Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1901)
- Date
- 1901-01-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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chen gewünscht hattest, mit dem Du spielen könntest, das Du so gern, so ganz gerne haben würdest? Magst Du jetzt noch so eines?" „O ja, Tante! Hast Du mir so eines mitgebracht?" „Ja, komme, Dir es anschauen." Sie faßte den erwartungsvoll dreinschauenden Knaben bei der Hand, in der anderen behielt er das Spielzeug, mit dem er eben seine Zeit gekürzt, und führte ihn in das Schlafzimmer, wo die Wiege mit den dunkelgrünen Vorhängen aufgestellt war, dieselbe Wiege, in der er selbst einst gelegen. Die Vorhänge waren zurückgeschlagen und aus einer Fluth blendendweißer Spitzen sah ein winziges Köpfchen hervor. Eine Meile war der Knabe erstaunt stehen geblieben, dann warf er das schwere hölzerne Spielzeug, das er in der Hand hielt, weit von sich, um sich mit gewohntem Ungestüm aus sein neues, lebendes Spielzeug, als tvelches er das in seiner Wiege schlummernde Kind ansah, zu stürzen. „Still, Ludi," mahnte die Tante, „daß Du das neue Schwesterchen nicht aufweckst. Gefällt es Dir? Und wirst Du es stets gerne haben, mein Kind?" „O ja, sehr!" Und der Knabe hat Wort gehalten. Dora wurde sein Liebling, später seine Gespielin und endlich die Vertraute des älteren Knaben; und als er sein Studium beendet hatte und den Doktorgrad erworben, wurde er in die Pläne der fürsorglichen Tante eingeweiht und von da an machte er sich mit dem Gedanken vertraut, in dem schönen, geistreichen und herzensguten Mädchen seine künftige Lebensgefährtin zu sehen. Der ausgebrochene Krieg hatte die geplante offizielle Verlobung verschoben; jetzt war Frieden geworden; er hatte nicht nur eine Stellung erlangt, welch: ihm die Gründung eines eigenen Herdes gestattete, er >var auch sonst für seinen hervorragenden Pflichteifer, für seine ungewöhnliche Hingabe im Dienste der Krankenpflege ausgezeichnet worden. Jetzt werde die Tante, das sagte er sich selber, auf die Erfüllung ihres langjährigen Herzenswunsches drängen, und da hieß es. die eigenen Wünsche und Hoffnungen tapfer zurückzudrängen und als rechtschaffener Mann zu handeln — nämlich der Tante all ihre aufopfernde Liebe gegen ihn damit zu lohnen, daß er ihr zweites Pflegekind als Gattin nehme. Er war fest entschloffen, dies zu thun; er wollte die Liebe zu dem schönen Böhmerkinde, welche unterdessen in seinem Herzen Platz gegriffen, männlich unterdrücken, und seiner Base Dora ein treuer, aufmerksamer Gatte werden, wie er es der Tante vor dem Kriege versprochen hatte. Dies w-ir ungefähr der Gedankengang gewesen, welcher den jungen Arzt beseelte, als er in seinem ihm wohlbekannten Zimmer Umschau gehalten. Er entledigte sich der unbequemen Uniform, hüllte sich in den neuen eleganten Schlafrock, der über die Lehne seines Stuhles gebreitet lvar, ohne Anstalt zu machen, zu Bette zu gehen, trotzdem es schon ziemlich spät war. Er wollte das Buch lesen, das ihm die Tante mit solch ernster, bedeutungsvoller Miene gegeben. Wie erstaunte er, als er die Papierumhüllung entfernte und es aufschlug, und ihm statt der erwarteten gedruckten Lettern ein Manuskript vor Augen kam, die ihm so wohlbekannten Schriftzüge seiner Base Dora. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonntrt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Dev Buchhandel verkehrt durch D. W• Skeinacher, Lriprig. Rotzplah 1b. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. 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Inhalt der ersten Beilage: Lcilender Artikel: Die Regelung des SchächtwesenS in der Wiener israelickichen Kultusgemeinde. - Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Aus Bauern. Oester.-Ung. Monarchie: Leut schau. Alsokubtn. Dänemark: Kopenhagen. — Literarische Notiz. Belletristische Beilage: König Jexüme und die'Juden. Extra-Beilage: Jnhalts-Verzeichniß. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israeli:", Schottstraße Rr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Joh. Mir 1h'sehen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen,