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Der Israelit · 1901-01-07 · Heft 2 (7.1.1901) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 2 (7.1.1901)
Date
1901-01-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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39 Jahre 1738 hervor. Sie sind prächtig colorirt. Viele Prager Drucke aus dem 16. Jahrhundert, dann die sogenannten „Judenschutzbriefe" aus der Zeit Maria Theresia's und Joseph's II. fesseln die Aufmerksamkeit des Beschauers. Reich ist auch die Sammlung der Antiquitäten und kunstgewerblichen Gegenstände. Da wär zu erwähnen: Eine echte Bar-Kochba-Münze aus dem Jahre 137 nach d. g. Z., kunstgeschnitzte Posaunen aus dem 12. Jahrhundrt, italienische Majolikaschüsseln mit hebräischen Inschriften und eingebrannten Bildern (1530), Tempelleuchter aus Bronze, die theils arabischmaurischen, theils persischen Charakter tragen, dann wieder solche, die den Tagen Kaiser Joseph's II. angehören und mit dem österreichischen Wappen und dem Portrait des Monarchen geschmückt sind. Von den künstlerisch interessanten Zeichnungen und Gemälden des Museums nennen wir das ausdrucksvolle Oelbild „Rachel's Tod" von S. Brunner, einem Brünner Maler, welcher kürzlich den Rothschild'schen Künstlerpreis errungen bat, dann acht Original-Illustrationen des „Hohen Liedes" von Professor Leopold Schauer Einen kostbaren Schatz bergen die vielbesprochenen Illustrationen „Die Hagada von Sarajewo", die vom Architekten I l e i s ch e r nach dem Original, welches aus dem achten und neunten Jahrhundert datiren soll, getreu covirt sind. Zwei Porträts von L. K r e st i n . die den Tvvus des „polnischen Juden" vortrefflich verbildlichen, zeigen künstlerischen Werth. Es würde natürlich zu weit führen, wollte man aller Bildwerke und literarhistorischer Dokumente des Wiener jüdischen Museums Erwähnung thun. Von grossem Interesse dürfte es vielleicht sein, dass durch den Maler Isidor Kaufmann ein Interieur geschaffen wurde, das eine altjüdische Familienstube mit all ihren Feierlichkeiten darstellt und überaus stimmungsvoll wirkt. Die Leute mögen selber bingehen und schauen! Das jüdische Museum befindet sich I., Ratbhausssraße 13, und ist jeden Samstag von 11 bis 1 Uhr Mittags geöffnet. Wien, im Jan. (Orthodoxer Vetbausverein.) Dem hum. Verein „Marpe Lanefesch" hier wurde mittelst Erlass der hohen k. k. Statthalterei die Bewilligung ertheilt, den Titel „Orthodoxer Vethausoerein" führen au dürfen, und als solchen die darauf beruababenden Statuten in aller Form qenehmiat. Es ist dies in Oesterreich der erste Fall, dass von offizieller Seite das ortbodore Judenthum als solches anerkannt und zur Kenntniss genommen wurde. Dem rührigen Vereine wird hierdurch ein weites Feld seiner Thätigkeit eröffnet. Wien, im Jan. (Zur Ermordung der A g n es H r u z a.) Dem seit einiaer Zeit in Wien erkrankten und desshalb von Professor Dr. Cbiari operirten 25jährigen Taglöhner Salomon Wassermann wurde ein vom Kreisgerichte Pisek unterm 12. v. M. ausgefertigter Decret zugesiellt, in welchem es heißt, daß die gegen den derzeit im zweiten Bezirke, Adambergergasse 2, erste Stock, Thür 10, wohnhaften Salomon Wassermann wegen Verbrechen des Mordes, begangen an Agnes Hruza, eingeleiteten Vorerhebungen über Rücktritt des Anklägers von der strafgerichtlichen Verfolgung eingestellt werden. Wassermann war bekanntlich von dem inzwischen das zweite Mal zum Tode verurtheilten Leopold Hilsner als Mörder der Hruza bezeichnet worden. Budapest. Der „Pester Lloyd" schreibt über die Hilfsaktion eines jüdischen Vereines bei dem Nothstand, der jetzt hier herrscht, in folgender anerkennenswerther Weise: Die Aktion zur Unterstützung Brodloser zieht immer weitere Kreise und hat auch einen der bewährtesten Faktoren zur Linderung hauptstädtischer Armuth veranlaßt, in nachahmenswerther Weise einzugreifen. Der Pester Israelitische Frauenverein, dessen Volksküche im 7. Bezirke bekanntlich das ganze Jahr geöffnet ist und in welcher auch gegenwärtig über 700 Personen — zum grossen Theile unentgeltlich — ihr Mittagsessen erhalten, hat in seiner jüngst stattgehabten Sitzung beschlossen, mit Rücksicht auf die nunmehr eingetretene kältere Jahreszeit und auf die in Folge dessen sich um so mehr fühlbar machende Armuth, 30,000 Portionen warmer Suppe und Brot gänzlich gratis auszufolgen. Die hierzu dienenden Anweisungen werden den Vorstehern des 5.. 6., 7. und 8. Bezirkes behufs VertheiluKg an Arbeitslose obne Unterschied der Konfession zur Berfügung gestellt. Die Ausspeisung begann am 2, Januar und erfolgt allabendlich zwischen 5—6^ Uhr in der von dem genannten Verein erhaltenen Volksküche im 7. Bezirk (Trommelgasse 57). Der Vesser Israelitische Frauenverein hat damit einen neuerlichen Beweis dafür erbracht, dass er zu jeder Zeit auf der Höbe seiner Aufgabe steht und dass die allseitige Anerkennung, welche seinem humanitären Wirken zu Theil wird, in vollem Masse gerechtfertigt ist. Frankreich. Paris, 1. Jan. Von einem traurigen Gange kommen wir soeben zurück. Auf dem Friedhofe zu Pantin war es, einer Vorssadt von Baris, wo wir dem Schosse der Erde ein kleines, unschuldiges Kind übergaben. Die Eltern, die von dem traurigen Geschick, einen Sprössling begraben zu müssen, betroffen wurden. ssnd nicht nur in Baris, sondern auch in ganz Deutschland als das Muster eines jüdischen Ehepaares bekannt. Es ssnd dies der bekannte und durch seine Gottesfurcht hochgeachtete Schüler des Cbassam Sofer Herr Salomon Kohn und seine Gattin. Herr Kobn. ein tüchtiaer Talmudiss. war der Ersse. der in dem biesiaen russischen Judenviertel der Tbora eine Stätte aründete und der sich keine Gelegenheit entgehen lässt, ssch mit „Zorche derabbim" zu beschäftigen. Zur Beerdigung erschien auch der Grand-Rabbin

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