Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1901)
- Date
- 1901-01-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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11 Anhängern und Unterstützungen der zionistischen Ideen bemerkbar. Die „Zionistische Vereinigung sür Deutschland" hat in dieser Hinsicht gar keinen schlechten Vorstoß gewagt, indem sie sich mit einem Aufrufe an die jüdischen Lehrer wandte. Dieser Aufruf, der einer -größeren Anzahl von Lehrern zugesandt wurde, ist von den Mitgliedern des Centralkomitees sowie des zionistischen Komitees für Baden und Pfalz in Freiburg i. B. unterzeichnet. Eine beigelegte Karte enthält die Anmeldung als Mitglied für die „Zionistische Vereinigung" mit einem selbst zu bestimmenden Jahresbeiträge, sowie auch die Erklärung der Bereitwilligkeit zur eventl. Funktion als Vertrauensmann der Zionistischen Vereinigung. Die Idee, sich an die Lehrer zu wenden, ist nicht schlecht, denn die Lehrer bilden, insbesondere auf dem Lande, eine Macht, mit der wohl zu rechnen ist und deren Unterstützung immerhin recht werthvoll sein kann. Neu allerdings ist der Gedanke nicht. Ruft man doch überall, wo es sich um brauchbare, besonders aber kostenlose Mitarbeiterschaft handelt, die Lehrer vor die Schranken. Wenn es sich allerdings andererseits um Anerkennung des Lehrerstandes handelt, wenn derselbe gar sich erkühnt, Wiinsche oder Forderungen zu stellen, dann lautet die Tonart etwas anders'. Ist doch Lehrerstand und Lehrerarbeit ein Thema, über das Jeder et- >oas sagen zu können und zu dürfen glaubt, ein Gebiet, wo Jeder sich berufener Fachmann, Besserwiffer und Verbesserer diinkt. Da findet der Eine zu wenig Mekbode, der Andere aber sieht in der seminaristischen Bildung mit ihrer Methodik und Didaktik eben das große Unglück: der Eine findet, daß die Lehrer viel mehr in der Öffentlichkeit wirken sollten, ein Anderer aber meint, der Lehrer gehöre in seine Schule, sonst nirgendshin u. s. f. Ich glaube, der Lehrerstand sei doch selbst mündig genug, um in eigensten Angelegenheiten nach sorgfältiger Prüfung und nach bestem Misten und Gewissen, selbst urtheilen zu können. lieber den Zionismus, seine Ziele, seine Stellung zum orthodoxen Judenthum ist schon so viel geschrieben worden, auch der „Israelit" hat seine Ansicht mit aller Deutlichkeit wiederholt dargelegt, daß sich die Meinungen pro und rontra wohl klären konnten; glaubt man, gerade den Lehrern noch ein Privatistime lesen zu müssen? Ist der beregte 40 Zeilen umfassende Aufruf überhaupt eine erschöpfende Darlegung aller Momente, die man kennen muß, ehe man einer neuen Bewegung, ja nur einem Vereine beitritt? Prüfet alles und das Beste behaltet! Ein Lehrer. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Lentschau, im Dez. Wie wir aus zuverlässiger Duelle vernehmen, hat die berühmte Waitzener Großgemeinde unseren allseitig hochgeschätzten Oberrabbiner, Herrn Dr. Gustav L ö w y , auf die vacante Rabbinerl stelle berufen^ die der große Gaon, Oberrabbiner Ull- | mann, inne hatte. So erhebend es auch für uns ist, daß so oft im Lande eine gdoße Stelle vacant wird, die allgemeine Aufmerksamkeit sich auf unseren Herrn Oberrabbiner lenkt, so tief betrübend wäre es für uns, wenn Herr Dr. Löwp sich entschließen könnte, uns zu verlassen. Während seiner kaum zweijährigen hiesigen segensreichen Wirksamkeit hat er sich die größte Verehrung und Liebe der ganzen Stadt erworben, während die Herzen der Gemeindemitglieder buchstäblich an das seinige geknüpft sind. Seine hervorragenden persönlichen Eigenschaften, sein lauterer Charakter, sein großes Wissen, sein mächtiges, unübertreffliches, landberühmtes Redetalent, und vor allem seine unerschütterliche echte'Frömmigkeit, eröffnete ihm hier ein Thätigkeit, um ni'rib zu wirken, daß hier seit seinem Hiersein das ganze jüdische Leben einen mächtigen Aufschwung genommen hat und allen unseren religiösen Institutionen sind die unverwischbaren Merkmale seiner Wirksamkeit aufgedrückt. Es ist nun eine mächtige Bewegung in unserer Gemeinde, um Herrn Dr. Löwy zum Verbleiben zu bestimmen und hoffen wir, daß unsere Bemühung vom gewünschten Erfolge begleitet sein wird. Alsoknbin, 7. Teweth. Im zionistischen Blatt „Die Welt" wirft Herr Dr. R ü l f die Frage auf: „Was ist ein Chanuka-Katowes?" und meint, die fromme Sage (?!) im Talmud: „Mai Chanuka?" sei ein solches Katowes. Die Bedeutung dieses Wortes war schon einmal in diesen Blättern Gegenstand einer Besprechung. In Nr. 96 des 28. Jahrganges des „Israelit" verweist der gelehrte Herr L. Ph. Prins aus Frankfurt a. M. aus eine Interpretation des „Tischbi". Im Arabischen heißt ein Schreiber Kataw. Die öffentlichen Schreiber pflegten Witze und Gleichnißreden niederzuschreiben und diese nannte man n aro (Kattawus). „Jrrthllmlich" — meint Tischbi — „schreiben viele dieses Wort nsiea mit o; sie verstehen nicht zu unterscheiden so ps. Meines Erachtens ist diese Erklärung eine gezwungene. Für die gesprochene Gleichnißrede ist es nicht nöthig, eine Spezialbezeichnung des geschriebenen Wortes zu adoptiren. Hingegen findet sich im zu Jore deah 266, 11. folgendes Stelle: (Absatz 28) „Die Mohelim beten vordem Tage der Beschneidung, denn es steht: bx nietsn de-m 11. s. w. — In P*C D,/mt3 n:wn heißt es: Diese Erklärung des Psalmverses kommt nirgends vor, und die ceep und b':»*h sagen es. — Der volksthiimliche Redner wird hier also spp genannt. Die Apercüs dieser Redner hießen demnach ircsp. Die Erklärung des etvmologischen Ursprunges dieses geflügelten Wortes überlasse ich den gelehrten und geübten Sprachforschern. I. H o r o v i c z , Oberrabbiner.