Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1901)
- Date
- 1901-01-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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43 ausschließlich ruht und uns mit dem Ausspruch altjüdischer Weisheit bescheiden: -cytzb “p ^2rr rnpcrwi ’xo? ~p na1? josn-n '^22 h 12 -!'2r>i> kh "[1*12 »xtpvp rrcp srvn nei „Was soll es Dir zu ergründen, was Gottes Liebe verhüllt hat? Du hast Deine Obliegenheiten zu erfüllen und was dem Heiligen, gepriesen sei Er, gefällt, das möge er vollbringen!" Das Schwärmen für die Zukunft und darüber die Zukunft mit ihren Pflichten zu vergessen und zu vernachlässigen, wie es heute so vielfach geschieht, war niemals jüdisch. Von dem Beruf, der Mission der Zukunft Israels den Mund voll nehmen, aber durch die Thnt des praktischen Lebens zu verleugnen, was der Mund ruhmredig hinausruft, ist ebensowenig jüdisch. Dieser nüchterne Sinn hat uns allerdings zurückgehalten, von scheidenden und anbrechenden Jahren und Jahrhunderten viel Aufhebens zu machen, aber er hat uns auch vor Sentimentalität und Schwärmerei geschützt und den Blick immer zuallernächst auf die reale Gegenwart gerichtet. Als klassisches Beispiel für diese Anschauung, wie sie den Großen Israels aller Zeit eigen war, obwohl sie in unserer hehren Vergangenheit wurzelten und mit jeder Fiber und Faser an unserer verheißenen Zukunft hingen, sei hier an einen Ausspruch von Rabbi Moscheh Sofer s. A. erinnert, welcher sich in der letzten n.v'o des tv -iBiD cnn findet. Auf die Frage, ob es in Wirklichkeit jüdische Dogmen, d. h. Verpflichtungen gebe, denen wegen ihrer umfassenden Bedeutung eine besondere Wichtigkeit zukomme und ob, bejahenden Falls, die Ansicht vorzuziehen, welche von drei oder diejenige, welche von dreizehn solcher Eardinalsätze spricht, antwortet der gefeierte Meister der Thorakunde, daß es sich hier seines Erachtens nur um einen Wortstreit handle, denn alle Aussprüche der Thora stünden ja thatsächlich für uns in gleicher Würdigkeit da. Er fährt dann wörtlich fort: npw bv ur6iM nnr.tr pexn^ c.vz b "tpcx rr -|*t nb'bn HO’.m ^Dfl TDVT CKBfl JVT! .,Jn keinem Falle kann ich aber die Ueberzeugung theilen, als zählte unsere einstige Erlösung zu den grundlegenden Gesetzesbestimmungen, in dem Sinne, daß wenn diese Unterlage fehle, der ganze Bau Gott behüte einfiele. — Nehmen wir einmal an, unsere Sünden würden — Gott behüte — zur Folge haben, daß uns Gott für alle Ewigkeit von sich wiese, etwa so, wie es nach R. Akibas Ansicht mit den zehn Stämmen der Fall ist, wären wir deßhalb berechtigt, das Joch des himmlischen Königthums von uns abzuwerfen, ein Tüpfelchen an dem kleinsten Buchstaben der Thora, oder an den Aussprüchen unserer Weisen zu ändern? Da sei Gott vor! Wir dienen Gott nicht, um einst die Früchte des heiligen Landes zu genießen und uns mit seiner Vorzüglichkeit zu sättigen. Deinen Willen, Gott zu erfüllen, bliebe mein einziges Verlangen. — In jedem Fall und unter allen Umständen blieben wir Diener Gottes, möge Er auch immer nach Seinem Willen und Belieben mit uns verfahren. Hier kann unmöglich von einem Dogma oder einem Fundamentalsatze die Rede sein, um darauf ein Gebäude aufzuführen. Ein Haupt- und Fundamentalsatz bleibt dagegen die Forderung, von der Wahrheit dessen überzeugt zu sein, was unsere Thora und die Propheten enthalten. Da dort in Paraschat cax: und Paraschat man unsere einstige Erlösung vorhergesagt ist, wie dies ,"201 nachgewiesen hat und wie es die Propheten vielfach verkünden, so hat Jeder, der an dieser Erlösung zweifeln wollte, den Fundamentalsatz geläugnet, als welcher uns die Ueberzeugung von der Wahrhaftigkeit der Thora und der Propheten gilt." Für unsere nationalen Schwärmer, die sich für Zijon begeistern, aber von der praktischen Erfüllung des Gottesgesetzes, das von dort ausgeht, nichts wissen wollen, diesen Standpunkt eines Chasam Sofer vielleicht nicht einmal begreifen, sei zu seiner Erklärung ein triviales Beispiel aus dem Leben herausgegriffen. Wer schon einmal Bergsteiger beobachtet hat, die unter der Leitung eines Bergführers ihren Weg machen, hat auch sicher schon auf die charakteristischen Unterschiede geachtet, welche die Gehweise des Führers von der des ungeübten Fußgängers auszeichnen. Der richtige Bergführer geht immer mit derart gesenktem Blick, als ob es außerhalb der zwei Schritte vor ihm gar keine andere Welt gäbe; sie ist für ihn nicht vorhanden. Der Tourist dagegen blickt immer nach der Höhe, mißt und berechnet die Entfernung, die noch zu erklimmen ist, bleibt stehen und wirft einen wohlgefälligen Blick rückwärts auf die Strecke, die er bereits überwunden, läuft dann rascher, um den Führer wieder einzuholen, der während dieser Reflexionen trotz seines mäßigen, langsamen Schrittes einen wesentlichen Vorsprung hat, und wird endlich müde und müder, daß es ihm sogar schwer fällt, der Führung zu folgen. Der Führer ist sich auf der ganzen Strecke gleich geblieben, er bewegt sich am Ende des Marsches in demselben Tempo, wie am Anfang und erreicht ganz gewiß leichter und sicherer das Ziel, als derjenige, welcher fortwährend die Augen daraus heftet und sie darauf für die Steine nicht übrig hat, über welche er linkischer Weise stolpert. Dem Führer liegt die Erreichung des Zieles wahrscheinlich viel mehr am Herzen, als dem Geführten, und wer aus seinem ausschließlich auf die Füße gerichteten Blick eine Gleichgiltigkeit für das Reiseziel folgern wollte, würde ganz gewiß irren. Aber er weiß, er erreicht es leichter, sicherer und rascher, wenn er sich durch den Gedanken daran nicht von dem Wege ablenken läßt, der allein dazu führt. Man braucht das Bild nichts weiter auszumalen. Das Gesagte genügt, um es Jedem nahezulegen, daß wir für unsere Zukunft nicht besser sorgen können, als