Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1901)
- Date
- 1901-01-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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85 ersehen, daß sich ein Ehepaar in Berlin bereit erklärt habe, ein Schloß in Pommern dafür zur Verfügung zu stellen. Herr Stadtrath Eichelbaum - Insterburg legte es zum Schluffe noch einmal Jedem dringend an's Herz, in seinen Kreisen nach verwahrlosten oder in Gefahr der Verwahrlosung befindlichen Kindern zu forschen und sie der Fürsorge des Staates bezw. der freiwilligen Organisation der Judenschaft Deutschlands zu überantworten. In der sich anschließenden Debatte wurden noch verschiedene Einzelheiten des Gesetzes und die spez. Vorbedingungen zur Unterbringung der Kinder in jene beabsichtigte Anstalt besprochen. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten erfolgte die Neuwahl des Verbandsausschuffes. Derselbe besteht für das Jahr 1901 aus den Herren: Stadtrath I. Eichelbaum-Jnsterburg, Verbandsvorsteher, Stadtratb S. Magnus-Königsberg, Rechtsanwalt Scheg-Allenstein, Dr. med. Kamnitzer - Allenstein, Rechtsanwalt Cohn-Tilsit, S. Davidsohn-Lyck, E. Jacobd-Rastenburg, H. Elößer-Jnsterburg, B. Holz- Insterburg, D. M. Jacobv-Vartenstein, I. Hertz-Gerdauen, N. Lublinski-Johannisburg und Jul. Lazar- Königsberg. Zum Kaffencurator wurde Herr B. Holz-Insterburg wiedergewählt: zu Mitgliedern des Schiedsgerichts des Verbandes die Herren: Rabb. Dr. Olißli-Allenstein, Stadtverordneter I. Eichelbaum- Jnsterburg und Rechtsanwalt Schey-Allenstein, zum Stellvertreter S. Jacoby-Rastenburg. Damit war die Tagesordnung der 17. Generalversammlung erschöpft. Der Vorsißende schloß die Versammlung mit herzlichem Dank für die bewiesene rege Antheilnabme an den Verbandsarbeiten. Die Versammlung erwiederte mit einem begeisterten Hoch auf den allverehrten Verbandsvorsitzenden. Um 6 Ubr vereinigten sich die Mitglieder und Gäste des Verbandes noch einmal zum gemeinsamen Mahle. Herr Konsul Litten weihte die so begonnenen heiteren Stunden durch ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Herr Rechtsanwalt S che y svrach auf die gastliche Gemeinde Königsberg, Herr Rechtsanwalt Holz aus den Verband, Herr Rabb. Dr. Ehrlich toastete aus den Verbandsausschuß. Herr Rabb. Dr. Veermann aus das Judentbum. Herr Prediger Sturmann auf die Gründer der Pensionslasie. die Herren Rechtsanwalt S ch e y und Waisenbaus- JnsveKor V c r i tz. Toast reibte sich noch an Toast. Daswischi'n erbeute Herr Oberkantor Birnbaum die Testtbulnebmer durch herrliche Gesanasvorträge. So schloß ein fröhlicher Abend den arbeitsreichen, ernsten Tag. Möae er der Judenschaft Ostvreußens in all ihren gemeinsamen Strebungen zum Segen gereichen. Zeitungsnachrichten und «Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 1. Jan. Nach langem schweren Leiden verschied gestern hier Frau Lob, geb. E t t l i n g e r. Das Hinscheiden dieser edlen, sanften, frommen und überaus wohlthätigen Frau rief in unserer Gemeinde allenthalben große Trauer hervor, zumal dasselbe alte Wunden, die man längst vernarbt glaubte, wieder aufriß. Man erinnert sich des Gatten der Dahingefchrrdrnen, der bereits vor einunddreißig Jahren im besten Mannesalter uns verließ. Hugo Lob war Vorstand der Jsr. Religionsgesellschaft, Schulrath an deren Unterrichtsanstalt und ein hervorragend frommer und wohlthätiger Mann, deffen hingebende Begeisterung für das Judenthum keine Grenzen kannte. Das Andenken des edlen Paares wird allezeit zum Segen sein. Frankfurt a. M., 6. Jan. In der zweiten Dezembersitzung des Klubs der Landwirthe sprach Rittergutsbesitzer Plehn über Thierquälerei beim Schlachten. Bei den zur Zeit üblichen Schlachtmethoden in den öffentlichen Schlachthäusern kann von Thierquälerei wohl kaum die Rede sein; dagegen sehe es schlimm aus bei den Hausschlachtungen, namentlich beim Schlachten des Geflügels, der Fische und Krebse. Hier sei es Aufgabe und Pflicht nicht nur der Thierschutzvereine, sondern aller Thierfreunde und namentlich auch der landwirthschafflichen Vereine, durch Belehrung allmählich Wandel zu schaffen. In der sehr lebhaften Erörterung des Vortrages beleuchteten Generalmajor Köring und Major Wagner die Bestrebungen u. Erfolge der Thierschutzbewegung. Der deutsche Thierschutzverein zählt z. Z. 7700 Mitglieder und wird auf Grund in Aussicht stehender Kaviialszuwendungen voraus sichtlich bald in der Lage sein, durch besondere Beamte im obigen Sinne ebenso vorzugehen, wie es beispielsweise in England schon mit Erfolg geschieht. Was die vielangegriffene Schächtung betrifft, so wurde von sachverständiger Seite betont, daß sie auf durchaus humanen Grundsätzen beruht und außerdem auf die Haltbarkeit des Fleisches einen günstigen Einfluß übt. Aus diesen Gründen sei die Schächtmethode neuerdings auch in den königlichen Konservenfabriken an Stelle der früheren Schlachtarten eingeführt. Sehr scharf wurde die mit den Parforcejagden und dem Taubenschießen verbundene Thierquälerei gerügt. Im Anschlüsse hieran schilderte ein Mitglied nach eigenen Beobachtungen die Scheußlichkeiten der Stiergefechte, bei denen sogar Amateurstierkämpfer keine Ausnahme von der Regel der Grausamkeit der Südländer machen. Zum Schluffe wurde mit Befriedigung der Einführung von Eseln an Stelle der Ziehhunde in Berlin gedacht. Die Verhandlung, die für Viele von großem Interesse sein dürfte, erscheint wortgetreu in den „Mittheilungen des Klubs der Landwirthe."