Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1901)
- Date
- 1901-01-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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32 tropfen gewichen schien. Die arme Tante schwankte zu einem Sessel, auf den sie sich müde niederließ. Sie schien mir in diesem Momente um Jahre gealtert zu sein.- „Warum, was hast Du gegen ihn?" preßte sie mühsam hervor. „Nichts, gar nichts, liebste Tante, unser Ludwig ist der beste der Menschen — aber ich liebe ihn nicht." Wie von schwerer Last befreit, athmete die Tante erleichtert auf. „Du liebst Ludwig nicht, wem willst Du dies einreden, doch nicht mir, welche ich Eure gemeinsam verlebte Jugend beobachtet habe bis zum Tage Eures Abschiedes? Beobachtet mit dem durch treueste Liebe geschärften Mutterauge, dem keine Regung Eures Herzens entging? Wer hat denn so herzbrechend geweint, als Ludwig in den Krieg gezogen?" „Ich, liebste Tante, ich habe ihn ja heute noch gerne, wie meinen einzigen Bruder, aber das ist es ja: meine Liebe zu ihm ist die einer Schwester." Bei diesen Worten unterbrach mich die Tante. „Das laste Dich nicht anfechten, denn wiste: zwischen Dir und Ludwig besteht keinerlei Art von Verwandtschaft, Ludwig ist ebensowenig Dein Vetter, als er mein Neffe ist, trotzdem ich ihn wie einen solchen, nein wie einen leiblichen einzigen Sohn liebe. Du, mein Kind, bist meine Nichte, die Tochter meiner theuren nunmehr verewigten Schwester, er aber ist dem Blute nach zu uns Beiden ein Fremder." Nun war die Reihe des Erstaunens an mich gekommen. Um keinen Schritt war ich der Erfüllung meiner Bitte näher gerückt: alle meine sophistischen Vorstellungen waren in Nichts zusammengefallen. Dunkler und unklarer, verwirrter und unverständlicher war die Srtuation geworden. Die Tante ließ mir eine Weile Zeit, über mein Erstaunen hinwegzukommen, dann begann sie: Um Dir, liebes Kind, begreiflich zu machen, daß meine Handlungsweise kein Eigensinn ist, und daß es nicht eine altjüngferliche Manie, Ehestifterin zu werden, ist, wenn ich mit allen Fasern meines Herzens an dem Gedanken hänge, aus Euch Beiden ein Paar zu sehen, muß ich Dir meine Lebensgeschichte erzählen. Ein solch' kluges Mädchen, wie Du eins bist, wird einsehen, daß dies der einzige Weg ist, ein Unrecht zu vermeiden, welches ich sonst an einem von Euch Beiden, vielleicht an Beiden zugleich begehen würde, und welches mir meinen Herzensfrieden, welchen ich mir trotz meines traurigen Lebensschicksales erhalten habe, für immer trüben, wenn nicht ganz und gar vernichten würde. Ich muß in meiner Erzählung weit ausholen. Früher oder später wäre es ohnehin zu dieser Erklärung gekommen, denn ich bin sie Euch Beiden schuldig." Hier machte Tante Hanna eine Pause, wie um sich zu sammeln. (Fortsetzung folgt.) Wochen-Walenöer. Freilag, 11. Jauuar, 20. Tbebet. Sabbat-Anfang in Mainz 4 llhr 25 Min. Samstag, 12. Januir. 21. Thebet n*DtP. Sabbat-Ausgang in Mainz 5 Ubr 35 Min. — Berlin 5 Uhr 05 Min. — München 5 Uhr 24 Min. — Hannover 5 Uhr 22 Min. — Stuttgart 5 Uhr 36 Min. — Prag 5 Uhr 05 Min. — Straßburg 5 Uhr 40 Min. — Posen 4 Uhr 53 Min Der »Israelit" erscheint wöchentlich zweimal. Hlonrav« and llonne^ijedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonntrt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — vrr Buchhandel vrrkrhrl durch V. JF. Skrinackrr, Leipzig, Notzplatz jv. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis ver Zeile im Reclamethetl 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaktion eingesandte« «anuscripte findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von alle« Einsendungen eine Eopie zurückznvevatte«. Gtellensuchende erhalten ans Wunsch die Jnseraten Beilage vier Woche« lang gratis und franco zugesandt. Ebenso stunde« wir aus Wnnsch die Zahlung de- Jnsertion-betragan antzer Stelle Befindliche bis nadt CPrirtnauna ein»r foltfirtt Inhalt: <Hauptblatt): Leitender Arti'el: Unzeitgemäße Betrachtungen zur lahrh mdertwen e. — Zeirungsnachrlchten und Eorrefvondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Oester.-Ung. Monarchie: Wien. Budapest. Frank eich: Paris. Rußland: Warschau. Bialystock. — Liierarißve Noiitz — Feuiltewn: Pe'söhnte Feinde. (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Lebender Artikel: Verband der Svnagogen Gemein en Ostvieuuens. — Zeitungsnachrichten und Corresvondenzen: Deutschland: Mainz. Fran.furl a. M. Oester.-Ung. Monarchie: Wien. Budapest. Rußland: Petersburg. — Personalien: Köln. Gol bach. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des «Israelit", Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gefellschast in Mainz. Hierzu eine Beilage.