Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1901)
- Date
- 1901-01-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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13 Dänemark. Kopenhagen, 19. Dez. Zum dritten Male seit seinem Bestehen konnte unser „Etz - Chajim - Verein ein Sijumfest feiern, das gestern, zusammen mit der jährlichen Chanukafeier. in ganz besonders weihevoller Stimmung, in einigen der schönsten und feinsten Gesellschaftsräumen der Stadt abgehalten wurde. Um es gleich von vornherein zu sagen, es ist ohne Zweifel eine der gelungensten und prächtigsten Veranstaltungen gewesen, die in unserem Verein bis jetzt stattgefunden, sowohl was die große unerwartete Betheiligung des vornehmen Publikums betrifft, als auch die Genüsse, geistige und materielle, die uns dargeboten wurden. Anwesend waren die Repräsentanten der Gemeinde mit ihrem Vorstand, Herrn Bankdirektor Etatsrath Glückstadt und Herrn Obergerichtsanwalt Simonsen, unsere verehrten Herren Rabbiner und Gemeindevorsteher. Die Feier gestaltete sich zu einem wahren Fest- und Freudenabend, dessen Angedenken noch lange bei uns weilen wird. Selbst Diejenigen, welche sonst nicht peinlich orthodox sind, waren herbeigeeilt, um theilzunehmen an der erhebenden Feierlichkeit. Einen herrlichen Anblick bot es dem Beschauer, die dichtgefüllten Säle zu betrachten, in denen sich zahlreiche Familien zusammengefunden hatten, von dem gemeinsamen Gedanken geleitet, den Abschluß der heiligen Schrift mit ihren Commentatoren mitanzuhören und dem darauf folgenden Fest beizuwohnen. Als die Gäste sich versammelt hatten, wurde gleich unter den Tönen eines großen Orchesters zu Tisch gegangen, und dort angelangt, wurden gleich die Weihe- Lichter von unserem Cantor Herrn Großmann — mit seiner weithin schallenden und bis in die Herzen dringenden, herrlichen Stimme — entzündet. Von allen Anwesenden wurde unter Musikbegleitung „Moaus Zur" gesungen, worauf der erste Vorstand des Vereins, Herr Josef Goldschmidt, die Tribühne bestieg, um mit einigen einleitenden Worten und Reschuß nehmend, von den Rabbinen und Gelehrten — den Schluß der heiligen Schrift vorzutragen, und mit dem inhaltsreichen Schlußwort wiederum auf's Reue beginnend in einem von der ganzen Gemeinde brausend eingestimmten „Hoch" wurde der eigentliche „Sijum," der erste Theil des Festes vollbracht. Alsdann nahm das Festmahl — die Chanukafeier — ihren Anfang: doch vorerst forderte Herr Goldschmidt die Gesellschaft auf, ein Hoch auf unseren geliebten, ehrwürdigen König, unter dessen gesegnetem Schutze wir so lange Zeit uns der Gleichberechtigung und Liebe erfreut haben, auszubringen, welcher Aufforderung fast mit wilder Begeisterung entsprochen wurde, während die vom Orchester angestimmte Königshymne stehend angehört wurde. Hierauf wurde ein eigens für die Chevrah verfaßtes, sehr gemüthvolles hebräisches Tischlied gesungen. Die Reihe der Reden und Toaste eröffnete alsdann unser geehrter Herr Haupt-Rabbiner Simonsen mit einem glänzenden Vortrag, den auch nur annähernd wiederzugeben, in einem einfachen Bericht« ganz unmöglich ist. Er benutzte das Zusammenfallen unseres Sijumfestes mit dem des Chanukafestes, um auf den geschichtlichen Hintergrund Israels und seiner Feste bauend, die Bedeutung zu schildern, die jede unserer heiligen Feiern in sich trägt, nämlich die doppelte: die der ungemischten Freude und des Dankes gegen Gott, und die des Ernstes und tiefen Nachsinnens vor Herannahen des Festes, selbst bei solchen uns nicht in der heiligen Schrift befohlenen Festen, wie z. B. Purim, dem Taanis Esther vorangeht; so auch heute unser Chanukafest ein doppeltes, indem wir der Vorzeit der Makkabäer gedenken und gelegentlich des Sijums nicht nur die bekannte Zusammenfügung der beiden „Buchstaben 2 und b sondern auch der beiden Wörter benützen könnten, um daraus eben neue Hoffnung und neuen Trost zu schöpfen für die Zukunft. Herr Simonsen knüpfte daran eine sehr hübsche und lehrreiche Geschichte aus Bismarcks Erinnerungen und erklärte, wie jede Sache zweierlei aufgefaßt werden könne, nämlich nach der Gesinnung, in welcher sie geübt werde, und schloß seinen in athemloser Spannung angehörten Vortrag mit dem Wunsch, daß der Verein wachsen und gedeihen möge, und viele neue Blüthen setze, denn, das sei gewiß dem verehrlichen Vorstand ein weit größerer Dank und Beweis der Sympathie, als alle übrigen Dankesbezeugungen für den Genuß dieses Abends, wenn in großen Schaaren allsabbatlich Viele — besonders die Jugend — im Vereine dort, den Genuß der Auslegung der heiligen Schrift sich verschaffen wollten! Die nächste Rede eines bekannten Journalisten und Schriftstellers galt unseren beiden Herren Rabbinen. denen er im Namen der Mitglieder dankte für manche lehrreiche Stunde, und manchen interessanten Vortrag, was immer die Leute bewogen habe, oft in dem Verein zu erscheinen und bat dieselben, auch fernerhin uns mit ihrer Weisheit und gediegenem Lehrvermögen zu erfreuen! Darauf nahm Herr Rabbiner Dr. Goitein das Wort. Indem er sich auf die verschiedenen Auslegungen und Bemerkungen des ersten Herrn Redners bezog, hob er hervor, wie eben 2b besonders dem weiblichen Herz galt, wie es dem weiblichen Herzen besonders nahe gelegen ist, die Ausführung der göttlichen Gebote zu fördern, und schilderte, wie es das Weib in Israel vor Allem gewesen ist, welches das Judenthum gefördert, zusammengehalten und ermunternd auf dasselbe eingewirkt hat, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß eben immer und ewig in Israel dem Beispiele frommer Frauen gefolgt werden möchte. Noch mehrere sehr treffende und sinnige Toaste