Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1901)
- Date
- 1901-01-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5 scheinen. Interessant war nnn der vom Redner an der Hand von Autoritäten wie Friedr. Wilh. Schlegel geführte Nachweis, daß so viele Ausdrücke, wie z. B. Tate, Mamme. gestern Nächtge (gestern Abend) keine Entstellungen deutscher Idiome sind, vielmehr richtige deutsche Worte aus einer älteren Periode sind und von den im Mittelalter aus Deutschland emigrirten Juden nach Rußland und Polen verpflanzt wurden. Von den in neuerer Zeit am meisten bekannten Schöpfern jüdischdeutscher Poesie nenn, Redner u. A. Abraham Gold faden und Moritz Rosenfelder, von welchen er mehrere gemürhreiche, stimmungsvolle Gedichte recitirt. Sehr aetuell (da der Vortrag in die Chanukawoche fiel) war ein in edlem Feuer gehaltenes, jiidisch-patriotisches Gedicht „Haneraus Halolu," dessen Vortrag den Schluß des interessanten und genußreichen Abends bildete. Bingcn a. Nh., .‘-11. Dez. Am Sonntag, 16. Dezember, wurde hier unser neuer Rabbiner, Herr Dr. ji e u in i e i h, in feierlicher Weise in sein Aint eingeführt. Rach einigen einleitenden Gesängen, die ein von Herrn Cantor Kowalski eigens dazu einstudirter .Rinderchor sang, folgte das Mincha-Gebet und Entzünden des Channtalichtes, das von unserem Cantor in würdiger Weise ausgeführt wurde. Alsdann führte Herr dl. Scheuer, als Vertreter des Vorstandes, den neuen Herrn Rabbiner mit einer warmen Begrüßungsrede in sein Amt ein. Dieser ergriff hieraus das Wort zu einer nach Form ,-nd Inhalt g'cich vollendeten Antrittspredigt über den Text: rsz bzb n.-m 'nbrr ba ~pz\ Ich muß fv mir leider hier versagen, näher auf diese vortreffliche, gedankentiefe Rede einzugehen. Aber sic zeigte auf's Neue, welch' glänzende Wahl unsere Religionsgesellschaft an Herrn Dr. Neuwirth gemacht hat. Möge es ihm vergönnt sein, recht lange segensreich in ihrer Mitte und als ihr Oberhaupt zu wirken. Nach der herrlichen Rede, die einen tiefen Eindruck machte, folgte das Maariwgebet und noch einige Chor, ge sänge. An: Abend fand eine Zusammenkunft im Saale des Herrn Scheuer statt, woselbst verschiedene, mit Thora gewürzte Vorträge, ernsten und heiteren Inhaltes, gehalten wurden. Der wunderschön verlaufene Abend legte Zeugniß ab von dem Gemeinsinn und der schönen Harmonie, die in unserer Religionsgesellschaft herrschen. Mögen ihr und dem. neuen Rabbiner noch viele freudige Tage beschieden sein. B. L. O e st e r r. - U n g . Monarch! e. Budapest. Der israelit. Krankenunterstützungs Frauenverein in Tebreczin hat aus Anlaß seines 26jährigen Bestehens ein Gedenkalbum herausgegeben, zu dem viele Männer unseres öffentlichen Lebens und Litteraten Beiträge geliefert haben. So schreibt Kolo man Tisza: Ick schreibe diese Zeilen nicht, weil ich vielleicht der Ansicht wäre, mit ihnen die Bedeutung des Jubiläums des Frauenvereins heben zu können, sondern, weil es mich freut, meine'Anerkennung für die Vergangenheit des Vereins, sowie meine Glückwünsche für seine Zukunft und jenes Vertrauen ausdrücken zu lönnen, daß der Verein nicht in glänzenden Worten und Versprechungen, sondern in beständiger Ausübung der Wohlthätigkeit seine Aufgabe suchen und finden wird. Schweiz. Basel, :’,n Dez. Kurz vor Jahresschluß hat unsere Gemeinde in ihrer heutigen Gemeindeversammlung ihr Schächtwescn und den Verkauf des Koscherfleisches in einer Weise geregelt, welche einen sehr wesentlichen Fortschritt nach verschiedenen Seiten hin bedeutet. Durch das schweizerische Schächtverbot und durch lokale eigenartige Verhältnisse lagen die Dinge seit Jahr und Tag derart, daß die Nothwendigkeit einer Aenderung sich jedem von selbst aufdrängte. Die Gemeinde hat in richtiger Wiirdigung der Sachlage eine besondere Kommission gewählt, deren Vorschläge in der heutigen Gemeindeversammlung auch in allen Punkten angenoinmen wurden. ES ist dies umsomehr anzuerkennen. a!S die Neuregelung der Verhältnisse der Gemeinde nicht unerhebliche petuniäre Leistungen auferlegt. Doch ist mit Sicherbci! zu erwarten, daß diese Ausgaben nur vorübergehende sind, die, wenn erst die ganze Einrichtung in Funktion getreten ist, durch die Einnahmen reichlich ausgewogen lverden dürften. V.i dem Interesse, die jede Einrichtung zur Besserung des Kaschrus für alle Gemeinden hat, die sich in gleicher oder ähnlicher Lage befinden, mag hier der Wortlaut des von der Gemeinde genehmigten Reglements folgen. Reglement für das Schä.chtwesen und die Ausgabe von Koscherfleisch. 1. Das Schlachtwesen ist einer siebengliederigen, vom Vorstände zu ernennenden „Schächt- und Fleisch- Kommission" unterstellt. 3. Als koscher anerkennt die Gemeinde nur das ienige Fleisch, welches unter der Oberaufsicht des Rab binats und im Beisein des durch den Gemeindevorstand im Einverständniß mit dem Herrn Rabbiner eingesetzten Aufsehers in dem der Gemeinde gehörenden bezw, von derselben eigens zu diesem Zwecke gemietheten Fleischverkaufs-Lokale ausgegeben wird. 3. Der vom Rabbinate geprüfte Schochet steht aussihließlich im Dienste der Gemeinde. Die Ausübung seiner Funktionen regelt die Schächt- und Fleischkom Mission, welche die diesbezüglichen Dispositionen im Einverständniß mit dem Herrn Rabbiner trifft. 4. Kühe und Farren dürfen nur ausnahmsweise und mit jeweiliger Einwilligung des Präsidenten der Schächt- und Fleischkommission geschachtet werden. In diesen Fällen hat der Schochet die betreffenden Viertel