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Der Israelit · 1901-01-07 · Heft 2 (7.1.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 2 (7.1.1901)
Date
1901-01-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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27 wird dem Menschen getrübt durch den Gedanken an ihre Vergänglichkeit, durch die Erinnerung an den Tod und alle Zufälle, welchen die von der Freude Erfüllten jederzeit ausgesetzt sind. Nur von Gott, der alles überschaut, von ihm heißt es, daß vor der umfassenden Totalität des Gottesblickes, Alles, auch das scheinbar Schlechte, gut erscheint. ♦nxo zia n:m rttry -irs nx x x*rn Er weiß, daß jeder Tod zu neuem Leben führt, daß jedem Niedergang der Aufschwung folgt, ihn trübt Leid und Weh, an dem Sterbliche verbluten, nctr Tods, Gott freut sich seiner Geschöpfe. Er weiß, daß die geknickte Bliithe in seinem Haushalte nicht verloren geht, daß ihr eine Auferstehung wartet, und diese Freude an der Entwickelung seines Weltplanes, an dem bewußt und unbewußt Alle fördernd Mitwirken, ein Maßstab für diese Freude wird uns nahe gelegt durch die Bemerkung, daß von ihr verklärt und beflügelt tausend Jahre wie ein einziger Tag dahineilen! Ein lichter Abglanz von dieser Erhabenheit Gottes über die Zeit, verklärt das Leben und Wirken derjenigen, die sich in Gottes Dienst stehend begreifen, welche in der treuen Erfüllung des göttlichen Willens den Berus und das Hochziel ihres Daseins erblicken nj'ixpn cwi nr:ari. Die Gottesfurcht stattet selbst die einzelnen Tage der von ihr Erfüllten mit einer ungeahnt reichen Fülle und Bedeutung aus, während sogar die Jahre der Gesetzlosen ihnen nicht nur kurz erscheinen, sondern es auch in Wirklichkeit sind. Jeder hohe Gedanke, jedes das gewöhnliche Niveau überragende Hochziel verleiht den davon Durchdrungenen eine Macht über die sonst allmächtige Zeit, die den Alltagsmenschen wunderbar und unglaublich erscheint. Der Besitz einer Rahel dünkt Vater Jakob als so hoher Preis, daß seiner Liebe sieben harte Dienstjahre wie sieben Tage erscheinen. Die alte griechische Sage hat die Zeit als einen Gott — Kronos — dargestellt, der seine eigenen Kinder verspeist. Sie spricht damit die ergreifende Wahrheit aus, daß die Kinder der Zeit, die Weltkinder, deren ganzes Dichten und Trachten darauf gerichtet ist, der Zeit zu schmeicheln, jedenfalls aber nicht gegen die Zeit sich aufzulehnen, daß über alle diese, die sklavisch sich der Zeit fügen, die Zeit mit ihrem ehernen Schritt hinwegtritt und sie vernichtet. Wer mit der Zeit geht, vergeht mit der Zeit. Wenn die Schuld nicht mehr der Uebel größtes ist, dann ist das Leben der Güter höchstes. Daraus folgt der Zeitcnltus, wie wir ihn heute in seinen Auswüchsen sich breit machen sehen. Zeitgemäß zu sein, zeitgemäß zu leben, dem Zeitgeist zu entsprechen, mit seiner Zeit sich nicht in Widerspruch zu setzen, das ist die Parole des Tages. Dieser Cultus der Zeit hat dann als nächste Consequenz den Respekt und die Werthschätzung geschaffen, die in unseren Jubiläen, die überall da zum Ausdruck kommt, wo irgend ein nennbarer Zeitabschnitt zurückgelegt ist. Da ist die natürliche Entstehungsgeschichte all' der Festlichkeiten, mit denen man heutzutage die Zeit feiert. Wenn uns Juden dieser Cultus in unserer ganzen Geschichte fremd war, so beruht dies auf der vollkommen gegensätzlichen Anschauung, mit welcher wir der Zeit gegenüber stehen. Diese Anschauung soll nun kurz dargestellt werden. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnv Eorrespondenzcn. Deutschland. Berlin, 3. Jan. Soeben geht uns das dritte Heft der hier erscheinenden rabbinischen Monatsschrift „Hapeles" zu. Bei der eingehenden Würdigung, welche der „Israelit" dieser Zeitschrift gleich bei ihrem ersten Erscheinen entgegen brachte, wird der erfreuliche Fortgang dieses so überaus zeitgemäßen Unternehmens gewiß von Interesse für die Leser sein. Der Umstand, daß das erste Probeheft für den Monat Tischri schon einige Zeit vorher erschien, hatte selbstverständlich zur Folge, daß das Cheschlvanhest etwas länger auf sich warten ließ. Da der Herausgeber, Rabbiner E. Rabinowitsch sein Domizil in Poltawa (Rußland) hat. so waren zudem verschiedene Umständlichkeiten und Förmlichkeiten zu erledigen, an welchen der Verkehr mit Rußland, besonders wo es sich um Drucksachen handelr, sehr reich ist. Das prompte Erscheinen des Cheschwan- Kislewheftes zeigt, daß alle Schwierigkeiten nach dieser Seite behoben sind, was bei der Complicirtheit der betreffenden Verhältnisse für die erfreuliche Weiterentwickelung des groß angelegten Unternehmens nicht zu unterschätzen ist. Obwohl die Monatsschrift zunächst für russische Verhältnisse berechnet ist, so bietet doch die Gediegenheit und Vielseitigkeit ihres Inhaltes allen Freunden unserer Litteratur eine solche Fülle von Belehrendem und Anregendem, daß das Unternehmen nur erst allgemein bekannt zu werden braucht, um der thätigen Sympathie weiter .Kreise sicher zu sein. Die ersten Aufsätze des vier Bogen enthaltenden Heftes enthalten nrdn und besonders rryvr über aktuelle Zeitfragen von bedeutenden Rabbinen der Gegenwart und der Vergangenheit. Unter letzteren begegnen wir posthumen Beiträgen von >’£*',-r n ^xz '1 bx-v" n ,ppz’-i pa’:z n ,pznzo -b xt.t :“nzK*:“i und andere V'* cvx;.. Auch Agada und Midrasch finden eingehende Behandlung. Von den aktuellen Zeitsragen, die in dieser Zeitschrift besonders gründlich erörtert werden, nennen wir das jüdische Nationalitätsprincip, mit dem heute in Rußland so viel Unfug getrieben wird. Die hochwichtige Bedeutung des nationalen Moments, wenn es auf den redlichen Grundlagen des historischen, über-

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