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Der Israelit · 1901-01-07 · Heft 2 (7.1.1901) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 2 (7.1.1901)
Date
1901-01-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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36 Oester r. -Ungar. Monarchie. Wien, 5. Jan. (Wahlen zum Abgeordnetenhaus.) Das Ergebniß der Wahlen vom Donnerstag ist von Wichtigkeit. Zunächst ist die Herrschaft der Antisemiten in Wien und Niederösterreich ernstlich erschüttert worden und steht auf dem Punkte, an die Sozialdemokraten überzugehen. Von den fünf Wiener Mandaten haben die Sozialdemokraten sofort drei erlangt und über das vierte stehen sie in der Stichwahl. Dieser Erfolg zeigt sich auch in den Stimmverhältnissen. Vor vier Jahren, am 9. März 1897, erzielten die Antisemiten 117,000, die Sozialdemokraten 88,000, die Liberalen 6000 Stimmen. Am 3. Jan. erhielten die Antisemiten 103,000, die Svziaidemvkraten 96,000 Stimmen. Die Differenz zwischen Antisemiten und Sozialdemokraten ist also in den kaum vier Jahren von 29.000 auf 7000 heruntergegangen. Man kann nun voraussehen, daß das Minus sich bald in ein Plus verwandeln wird. Freilich kommt dieser Erfolg nicht allein von den Sozialdemokraten her. Vor vier Jahren gab es noch eine liberale Lifte, die 6000 Stimmen erhielt. Jetzt ist diese Liste verschwunden; die sog. Intelligenz, das liberale Vürgerthum, hat für die Sozialdemokraten geworben und gestimmt, weil sie im Sozialismus entweder das kleinere Uebel oder einen wichtigen Bundesgenossen im Kampf gegen einen gemeinsamen Gegner erkannt hat. Der Sieg ist errungen worden nicht blos über den verhetzenden Antisemitismus, sondern auch über den Klerikalismus, dessen Vortruppe die Christlich-Sozialen sind, sowie über die Mißwirtschaft der Lueger'schen Stadtverwaltung. In dieser Beziehung kann die Niederlage Dr. Lueger's und feiner Genossen nicht ohne Folgen bleiben. Budapest. Am Sonntag, den 16. Dezember, fand die Einweihung des von der jüdischen Gemeinde erbauten neuen Knabenwaisenhauses unter großem Pompe statt. Eine vornehme Gesellschaft füllte die Vorhalle, während auf der Freitreppe die Zöglinge in ihren Anstaltskleidern Spalier bildeten. Punkt 11 Uhr erschien auch, von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall begrüßt, der Ministerpräsident Koloman Szell und der Unterrichtsminister Dr. Julius Wlassics. Unter den Erschienenen nennen wir noch Staatssekretär Michael Zailinsky und Oberbürgermeister Markus, außerdem nahmen an der Feier noch zwei Mitglieder des Oberhauses, eine größere Anzahl Abgeordnete, sowie mehrere Magistratsmitglieder und Stadtrepräsentanten theil. Die Eröffnungsrede hielt Dr. Ernst Deutsch, worauf der Präsident der israelitischen Religionsgemeinde, Sigmund K o h n e r, die Schlüssel der neuen Anstalt entgegennahm und in schwungvoller Rede allen dankte, welche durch ihre wohlthätigen Spenden die Errichtung des neuen Gebäudes ermöglicht hatten. Den gleichen Dank sprach er auch den anwesenden Vertretern der Regierung und der Stadt auS. die der neuen Schöpfung jederzeit ein so lebhaftes Interesse gezeigt hatten und dasselbe krönten durch ihre Anwesenheit beim Einweihungsakte. Oberbürgermeister Markus brachte die Glückwünsche der städtischen Behörden zu dem neuen Werke, dem er das beste Gedeihen wünscht. Nach verschiedenen anderen Reden kam dann zum Schlußwort Herr Rabbiner Dr. Samuel K o h n, der in seinen Worten an das Chanukafest anknüpfte und das neue Heim segnete. Nach der Feier folgte ein Rundgang durch das Haus, bei dem sich die beiden Minister sehr befriedigt äußerten. Rußland. Petersburg. Ein offizielles Zeugniß stellt, ohne es beabsichtigt zu haben, das russische Finanzministerium den Juden aus. Dasselbe fordert in einem Rundschreiben alle im Ansiedelungsrayon thätigen Mäßigkeitsvereine auf, ihre Thätigkeit ausschließlich auf dem platten Lande auszuüben, da in den Städten und Städtchen des Ansiedelungsrayons mit geistigen Ge« tränken kein Mißbrauch getrieben wird und in diesen die Fürsorge der Vereine entbehrt werden könne. Personalien, -fr Köln, 4. Jan. Der Rabbiner der hiesigen Synagogen-Gemeinde, Herr Dr. Frank, wird, wie uns der Vorstand mittheilt, am 30. Januar c. sein 26jähriges Dienstjubiläum als Rabbiner von Köln begehen. Die Gemeinde will es sich nicht nehmen lassen, ihrem Seelsorger an diesem seinem Ehrentage besondere Ovationen darzubringen. Es hat sich bereits vor kurzer Zeit ein Komitee gebildet, welches die Vorbereitungen zu dem festlichen Tage leitet. — Herr Rabbiner Dr. Rosenthal hatte das Unglück, während er zu Besuch bei seinen Eltern in Nürnberg weilte, seine im besten Alter stehende Mutter in der Sylvesternacht plötzlich an einem Herzschlage zu verlieren. Goldbach bei Aschaffenburg. Nach 36-jährigem, segensreichen Wirken trat Herr Louis L ö b , Mitglied der hiesigen Gemeindeverwaltung, von seinem Amt als Vorsteher der Cultusgemeinde zurück, nachdem er bereits seit Jahresfrist sich vom Geschäft zurückgezogen. Als Nachfolger wurde einstimmig Herr Moritz Oppenheimer gewählt. Briefkasten der Expedition. A. I. G. in I.: M. 10.— empfangen. E. M. in R.: M. 9.— empfangen.

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