Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1901)
- Date
- 1901-01-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 1. Der Schochet muß dem Fleischhauer gegenüber vollständig unabhängig dastehen und darf daher von demselben weder eine Entlohnung noch Geschenke welcher Art immer entgegennehmen. Nur unter solchen Voraussetzungen hält er die Garantirung für gegeben, daß die Bestimmungen des Religionssetzes gewistenhast gehandhabt werden. Gleichzeitig wird dem Schochet jenes Ansehen, sowohl dem Fleischhauer wie der Gemeinde gegenüber gesichert, das für einen Mann, der mit einer wichtigen religiösen Aufgabe betraut, unerläßlich ist. — Die Schechita mußte daher aufhören ein Privatunternehmen des Metzgers zu bilden, da er sie nach den Grundsätzen der freien Conkurrenz an den Mindestfordernden und ihm Willfährigsten vergeben konnte. Ihr Betrieb wurde zu einer Gemeinde-Angelegenheit, was sie von jeher war und im wahren Sinne des Wortes auch ist, erhoben. 2. Die ökonomische Seite der Frage anlangend, vertrat Herr Rabbiner Meyersohn die Ansicht, die Schechita müsse sich selbst erhalten, das heißt die aus ihrer Ausübung erfließenden Gebühren müsien hinreichen, um die damit betrauten Personen unter gebührender Rücksichtnahme auf alle dabei in Betracht kommenden Verhältnisie zu unterhalten. Um dem nachzukommen, konnte natürlich bei einem Satze von 15 bis 25 Kr. für das Stück Großvieh keineswegs stehen geblieben werden. Nach einer überschläglichen Schätzung des muthmaßlichen Consums mußte zu einer Erhöhung der Gebühr auf 80 Kr. geschritten werden, was jedoch, wenn man die gegenwärtige Praxis, dem Schochet Fleischtheile zukommen zu lasten, keineswegs eine solche bedeutet. Das war allerdings keine kleine Zumuthung für die Herren Fleischhauer. Das Verfügungsrecht über die Schochtim wurde ihnen genommen und sollte gegen eine, wenn auch nur nominelle Mehrbelastung eingetauscht werden. Von offener Auflehnung bis zu geheimer Drohung machte sich der Widerstand in allen Spielarten geltend. Nichts desto weniger ward auch hier schließlich ein alle Theile befriedigendes Einkommen auf friedlichem Wege erzielt, Dank des gesunden Sinnes einer großen Zahl von führenden Persönlichkeiten unter den Fleischhauern, Dank der überlegenen Klugheit, mit welcher die Verhandlungen geleitet wurden. Schließlich konnte man sich auf keiner Seite der Ueberzeugung verschließen, daß man in Herrn Rabbiner Meyersohn einen Mann vor sich habe, dem zwar der Friede über alles gehe, der zwar seine Forderung stets billig und maßvoll stellt, nichtsdestoweniger die unerbittliche Energie besitzt, dieselben auch den Widerstrebenden gegenüber durchzu- In diesem Belang waren aber auch den Schochtim gegenüber mancherlei Widerstände zu erwarten. Bei Einzelnen, die gegenwärtig mehrere Fleischhauer bedienten und zugleich als Maschgichim Anstellung gefunden hatten, war eine Schmälerung des bisherigen Einkommens unvermeidlich, Andere wieder wurden vielleicht auf deren Unkosten in den Genuß eines höheren gesetzt. — Wie dem auch sei, es gelang die widerstrebenden Interessen bei dem Schochtim auszugleichen und alle sind in ihrem Danke gegen Herrn Rabbiner Meyersohn einig, der sie aus einer unsicheren und unwürdigen Lage befreit und ihnen zu einer sicheren und würdigen Stellung verholfen hat. Endlich vertrat Herr Rabbiner Meyersohn den für die Sache ausschlaggebenden Standpunkt, daß die Schechita nur in die Hände von religiös zuverlässigen und in ihrem Können und Wissen bewährten Männern gelegt werden dürfe. Nun war aber das von ihm angetroffene Personal keineswegs nach diesen Gesichtspunkten ausgewählt. Hier galt es nun, neben aller Strenge der Grundsätze auch die Rücksichten der Billig keit und Schonung gebührend walten zu lassen und Familinvätern gegenüber Härten zu vermeiden. ES wurde daher unter dem vorhandenen Personal eine Auslese in der Weise getroffen, daß nur Personen zu weit vorgerückten Alters, oder Mangels aller Fähigkeiten von der Ausübung der Schechita völlig ausge schlossen wurden. Selbst diese wurden theils durch Geldentschädigungen, theils durch Ueberweisung einer anderen Beschäftigung als Maschgiach von Fleischver kaufsstellen entschädigt. Andere wieder, bei welchen religionsgesetzliche Bedenken auch nur geringfügigster Art vorhanden waren, wurden unter die besondere Anleitung und Aussicht jener Schochtim gestellt, die allseitig bewährt E'i-c h \x*n rrn und G. L. ebenfalls in nicht geringer Anzahl vorhanden sind. Hand in Hand damit werden in jedem der zwanzig Wiener Gemeindebezirke, unter Aufsicht des genannten Rabbinats stehend, Fleischverkaufsstellen eingerichtet Es ist damit eine der schreiendsten Calamitäten von dem großen Theile der jüdischen Bevölkerung, welche koscheren Haushalt führt, beseitigt. Die Wiener Cul tusgemeinde und nicht minder Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, können daher mit der größten Genug thuung auf die Wahl des Herrn Rabbiner Dr. Meyersohn zurückblicken. Nun besteht das hiesige Rabbinat nicht mehr bloß dem Namen nach, sondern es lebt und wirkt in wahrhaft jüdischem Sinne. Noch große und schwierige Ausgaben harren der Erledigung. Rabbiner Meyersohn hat sich den Dank weitester Kreise erworber, und mit größtem Interesse sehen sie dessen weiterer. Schritten zur Besserstellung unserer rituellen Jnstitu tionen entgegen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Ans Bayern, im Dez. Der Zionismus ist in jüngster Zeit wieder ziemlich eifrig in Aktion, inSbe sondere macht sich lebhafte Agitation zur Werbung von