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Der Israelit · 1901-01-03 · Heft 1 (3.1.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 1 (3.1.1901)
Date
1901-01-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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42. Jahrgang. M 1. Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet, von Dr. f^mann in Mainz Donnerstag, den 3. Januar 5661 (1901), Leitender Artikel & Rückblick. Mainz, 2. Januar. „Es gibt kein Gefäß, das mehr des Segens faßt, als der Friede." Hat dieser erhabene Ausspruch der jüdischen Weisen im Laufe der Jahrhunderte auch immer mehr Eingang gefunden in die Herzen der Nationen, haben wir es sogar erlebt, daß der mächtigste Herrscher auf dieser Erde durch Einberufung einer Eonferenz dieser Idee den stärksten Nachdruck zu verleihen bemüht war, so ist trotz alledem der männermordende Krieg von der Erde noch nicht verschwunden. In dem soeben beschlossenen bürgerlichen Jahre loderte die Fackel des Krieges wieder in zwei Erdtheilen hell auf und noch ist nicht abzusehen, wann die Waffen »nieder ruhen werden. Auch unsere Glaubensgenossen zollen den Tribut, den das Vaterland ihnen auferlegt, überall mit der ganzen Hingabe ihrer Persönlichkeit. Unter den Buren befinden sich eine große Reihe von Juden; viele haben schon ihr Leben lassen müssen auf dem Felde der Ehre und in den englischen Blättern kann rnan Woche für Woche die Bildnisse solcher Glaubensgenossen betrachten, die entweder im Kampfe gegen Transvaal sich ausgezeichnet oder ihr Leben auf dem Altäre des Baterlandes geopfert haben. Nach China hat das russische Reich ein ganzes jüdisches Regiment abgehen lassen und auch im Dienste der anderen Mächte befinden sich eine große Zahl jüdischer Streiter. Das Buch von den „Juden als Soldaten" ist in dem vergangenen Jahre wieder um ein bedeutendes und umfangreiches Kapitel vermehrt worden u. wieder einmal hat es sich glanzvolle gezeigt, daß es den Juden nicht nur an Neigung nicht fehlt, sich freiwillig und bleibend dem Militärdienste zu widmen, sondern daß sie sich auch im Felde so führen, daß ihre Liebe und Aufopferungsfähigkeit für ihr Vaterland von ihren Vorgesetzten nirgends angezweifelt wird. Das wird natürlich unsere Feinde nicht zurückhalten, den Soldaten jüdischen Glaubens auch fernerhin Feigheit vorzuwerfen. Die Devise bösgearteter Menschen: „Es wird immer etwas hängen bleiben" wußten sich unsere Gegner stets erfolgreich zu Nutzen zu machen. Trotz alledem konnte der Antisemitismus, diese hervorragendste Sumpfblüthe des eben abgelaufenen Jahrhunderts, nicht d i e Fortschritte machen, die seine Anhänger von ihm erhofft hatten. Wir haben erst vor einigen Wochen gelegentlich der Besprechung eines jüdischen Dramas*) unsere Ansicht über die Ausdehnung der Bewegung ausführlich dargelegt und wir sind heute noch der Meinung, daß wenn auch der latente Judenhaß immer noch im Wachsen begriffen, durch die fortschreitende Gesittung und Bildung der Massen, auch diese für uns so traurige Zeit vorübergehen wird. Ob dies allerdings in kürzerer oder, was Gott verhüten möge, in längerer Zeit sich vollziehen wird, vermag heute Niemand zu sagen. Noch gellen uns die Angstschreie verfolgter Brüder in Könitz und Polna in den Ohren und das, was jeder gesittete Mensch für unglaublich gehalten, das Wiederaufleben des Blutmärchens, hier ward's Ereigniß, dem Tausende von jüdischen Existenzen zum Opfer gefallen. Aber auch da, wo die Wogen des Hasses nicht so boch gingen, hatten unsere Brüder genug zu leiden. Eine große, einflußreiche Partei in Deutschland sucht unter dem Deckmantel des Christenthums die Juden aus der Beamten-, Lehrer- und Richtercarriere auszuschließen, und in unserem Nachbarstaate O e st e r r e i ch befindet sich die Verwaltung der Haupt- und Residenzstadt in den Händen von clericalantisemitischen Parteiführern. In Frankreich scheint der Kampf gegen Israel im Abnehmen begriffen *) „Ein zionistisches Trauerspiel" itt Nr. 87 v. I.

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