Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1901)
- Date
- 1901-01-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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46 vertrauensvoll die Mittel zur Befestigung seiner schwankenden Existenz zu bieten, so fiel das Worr „Mitgift" wie ein Funken in ein Pulverfaß in meine von Vorurtheilen vollgepfropfte Seele. Die Mädchen aus bemittelten Häusern leben ohnehin in steter Besorgniß, einem Mitgiftjäger zum Opfer zu fallen, und sind meist in der Furcht, nicht um sich selber, sondern um ihres Geldes wegen geliebt zu werden. Dieser Mann, so sagte ich mir in dieser unglückseligen Stunde, dieser Mann, der mich jahrelang glauben ließ, mich nur um meiner persönlichen Vorzüge zu lieben, dieser erklärte mir ganz unverholen in's Gesicht, daß er es auf meine Mitgift abgesehen hatte. Ich hatte in meinem Elternbause keinerlei materielle Sorge kennen gelernt, und hatte keinen Begriff davon, welche Rolle das Geld in dem Leben eines Kaufmannes spielt; dieser Umstand möge zur Rechtfertigung meiner sonst unbegreiflichen und zu verdammenden Handlungsweise dienen. Vor allem rieth ich meinem ungestümen Bewerber entschieden davon ab, seinen geplanten Besuch bei meinen Eltern zu machen und versprach ihm, brieflich meine Entscheidung bekannt zu geben. Nie im Leben vergesse ich den traurigen, entsagungsvollen Blick, womit er mich beim Abschiede angesehen — die ganze furchtbare Zukunft schien darin gelegen zu haben. Ich hielt Wort. Tags darauf ging durch die Post ein Packet an Goldenkron ab, welches alle seine Briefe an mich nebst dem Verlobungsringe enthielt, außerdem ein Schreiben, worin ich ihm sein mir gegebenes Wort zurückgab mit der Motivirung, daß ich mich in meinen Gefühlen für ihn getäuscht habe, daß ich weder den Muth, noch die Kraft in mir fühle, die Fährnisse, welche der Kaufmannsstand mit sich führe, über mich ergehen zu lassen, daß ich nicht fähig sei, ihm in Zeiten der Noth eine treue, opfermüthige Lebensgefährtin zu sein. „Ich zweifle nicht daran," so schrieb ich mit einer mir jetzt noch unbegreiflichen Bitterket weiter, „daß es einem so gewandten Kaufmann bald gelingen werde, ein anderes reiches Mädchen zu gewinnen, deren Mitgift die Grundlage zu seinem ferneren Glücke bilden möge." Postwendend erhielt ich auch meinen Ring nebst Briefen zurück, jedoch ohne eine begleitende Zeile. Nun war es aus zwischen uns beiden und ich hatte die erste und einzige Liebe meines Lebens eingesargt. Kurz darnach hatte Deine Mutter Deinen Vater geheirathet, und in glücklicher, wenn auch anfangs kinderloser Ehe mit ihm gelebt. Unsere Eltern starben kurz nacheinander, ohne daß ich ihren letzten Wunsch erfüllt hätte, mich zu verheirathen, trotzdem es mir wahrlich an Bewerbern nicht gefehlt hatte. Mit welchem Rechte hätte ich denn Goldenkron verdammt, wenn ich selber geheirathet hätte, um versorgt zu sein, ohne Liebe zu empfinden? Die nach dem Tode meiner Eltern an mich ergangene Einladung, mein Heim bei Deinen Eltern aufzuschlagen, lehnte ich dankend ab; ich blieb allein in diesem verödeten Hause, mich allmählich auf das mir bevorstehende Schicksal, als alte Jungfer allein durch das Leben zu gehen, vorbereiten. Durch Zufall hatte ich erfahren, daß Goldenkron geheirathet hatte, wen und unter welchen Verhältnissen, das wußte ich freilich nicht, hatte nicht einmal besonderes Verlangen, es zu erfahren." (Fortsetzung folgt.) Der »Israelit" erscheint w««*hentlfch iweimsl, Nontac« and Donae^ta^, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjahrlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Der Buchhandel verkehrt durch V. Kteinsckrr, Leipzig, Notzplatz )8. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitze'le oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Exvedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. 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Kifchenew. Türkei: Konstantinopel. Marokko: Tanger. — VeimisckteS. Inhalt der zweiten Beilage: Viteratifebe Umschau. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus-Württemberg. Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Rumänien: Bukarest Rußland: Odessa. Belletristische Beilage: Die Juden in Marokko. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Job- Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.