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Der Israelit · 1901-01-07 · Heft 2 (7.1.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 2 (7.1.1901)
Date
1901-01-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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DreyfuS, sowie der Grsammtvorftand der frommen Gemeinde. Der amtirende Rabbiner hielt einen ergreifenden Nachruf. Möge der Allgütige das trauernde Paar trösten. Paris. (Die Aufhebung der Judenemanzipation in Algier.) Die in Folge der Interpellation über Algier im vorigen Jahre von der Kammer eingesetzte Untersuchungscommiffion hat ihre Arbeit beendet und Herrn Pourquery de Boisserin, Deputirter für Vaucluse, mit der Berichterstattung über die Lage der Juden in Algier beauftragt. Derselbe schlägt nun vor: „Die Aufhebung des Cremieux'schen Gesetzes, welches den Juden von Algier die Gleichberechtigung verleiht. Die Aufhebung soll jedoch keine rückwirkende Kraft haben. Außerdem die Streichung aller in den letzten fünf Jahren in die Wählerlisten eingetragenen algirischen Juden. Die Commission beschloß, die Streichung der Juden aus den Wählerlisten zu verwerfen, die Aufhebung der Emanzipation ohne rückwirkende Kraft aber der Kammer zur Annahme zu empfehlen. Im Anschluß hieran soll der Kammer vorgeschlagen werden, das Gesetz von 1889 über die Naturalisation von Fremden in Frankreich, wonach alle Fremde, deren Ahnen einmal französische Bürger waren, ohne weiteres in Frankreich zur Naturalisation zugelassen werden müssen, in Bezug auf die Juden in Algier außer Kraft zu setzen." Der Vorschlag dürfte wohl kaum von der Kammer angenommen werden. Die Antisemiten werden ihn nur als Abschlagszahlung annehmen und nach wie vor durch Gewaltakte die weitere Verfolgung der Juden zu erzwingen suchen, die Kammer würde aber, ohne die Antisemiten zu befriedigen, an einem der Grundpfeiler der französischen Republik, der Gleichheit aller Franzosen vor dem Gesetze, rütteln. Rußland. Warschau. Wie hiesige Zeitungen berichten, vermachte der hier verstorbene S. Wolfowitsch zu Gunsten der hiesigen jüdischen Gemeinde 36,000 Rubel als eisernen Fonds, mit der Bedingung, daß die Zinsen von 12,000 Rubel für jüdische Religionsschulen verwendet werden sollen und die Zinsen von 24,000 Rubel für Unterstützung armer Leute; 6000 Rubel sind für das jüdische Hospital testirt worden; 3000 Rubel zu Gunsten der Synagoge an diesem Krankenhause und 3000 Rubel sind für das jüdische Siechenhaus bestimmt. Bialhstock. Die Auswanderung nach Argentinien scheint unter den russischen Juden wieder größere Dimensionen annehmen zu wollen. So haben sich in jüngster Zeit dreißig Familien aus Bialystock zusammengethan, welche auf eigene Kosten nach Argentinien auszuwandern wünschen. Ihr Führer, ein Herr Bublik, hat sich nach Paris begeben, um daselbst mit den Vertretern der „I. L. A." deßwegen Verhandlungen z« pflegen. Wie man hört, soll die „I. C. A." geneigt sein, den Wunsch der Auswanderungslustigen zu erfüllen. Literarische Notiz. Rabb. Dr. H e p p n e r s „Jüdisch-litterarischer Abrcitz - Kalender" ist auch in diesem Jahre wieder pünktlich erschienen. Wir haben bereits im Vorjahre Gelegenheit genommen auf die eminent erzieherische Wirksamkeit eines derartigen Unternehmens hinzuweisen, und wir wollen nicht verfehlen, in diesem Jahre das Gleiche zu thun. Bedauerlich ist es, daß das jüdische Publikum sich so ablehnend solchen Erscheinungen gegenüber verhält. Wenn man für ein paar Pfennige mehr statt eines unjüdischen einen jüdischen Abreiß- Kalender haben kann, der nicht nur in gleicher Weise wie andere Kalender uns die bürgerlichen Daten gibt, sondern uns auch über die große Vergangenheit unseres Volkes zu belehren sucht, so sollte doch in keinem Büreau, in keinem jüdischen Vereinslokal, in keiner Gemeindestube ein solcher Kalender fehlen. Einem so einfachen Mittel, um uns dauernd an unser Judenthum, an unsere großen Männer und deren Werke zu erinnern, wäre eine recht große Verbreitung zu gönnen. Feuilleton ersöhnte Feinde. Von Babette Fried. ii] Achtes Kapitel. Es war Dora's Tagebuch, oder eigentlich eines der vielen Hefte, welche ihr Tagesbuch bildeten. Ludwig sah sofort ein, daß in diesen Blättern etwas sehr Wichtiges, in Dora's, vielleicht auch in sein Leben Einschneidendes enthalten sein müsse, sonst hätte es ihm die Tante, welche sich doch von Kleinlichkeiten nicht so leicht beeinflussen lasse, nicht mit solchem Ernste übergeben, und so dringend ermahnt, es aufmerksam durchzulesen. Dazu wollte er nun die heutige Nacht benützen, denn zum Schlafen war er zu aufgeregt. Er fühlte sich nur körperlich müde, seine Glieder wie zerschlagen. Die körperlichen Anstrengungen der letzten Tage machten sich bei ihm jetzt, wo er am Ziele war, unabweislich fühlbar. Er entkleidete sich vollends, stellte die Lampe auf die Marmorplatte des zu Häupten seines Bettes stehenden Nachttischchens und legte sich auf's Bett, um daselbst in dieser bequemen Lage das ihm übergebene Heft zu lesen. Fast bis zur Hälfte desselben war er gekommen, und noch konnte er nicht herausfinden, was denn so

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