in Folge der Verleihung der politischen Rechte in's Ungeheure wachsen würde. Erst dann, wenn der Antisemitismus aufhöre oder mindestens fast aufhöre, könne von politischen Rechten für die Juden die Rede sein. In Rumänien ist man über diese Antwort Nor- ^au's sehr ungehalten: der Zionismus hat dadurch an Svmpathie eingebüßt. Rußland. Odessa. Die Zukunft der jüdischen Tagelöhner in Palästina beschäftigt die jüdische öffentliche Meinung in Rußland iiberaus lebhaft. Da neue Anpflanzungen in den jüdischen Colonien Palästinas, so lange der Palästinaverein sich den Weltmarkt noch nicht erobert bat, nicht gemacht werden, sehen sich dreihundert jüdische Tagelöhner, von denen der größte Theil seit zehn Jahren den palästinensischen Boden als Landarbeiter bebauten, ohne Arbeit und zur „Auswanderung" gezwungen. Die Auswanderung von fleißigen, zum Ackerbau geeigneten jüdischen Elementen aus Palästina ist aber für die Freunde des heiligen Landes, welche in der Förderung der Emigration nach Palästina eine der wichtigsten Aufgaben des modernen Judenthums erblicken, ein schmerzlicher Gedanke. Da alle bei der „I. C. A." gemachten Versuche, die dreihundert jüdischen Tagelöhner in neuen zu gründenden Colonien anzusiedeln, ohne Erfolg waren, suchen die Palästinafreunde in Rußland den zur Unterstützung der jüdischen Tagelöhner beim Odesiaer Comitee bestehenden Fonds, dem während der Feiertage des Monats Tischri nicht weniger als 26,000 Frcs. zugefloffen sind, zu verstärken. Außerdem wurde in Odessa ein „Spezialfonds zur Errichtung von Tagelöhnercolonien gegründet, den das Odesiaer Comitee aus seinen laufenden Einnahmen um weitere 26,000 Frcs. verstärkt hat. Da für diesen Spezialfonds fortwährend ganz bedeutende Spenden einlausen lso aus Wilna ca. 4000 Frcs.), so glauben die Freunde der Colonisation Palästina's die Zeit nicht zu fern, wo diese Fonds auf 200,000 Frcs. steigen werden. Haben aber so die russischen Juden auf dem Wege der Selbsthilfe diesen Betrag aufgebracht, so ist, wie aus bester Quelle mitgetheilt wird, sicher zu erwarten, daß auch die „I. C. A." anderen Sinnes werde und ihrerseits 3—600,000 Frcs. zuschießen werde. Sie dürfte dieses um so eher thun, als die Auswanderung der Tagelöhner sammt ihren Familien nach Argentinien, deren Kosten zu bestreiten die „I. C. A.„ bereit ist, ihr fast ebenso tbeuer zu stehen kommen werde, wobei sie noch das Odium auf sich laden würde, jüdische Ackerbauer zum Auszug aus Palästina angetrieben zu haben. T.

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