Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1901)
- Date
- 1901-01-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 zu sein. Tie republikanische Partei, die sich der Rechte der Juden energisch annimmt, ist mächtig erstarkt und sucht mit Erfolg der jesuitischen und nationalistischen Umtriebe, die das Land schon bis zur Grenze des Abgrundes geführt hatten, Herr zu werden. In Rußland, dessen Thron ein ebenso ideal veranlagter, wie menschenfreundlich gesinnter Herrscher inne hat, scheint sich ebenfalls eine Wendung zum Besseren zu vollziehen. Lassen sich die alten auf das antisemitische Programm von früher her eingeschulten Gewalten auch nur allmählich beseitigen und erfährt man demgemäß auch jetzt noch vielfach von judestfeindlichen Maßnahmen im Czarenreiche, so merkt man doch an den Entscheidungen des Senats, daß in den oberen Regionen ein anderer Wind weht. Ja, weitblickende Geister wollen sogar behaupten, daß auch die Gesinnung des großen russischen Volles eine derartige sei, daß bei einer nur einigermaßen freiheitlichen Regierung das moskowitische Reich dereinst noch das Dorado der Juden werden würde. Die Weherufe aus Rumänien bilden von der Zeit an, daß dieses Land ein selbstständiger Staat wurde, also seit über vierzig Jahren, eine ständige Rubrik in den jüdischen Blättern. Der Klagelieder aus Rumänien erinnern wir uns aus der frühesten Kindheit, sie wanderten mit uns, da wir noch Jüngling, und nun während unseres Mannesalters erschallen sie noch genau so jammervoll, so trostlos, so grauenerregend wie damals. In der langen Zeit keine Spur von einer Besserung, im Gegentheil, immer schrecklicher lauten die Nachrichten über Gewalttätigkeiten, Ausschreitungen und Drohungen, schaudernd sehen wir Züge trostloser Wanderer an unserer Thüre vorüberziehen, außer Stande, ihnen eine dauernde Hülfe zu bieten. Wollen wir nicht ganz ohne Zuversicht dieses traurige Bild verlassen, so trösten wir uns mit der Hoffnung, daß es unter göttlichem Beistände der „Alliance isr.", die jetzt mit der Besserung der Zustände im Lande selbst begonnen, gelingen möge, gute Erfolge zu erzielen. Wenden wir unseren Blick von den äußeren Verhältnissen den Dingen zu, wie sie sich im Innern Israels abspielen, so zeigt sich uns, wenn auch nur in beschränktem Maße, ein erfreulicheres Bild. Hier sehen wir deutlich das Gute, das der das Böse wollende Geist. unabsichtlich schafft. Zu Beginn der achtziger Jahre: konnten die jüdischen Volkssänger in Rußland noch von Leuten singen, deren Kinder, als die aufgeregte Masse ihnen die Häuser plünderten, auf's Höchste erstaunt ihre Eltern fragen: „Sind wir denn Juden?" Derartige Leute gibt es doch wohl heute in der gesammten Judenheit kaum mehr. Heute weiß jeder Jude, daß er Jude ist, und mag er noch so jung sein. Das Rischus hat die Juden gelehrt, sich wieder auf sich selbst zu besinnen. Sind wir auch noch weit davon entfernt, daß. jene so gewaltsam Zurückgeführten die wahren Grundsätze des Judenthums erkennen, glauben Viele noch den Zweck und Inhalt des Judenthums in der! Betonung seiner Nationalität zu finden, meinen Andere, sich mit Phrasen oder auch Thaten der allgemeinen Menschenliebe mit ihrem Judenthume abfinden zu können, ja, suchen manche, wie Nordau und Genossen, ihr Heil in der Aufhebung der Emanzipation, sehnen sie sich in ihrer Blindheit zurück nach dem Ghetto. , so solb uns das nicht um unsere Hoffnungen auf die Zukunft bringen: sie haben den Weg'zur Rückkehr eingeschlagen und werden, wenn es im Plane des Höchsten liegt, weiter darauf fortschreiten. Wir aber sind von dem Wunsche beseelt, daß ein derartiges Fortschreiten nicht durch äußere Schläge, nicht durch innere Drangsale herbeigeführt werde. Die belebende Kraft, die dem Judenthume innewohnt, möge und wird dasselbe stets aus der Lethargie emporreißen, alle Krankheitserscheinungen beseitigen und seine Glieder immer auf's Neue mit Kraft und Gesundheit erfüllen. 'itiBf ,-v"' rrbi au1 xS rin „Siehe, es schläft nicht u. es schlummert nicht der Hüter Israels." Zeitungsnachrichten uriv Vorresponvcrrz ir. Deutschland. Berlin, 27. Dez. Aus Anlaß der zehnjährigen, segensreichen Wirksamkeit in der Gemeinde B e t h Zion erschien gestern eine Deputation des Vorstandes in der Wohnung des Herrn Rabbiner Höxter , um denselben zu beglückwünschen. Der erste Vorsitzende hob in bewegten Worten die Verdienste hervor, die sich der Rabbiner um Synagoge und Religionsschule erworben, wie er seine ganze Kraft und Zeit in den Dienst der heiligen Sache stellte und auf diese Weise die Gemeinde zu solcher Blüthe emporgebracht. ' Als -sichtbares Zeichen der Anerkennung überreiche er im Namen der Gemeinde einen Pokal. Mit tiefer Ergriffenheit erwiederte Herr Rabbiner Höxter in längerer Ausführung, daß die gedeihliche Entwickelung der Gemeinde nicht von seiner Person allein abhinge,-sondern wesentlich von der treuen Mitarbeiterschaft des Vorstandes, der stets auf seine Intentionen eingegangen sei, um dasjenige zur Ausführung zu bringen, was er, der Rabbiner, zum Heil und Wohl der Gemeinde für förderlich gehalten. Für ihn gebe es nur einen Stolz, daß Synagoge und Religionsschule auf dem Boden des traditionellen . Judenthums stehe, und auf dieser Grundlage werde er weiter kämpfen. Nun ergriff der erste Schriftführer das Wort, um den Rabbiner als Seelenhirte und Freund der Gemeinde zu feiern. Den herrlichen Midrasch, den der Herr Rabbiner als Erwiederung anwandte, sind wir leider nicht im Stande wiederzugeben. Ein Frühstück, das die Rebizzin unterdeß vorbereitet, schloß die würdige Feier ab.